Es sollte nur eine „Mitteilung“ der Verwaltung an die Kommunalpolitik sein … . Tatsächlich offenbarte die Verwaltung am vergangenen Donnerstag, dass der Rosenplatz-Bahnhof“ inzwischen wohl nur noch eine „Hinterhof-Haltestelle“ werden wird, an der pro Stunde maximal zwei Züge halten. Der Weg zur Haltestelle führt von der Sutthauser Straße an Garagen- und Hinterhöfen vorbei.
„Ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt“ sollte der Rosenplatz werden – so verkündete der längst Geschichte gewordene ehemalige Mobilitätsvorstand der Stadtwerke noch vor vier Jahren. Inzwischen wird klar: Viel „verknoten“ wird sich dort nicht – und vor allem hat sich die Distanz des neuen Bahnhalts zum Rosenplatz deutlich vergrößert.
Ab 2024 – das hat schon mal nicht geklappt – sollten Züge am „Bahnhof Rosenplatz“ halten, so das seit Jahren öffentlich wiederholte Versprechen, für das inzwischen tatsächlich die Bagger angerückt sind, um für Baukosten von mindestens sieben Millionen Euro teure Tatsachen zu schaffen.
Hat niemand bemerkt, dass der Rosenplatz überhaupt nicht an der Bahnstrecke liegt?
Doch wer sich auf die Suche nach der Baustelle macht, wird nicht gleich fündig. Am Rosenplatz selbst wird kein Bahnhof gebaut. Tatsächlich grenzt der Rosenplatz auch überhaupt nicht an die Bahnstrecke, weshalb die Namensgebung ohnehin eher seltsam und geografisch falsch war. Mehr so wie der Flughafen Frankfurt Hahn, der von Billigfliuggesellschaften nach der Bankmetropole benannt wurde, tatsächlich aber ein Bundesland und etwa 100 Kilometer entfernt liegt. Ganz soweit liegt der Rosenplatz vom zukünftigen Bahn-Halteplatz nicht entfernt, aber schon ein „ganzes Stück“.
Offenbar hat also in all den Jahren niemand bemerkt, wie weit der Rosenplatz tatsächlich von der Bahnstrecke entfernt liegt. Aber selbst an der zwischen Rosenplatz und Bahndamm parallel verlaufenden Spichernstraße ist von einer Baustelle keine Spur.
Wo also wird denn nun dieser ominöse Rosenplatz-Bahnhof gebaut?
Haltestelle ist nicht auf der Bahndamm-Seite vom Rosenplatz
Um es abzukürzen: Die zukünftige Haltestelle wird nur von der dem Rosenplatz abgewandten Seite des Bahndamms zu erreichen sein – stadtteiltechnisch also eher vom Kalkhügel; Rosenplatz nennt diese Ecke niemand mehr.
Die Zufahrt zu den inzwischen begonnenen Bauarbeiten erfolgt über einen etwas versteckt liegenden schmalen Weg hinter der Eisenbahnbrücke an der Sutthauser Straße, der bislang als Zufahrt zu mehreren privaten Hinter- und Garagenhöfen diente.
Dieser Weg – also die Zufahrt zu den Garagenhöfen – war bislang so bedeutungslos, dass er noch nicht einmal einen Straßennamen hat.

Wer von hier abfahren will, muss durch eine dunkle Gasse gehen
Das Pikante an dieser derzeitigen Baustellenzufahrt: Sie wird nach derzeitigem Stand auch nach der für 2026 geplanten Inbetriebnahme des Bahnhalts der einzige Zugang zu den Gleisen bleiben. Auf dem Weg zu den Zügen wird man dann links den hochaufragenden Bahndamm und rechts ein paar dunkle Garagen- und Hinterhöfe passieren.
Stadtplaner nennen solche Sackgassen nicht ohne Grund „Angsträume“ und versuchen sie eigentlich zu vermeiden.
Aber zunächst zur Frage: Warum „Bahnhalt“ und nicht „Bahnhof“? Nach Definition der Deutschen Bahn bekommt der Rosenplatz tatsächlich keinen Bahnhof, sondern nur eine Haltestelle. Dort wird es nur eine äußerst überschaubare Zahl an Zügen geben, die dort überhaupt einen Halt einlegen – nach aktuellem Fahrplan maximal einen pro Stunde und Fahrtrichtung.
Züge aus Richtung Münster oder Bremen können dort nicht halten
„Bahnhalt“ statt „Bahnhof“ vor allem deswegen, weil es dort keine Weichen für einen Gleiswechsel geben wird, die braucht es aber per Definition für einen „echten“ Bahnhof.
Derartige Weichen wären auch drigend nötig, damit dort mehr Züge halten könnten. Obwohl der neue Bahnhalt direkt an der wichtigen Bahnmagistrale Hamburg–Ruhrgebiet liegt, werden Nahverkehrszüge aus Diepholz, Bohmte, Hasbergen oder Lengerich – bis hin nach Düsseldorf und Bremen – weiterhin durchfahren.
