Etwas mehr als vier Jahre ist es jetzt her, dass der Osnabrücker Rosenplatz – hauptsächlich mit eingefärbtem Beton – „aufgepeppt“ wurde. Vor rund einem Vierteljahr wurden die „Holzdecks“ wegen offensichtlicher Schäden hinter Gitterzäune verfrachtet – der Platz hat wieder Baustellen-Charakter. Nun hat die Verwaltung wenigstens einen groben Plan.

Unsere Redaktion bemühte sich bereits vor zwei Wochen von der Verwaltung eine Auskunft über die weiteren Pläne für die defekten Holzdecks zu bekommen, Anlass war die Anfrage eines Lesers. Doch beim Presseamt zeigte man sich wenig auskunftsfreudig und verwies auf das Ressort des Stadtbaurats, das vor der Beantwortung unserer Anfrage noch notwendige Recherchen anstellen müsste.



Erst eine Anfrage der FDP-Fraktion machte der Verwaltung den notwendigen Druck einen Status zu formulieren, der in der vergangenen Woche im Ratsinformationssystem veröffentlicht wurde.

Architekt hatte nicht mit Funsportlern gerechnet

Als Ursache, die zu der Einzäunung der Holzdecks Ende 2016 führte, werden die an verschiedenen Stellen aufgetretenen Schäden an der Holzbeplankung genannt. Die Ursachen sind nach Erkenntnissen der Verwaltung unterschiedlich, sie seien teilweise auf die mechanische Beschädigung durch die Nutzung von Skatern zurückzuführen. Aber auch Materialermüdung und Materialschäden an den Beplankungen des Thermoholzes haben zu dem schnellen Verfall der Anlage geführt.
Die Verwaltung beklagt, dass die Holzdecks einen erhöhten Unterhaltungsaufwand verlangen, dem so nicht Rechnung getragen werden konnte. Ebenfalls kommen die zuvor erwähnten mechanischen Beschädigungen durch bestimmte Nutzungen hinzu. Hier liegt zwar ein Fremdverschulden vor, das aber niemandem zugeordnet werden kann.

Rosenplatz Osnabrück
Schön ist anders. Nach vier Jahren sind die Holzdecks am Rosenplatz schon ein Fall für eine Totalrenovierung.

Das überhaupt Skater oder BMX-Fahrer die „Decks“ nutzen, hatte sich der Architekt wohl nicht vorstellen können. Bei der öffentlichen Präsentation des neuen Rosenplatzes war noch die Rede von einer Nutzung als Sonnendeck, Bühne oder Café. Da hatte der Architekt wohl die Rechnung ohne die Funsportler der Hasestadt gemacht.

Holzlieferant entzieht sich der Haftung durch Konkurs

Offensichtlich scheint aber auch mit dem verbauten Holz nicht alles in Ordnung gewesen zu sein. Unsere Fotos zeigen, dass die Planken nicht etwa an den besonders durch BMX oder Skateboard beim „Grinden“ beanspruchten Kanten beschädigt wurden, sondern teilweise innerhalb der Rampen durchgebrochen sind oder herausgehebelt wurden.

Die Verwaltung schreibt zu einem möglichen Rückgriff auf den Hersteller der Gammelplanken: „Der Lieferant des Thermoholzes ist zwischenzeitlich in Konkurs gegangen, so dass etwaige Regressansprüche bezüglich des Thermoholzes nicht mehr möglich sind.“

Handwerker soll es nun richten

Während der eigentlich Verantwortliche aus der Verantwortung raus ist, soll es nun die Montagefirma auf eigene Kosten richten.
Das defekte Holzdeck vor der Schule wird in Kürze auf Kulanz durch die Montagefirma der Holzdecks saniert. Die weiteren Decks sollen dann im Anschluss ebenfalls repariert werden. Bei der kostenfreien Reparatur der ersten Rampe sollen Kostenansätze für die weiteren Reparaturarbeiten ermittelt werden. Die Handwerker werden ihr Geld dann wohl bei diesen Folgeaufträgen bekommen.
Bei der Verwaltung denkt man auch über die Verwendung von anderem „Oberflächenmaterial“ nach. Zu einem Zeitplan (immerhin stehen die Baustellengitter jetzt seit Dezember 2016) äußert sich die Verwaltung allerdings nicht, auch einen ungefähren Kostenrahmen konnte die Verwaltung nicht liefern.

Architekt hat Urheberrechte an Rampen

Obwohl der Architekt hinsichtlich der Nutzung seiner „Sonnendecks“ vollkommen am Bürger vorbeigeplant und die Belastung durch Funsportler sowie die Vergänglichkeit des von ihm vorgeschlagenen Materials nicht berücksichtigt wurden, muss die Stadt alle Informationen mit dem Planer abstimmen. Erst wenn dieser informiert und angehört wurde, kann mit den Arbeiten begonnen werden. Diese Rechte sind in dem mit dem Planer geschlossenen Architektenvertrag geregelt, teilt die Stadtverwaltung mit.
Weitere Aufwände und Verzögerungen sind also auch von dieser Seite zu erwarten.

Unsere Redaktion hat sich das Thema „auf Termin“ gelegt, wir schauen in einem Vierteljahr mal wieder auf dem Rosenplatz vorbei.

 

Video: YouTube, Channel „Paul Gerlach
Fotos: Hasepost