Nur kurz nach der Eröffnung der Brücke an der Hamburger Straße wurden die gläsernen Seitenwände mit Aufklebern und Graffiti beschmiert. Dabei hatte sich die Gestaltung mit Glaswänden schon an der nur wenige Hundert Meter entfernten Schellenbergbrücke als „Graffiti-Magnet“ erwiesen. Von einem „Planungsfehler“ will die Stadt aber nicht sprechen, obwohl der inzwischen eingetretene Zustand abzusehen war.
Ein Sprecher der Stadt Osnabrück erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Schmierereien von Menschen vorgenommen werden, die keinen Respekt vor fremdem Eigentum haben. Einen „Planungsfehler“ zu unterstellen, empfinde man als „Frechheit“, nicht zuletzt, weil die Gestaltung Richtlinien entspreche, die nur wenig Spielraum lassen.
Glas oder Beton: Vorschriften schreiben ‚Berührschutz‘ vor
Warum überhaupt große Glasflächen entlang der Brücke zwischen Hauptbahnhof und dem neuen Lokviertel montiert wurden, erläutert Stadtsprecher Constantin Binder mit einer verbindlichen Vorschrift: Um Brückengänger vor dem 15.000 Volt stromführenden Fahrdraht der Bahn zu schützen, sei ein sogenannter ‚Berührschutz‘ zwingend vorgeschrieben. „Gemäß der ‚Richtzeichnungen für Ingenieurbauten‘ muss dieser mindestens 1,80 Meter hoch sein und darf keine Löcher haben – also als feste Wand entweder aus Glas/Plexiglas (wie bei uns) oder aus Beton.“
Menschen müssen vor Dummheit und reißenden Fahrdrähten geschützt werden
Der Schutz soll auch besonders dumme Menschen [keine Formulierung der Stadtverwaltung] daran hindern, mit Stangen oder anderen Verlängerungen Kontakt zur Hochspannungsleitung aufzunehmen – und sich dabei vor Ort in Elektro-Grillgut zu verwandeln.
Binder ergänzt: „Diese Wand schützt auch dann die Personen auf der Brücke, sollte der Fahrdraht einmal reißen. An jeder Scheibe über dem Fahrdraht ist zusätzlich der Aufkleber ‚Achtung Starkstrom‘ angebracht.“

Schmiererei oder Angstraum – Stadt zwischen zwei Problemen
Weil die Vorschrift keine andere Möglichkeit zulässt, wird es nach Einschätzung der Stadt immer eine Fläche geben, die beschmiert werden kann. Für eine Ausführung aus Beton oder einem anderen nicht durchsichtigen Material habe man sich bewusst nicht entschieden, um keine „Angsträume“ zu schaffen und auch nicht die Versuchung zu erhöhen, über die Mauer zu klettern.
Resigniert Stadtverwaltung vor linker Szene und VfL-‚Fans‘?
„Ob die Graffiti entfernt werden, müssen wir noch prüfen. Es würde vermutlich nicht lange dauern, bis die Wand wieder vollgeschmiert ist“, erklärte der Stadtsprecher. Ein Großteil der Aufkleber und Schmierereien ist der linken Szene und der sogenannten Fanszene des VfL Osnabrück zuzuordnen.