Die Idee eines neuen Bahnhofs war vielleicht grundsätzlich gut, und Fördergelder vom Land Niedersachsen fließen aus unerfindlichen Gründen ebenfalls, aber mangels Weichen und Platz für Ausweichgleise ist ein Halt dieser Züge technisch unmöglich. Und selbst wenn Weichen nachträglich eingebaut würden – der Bahnsteig wäre für diese Züge ohnhehin wohl viel zu kurz.
Haller Willem für Fahrt nach Bielefeld völlig uninteressant
Die Millionen aus der Steuerkasse werden also dafür verbaut, dass die kurzen Dieseltriebwagen des Haller Willem von und nach Bielefeld etwa 1.000 Meter vor bzw. hinter ihrem Start- oder Zielbahnhof Osnabrück Hauptbahnhof noch einmal anhalten. Der Haller Willem wird vor allem von Pendlern in Richtung Südstadtgemeinden wie Kloster Oesede oder Dissen genutzt. Die Weiterfahrt nach Bielefeld ist wegen der langen Fahrtzeit so unattraktiv, dass die Bahn auf ihrer Fahrplanseite nur Verbindungen über Melle empfiehlt, die trotz des teils notwendigen Zugwechsels Umstiegs in Löhne oft mehr als 20 Minuten schneller sind, als die Fahrt mit dem Triebwagen der NordwestBahn über die ostwestfälischen Dörfer.

Zugang zur Iburger Straße ohne die Bahn geplant: und die sagt „nein“
Am Rande der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (StuA) wurde am Donnerstagabend nun auch noch bekannt, dass ein weiteres mit dem „Rosenplatz-Bahnhof“ verbundenes Versprechen der Politik zu platzen droht. Sollte es der Stadt nicht gelingen, für eine bislang unbekannte Summe ein Grundstück zu erwerben, wird es keinen Zugang von der Wörth- bzw. Iburger Straße geben.
Weil die Stadt über mehr als ein Jahrzehnt geplant hat, ohne sich frühzeitig die notwendige Zuwegung zu sichern, wird der Zugang zu den Zügen nur über die Sutthauser Straße möglich sein. Ursprünglich hatte die Stadt eine kombinierte Rampen- und Steglösung entlang des Bahndamms zur Iburger Straße geplant – allerdings ohne sich mit der Bahn abzusprechen. Spätere – besser: viel zu späte – Gespräche mit der Bahn ergaben, dass Bedenken wegen der Statik des Bahndamms und der Brücke bestehen.
Kommunalpolitiker sorgen sich vor allem um den Namen der Haltestelle
Obwohl nun erhebliche Zusatzkosten auf die Stadt zukommen könnten, weil möglicherweise ein Grundstück nachträglich gekauft werden muss, machten sich einige Ausschussmitglieder am Donnerstagabend vor allem Sorgen darüber, dass eine Umbenennung in „Bahnhalt Sutthauser Straße“ zu sperrig sein könnte. Damit ein „schönerer Name“ gefunden wird, vielleicht auch für die bislang namenlose Gasse, soll nun der Kulturausschuss eingebunden werden.
Kommentar des Redakteurs:
Die Kosten für den Steuerzahler und die nahezu vollständige Unsinnigkeit dieser Haltestelle interessierten die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstag überhaupt nicht.
Eine kleine Online-Recherche am Rande: Der durchschnittliche Abstand zwischen zwei S-Bahnhaltestellen beträgt nach Angaben der KI Perplexity etwa 2 Kilometer in Berlin, 2,06 Kilometer in Hamburg und 2,89 Kilometer in München. Der Abstand zwischen dem Bahnhalt an der Sutthauser Straße und dem Bahnsteig am Osnabrücker Hauptbahnhofs beträgt laut Google Earth lediglich 998 Meter.
Eine Busfahrt vom Rosenplatz (wirklich Rosenplatz, nicht eine Haltestelle vis-à-vis eines dunklen Garagenhofs an der Sutthauser Straße) zum Hauptbahnhof dauert mit der Linie 16 nur sechs Minuten.
Vom Hauptbahnhof aus gibt es Anschluss an Züge nicht nur nach Dissen oder Hilter, sondern auch nach Hamburg, Berlin, Amsterdam oder München. Dank der City-Ticket-Option der Deutschen Bahn ist diese Busfahrt meist sogar im Fahrpreis enthalten.
Ein Nicht-Bau des Haltepunkts an der Sutthauser Straße hätte den Steuerzahler um mindestens sieben Millionen Euro entlasten können. Für dieses Geld hätte man etwa vier Millionen Kurzstreckentickets der VOS kaufen können – Osnabrück hätte damit wohl für mehrere Jahrhunderte eine kostenlose Fahrt vom Rosenplatz zum Hauptbahnhof anbieten können.
Last not least: Für den Fußweg vom Rosenplatz zum Hauptbahnhof rechnet die App VOSpilot nur 17 Minuten oder 1,2 Kilometer. Man könnte also auch einfach laufen, statt auf einen Zug zu warten, der bestenfalls alle 60 Minuten fährt.