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Polizeistatistik belegt: mehr als vierfach höheres „Dooring“-Risiko* auf Pagenstecherstraße und Wallring

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Von der künstlichen Intelligenz DALL-E gestaltete Grafik

Wichtige Hauptverkehrsachsen der Hasestadt, allen voran die Pagenstecherstraße und der Wallring, sollen umfangreich umgebaut werden, so der inzwischen bereits in Anfängen umgesetzte Plan von Politik und Verwaltung. Als Begründung für den schwerwiegenden Eingriff in die individuelle PKW-Mobilität werden „Dooring“-Unfälle* angeführt, die entlang der Hauptverkehrsachsen der Stadt gehäuft vorkommen sollen.

Wie hoch ist das Risiko, tatsächlich auf der „Page“ im Stadtteil Hafen und rund um die Innenstadt auf dem Wall als Radfahrer von einer sich unvermittelt öffnenden PKW-Türe förmlich „abgeschossen“ zu werden?

Während bereits erste Beschlüsse auf den Weg gebracht wurden, die für zahlreiche alte Stadtbäume an der Pagenstecherstraße das Ende mit der Kettensäge bedeuten können, und am Wall dutzende Parkflächen für Anwohner und Kunden des Einzelhandels ersatzlos entfernt wurden, hat unsere Redaktion bei der Polizeiinspektion Osnabrück nachgefragt, wie sich die Realitäten im Unfallgeschehen in den vergangenen Jahren in der Unfallstatistik niedergeschlagen haben.

Ein Blick in die Unfallstatistik der Polizei

Von den nach offiziellen Angaben der Stadtverwaltung exakt 775 Kilometern, die das Straßennetz der Hasestadt umfasst, zählen die Pagenstecherstraße mit gut 2,3 Kilometern und der Wallring mit rund 4,7 Kilometern zu den längsten Straßenverbindungen der Stadt.

Nach Angaben der Polizeiinspektion Osnabrück gab es auf dem gesamten Straßennetz der Stadt Osnabrück in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 88 „Dooring“-Verkehrsunfälle.

Einen Trend zu mehr oder weniger Unfällen dieser Art kann die Polizei nicht ausmachen, sie seien „über die Jahre einigermaßen gleich verteilt“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion.
Von den beteiligten Radlern wurden sechs Personen schwer verletzt (darunter ein Pedelec-Fahrer); 77 (75 Radfahrer – acht davon Pedelec) Personen kamen mit leichten Verletzungen davon. Das Alter der verunfallten Radler reicht zwischen 25 und 64 Jahre.

Bezogen auf das gesamte Straßennetz der Stadt Osnabrück kam es im Zeitraum von fünf Jahren nach den vorliegenden Zahlen etwa alle 8,8 Kilometer zu einem Unfall, bei dem ein Fahrradfahrer in eine für ihn überraschend geöffnete Autotür fuhr und sich dabei zumeist mindestens leicht verletzte.

Deutlich höheres Dooring-Risiko auf Page und Wall

Für die immerhin fast fünf Kilometer lange Verbindung über den Wall verzeichnet die Polizei in den vergangenen fünf Jahren insgesamt sechs Unfälle, in vier Fällen wurden Fahrradfahrer dabei leicht verletzt, in zwei Fällen wurde lediglich Sachschaden festgestellt.

Auf der nur wenig mehr als zwei Kilometer langen Pagenstecherstraße wurde während fünf Jahren ein entsprechender Unfall festgestellt, das Unfallopfer wurde dabei schwer verletzt.

Weniger Verkehr auf Nebenstraßen – trotzdem hohe Unfallzahlen?

Wie bei allen Statistiken gibt es auch hier ein großes Spielfeld für Interpretationen und zusätzliches Zahlenmaterial, das in die Bewertung mit eingebracht werden kann.
Tatsächlich wird über die beiden oben betrachteten Straßen ein Großteil des innerstädtischen PKW- und Fahrradverkehrs abgewickelt. Bezogen auf die Gesamtzahl der Verkehrsbewegungen könnte sich bereits ein anderes Bild ergeben (These: Wo sich viele Autos und Radfahrer begegnen, kommt es zwangsläufig zu mehr Unfällen). Andererseits ist aber auch die Schwere der Unfallfolgen zu beachten. So verzeichnet die Page einen der insgesamt sechs Unfälle, bei denen es zu schweren Verletzungen kam.

Überwiegende Zahl der Dooring-Unfälle nicht auf Wall und Page

Fakt ist aber auch, dass 82 von insgesamt 88 Dooring-Unfällen in den vergangenen fünf Jahren nicht auf Page und Wall passierten.
Ein Verdrängen des motorisierten Individualverkehrs auf Seitenstraßen, zum Beispiel in die Natruper Straße, auf Bereiche also, in denen in weiten Teilen keine bauliche Trennung (mit Abstand) von Rad- und PKW-Verkehr möglich ist, könnte zu einer Verlagerung des Unfallgeschehens führen. Die Kommunalpolitik kümmert sich derzeit vor allem um Leuchtturmprojekte entlang der Hauptverkehrsachsen, weniger um die Seitenstraßen, in denen die zahlenmäßig meisten Dooring-Unfälle verzeichnet werden. Allerdings ist zumindest geplant, infolge der Umgestaltung der Pagenstecherstraße die Natruper Straße vordringlich fahrradgerecht umzubauen, damit keine Verlagerung des PKW-Verkehrs stattfindet.

Update: Kommentar zum Thema


*Anglizismus: Was sind Dooring-Unfälle?

Beim Radfahren auf der Fahrbahn neben parkenden Kraftfahrzeugen können unachtsam plötzlich geöffnete Fahrertüren („Dooring“), bei Radwegen entsprechend die Beifahrertüren, zu einem Unfall führen. […]
Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer auf Basis eigener Unfalldaten hat ergeben, dass bei rund jedem 14. Pkw/Radfahrer-Unfall (7 Prozent) ein Radler mit einer sich öffnenden Autotür, meist der Fahrertür, kollidiert. Rund jeder fünfte dieser Unfälle endete mit einer schweren Verletzung für den Radfahrer. Meist sind es Kopf- und Beinverletzungen. Die Untersuchung zeigt, dass diese Unfälle oft dort geschehen, wo es keine separate Radverkehrsführung wie Radwege, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen gibt, also an „normalen“ Straßen, an denen Radfahrer oft direkt neben den parkenden Fahrzeugen fahren.

aus Wikipedia

Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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