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Rufe aus der SPD nach härterer Asylpolitik – wie in Dänemark

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Aus der SPD gibt es Rufe nach einer härteren Asylpolitik, wie es die in Dänemark regierenden Sozialdemokraten vorgemacht haben. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt forderte mehr staatliche Anstrengungen bei der Integration von Geflüchteten und eine schnellere Integration in den Arbeitsmarkt.

„Eine überall gleiche Ankunft im Land mit verpflichtendem Sprach- und Integrationskurs in den ersten sechs Monaten würde unser Asylsystem verbessern“, sagte Arlt dem Tagesspiegel: „Wer zu uns kommt, sollte schnell arbeiten können, um einerseits den Sozialstaat zu bewahren. Andererseits sind wir volkswirtschaftlich auf eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt angewiesen. Angesichts des Kräfte-/Fachkräftemangels ist Migrationspolitik auch Wirtschaftspolitik.“ Die SPD müsse künftig „verstärkt über Sozialpolitik, Sicherheit und Migrationspolitik reden“, sagte Arlt.

Der Sozialdemokrat verwies auf die Migrations- und Integrationspolitik, wie sie in Kopenhagen verfolgt wird: „Integration funktioniert nicht, wenn zu viele Menschen mit Migrationshintergrund an einem Ort leben – so eine der Thesen.“ Dänemark habe „diese Orte genau identifiziert, teils harsche Maßnahmen gewählt, um die Politik durchzusetzen. Es gilt unter anderem eine Kindergartenpflicht für Einjährige an diesen Orten. Ich will mir dieses Konzept nicht zu eigen machen, finde aber die Idee überzeugend, dass eine Region aufnahmebereit sein muss. Es darf keine Verteilungskämpfe zwischen Alteingesessenen und Geflüchteten geben.“

Von Dänemark „können wir uns die Mechanismen bei der Ankunft von Migranten abgucken: einheitlicher Sprach- und Integrationskurs innerhalb eines verbindlichen Zeitraums, möglichst durch dauerhaft bereitstehende Ressourcen. Wir sollten öfter in den Norden schauen, ohne dass es nötig ist, jede harte Vorschrift und Sanktion gleich zu kopieren“, sagte Arlt. Das dänische Konzept spreche „diejenigen an, die morgens aufstehen und den Wohlstand unseres Landes erwirtschaften. Mir gefällt der Grundgedanke: Wir brauchen so viele Menschen wie möglich, die in das Wohlfahrtssystem einzahlen. Dänemark durchdenkt Gesetze und Politikfelder konsequent.“

In der dänischen Kommune, in der sein Ehemann seinen Hauptwohnsitz habe, seien 87 Prozent der ukrainischen Flüchtlinge in Arbeit. „Das ist eine gute Zahl, aber in dieser Hinsicht nicht die beste Kommune Dänemarks. Auch unter den nicht-westlichen Flüchtlingen, wie sie in Dänemark heißen, ist die Erwerbsquote hoch.“

Wenn Menschen nach ihrer Flucht dauerhaft in Dänemark bleiben dürften, „richten sich die primären Bemühungen darauf, sie in Arbeit zu bringen. Damit gelingt Integration. Das dient dem Ziel, das Niveau des dänischen Sozialstaates, das teilweise höher ist als bei uns, etwa bei Pflege und Grundrente, zu halten“, sagte SPD-Politiker Arlt.


Foto: Fahnen von EU, Dänemark und Deutschland (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Georgiens Präsidentin heimlich in Berlin – Amtsenthebungsverfahren

Tiflis/Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Nach einem in Deutschland zunächst nicht öffentlich bekannt gewordenen Besuch von Georgiens Präsidentin Salome Surabischwili plant die dortige Regierungspartei „Georgischer Traum“ ein Amtsenthebungsverfahren gegen das Staatsoberhaupt. Das sagte der Vorsitzende der Partei, Irakli Kobachidse, wie georgische Medien am Freitag berichteten.

Grund ist offenbar, dass Surabischwili am Donnerstag in Berlin die Möglichkeit ausgelotet haben soll, einen EU-Beitrittskandidatenstatus zu erreichen. Surabischwili habe sich mit dem Besuch in Berlin „gegen die Staatsinteressen Georgiens“ gerichtet, sagte Kobachidse, Außenpolitik sei ausschließlich Sache der Regierung. Und die gilt als prorussisch. Mit wem Surabischwili in Berlin gesprochen hat, war zunächst unklar, der stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner und ein Sprecher des Außenministeriums wollten am Freitagmittag zunächst keine Angaben zu dem Vorgang machen.


Foto: Berliner Funkturm und Fernsehturm (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Osnabrück investiert in Kitas: Stadt fordert mehr Engagement und Finanzierung vom Land

(Symbolbild) Spielende Kinder
Symbolbild

Die frühkindliche Bildung ist eine wesentliche Grundlage, um Kindern gutes Aufwachsen zu ermöglichen. Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind Eltern zudem auf eine verlässliche Betreuung angewiesen. Dementsprechend setzt die Stadt Osnabrück erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen in den quantitativen und qualitativen Ausbau im Elementarbereich ein.

„Das allein reicht aber nicht aus, um den Anforderungen im Kitabereich jetzt und zukünftig gerecht zu werden. Das Land muss bei den Themen Ausbildung sowie Neubau und Sanierung von Kitaplätzen deutlich mehr leisten und schneller handeln“, so der Erste Stadtrat Wolfgang Beckermann.

Nahezu alle Stellen besetzt

Politik und Stadtverwaltung setzen seit Sommer 2022 im Rahmen eines Sonderprojekts „Gesamtstrategie zum Fachkräftemangel im Fachbereich für Kinder, Jugendliche und Familien“ vielfältige Maßnahmen der Personalgewinnung und -bindung um. „Durch das Engagement haben wir Erfolg: Wir bilden Fach- und Zusatzkräfte aus, nutzen sämtliche Möglichkeiten des Quereinstiegs und der landesseitigen Finanzhilfe, sorgen für Weiterbildungsangebote, Springerpools, verstärkte Marketingmaßnehmen und vieles mehr“, erklärt Wolfgang Beckermann. „Aktuell sind nahezu alle Stellen in den städtischen Kitas besetzt, das ist ein großer Erfolg auf dem wir uns aber nicht ausruhen werden.“

Das Land bietet rechtliche und finanzielle Möglichkeiten, die Stadt und freie Träger nutzen. „Allerdings reichen diese nicht aus, um die vielfältigen Herausforderungen zu meistern. Nach den Ankündigungen hätte ich seitens des Landes zeitnah mehr erwartet und bin enttäuscht über das bisherige geringe Engagement. Hier fordere ich das Land auf, bald nachzubessern, zu entbürokratisieren und der Kommune mehr Handlungsspielräume zu geben.“

Enorme Belastung für die Stadt

Zwei Beispiele für den Bereich Finanzierung: Die Rechtsansprüche für Kinder ab einem Jahr führten zu massiven Platzausbauten und die Betriebskosten werden nur circa zu einem Drittel vom Land refinanziert. Und seit dem ersten Ausbauprogramm 2009 bis heute hat die Stadt 113 Mio. Euro in die Hand genommen, um Kitas zu bauen. Das Land hat lediglich knapp acht Millionen Euro beigesteuert, ein eklatantes Missverhältnis. „Für das Jahr 2024 sind keinerlei Finanzierungsmittel in den Landeshaushalt gestellt worden, das sehe ich nahezu als skandalös an und muss dringend nachgebessert werden. Die Investitionen und die laufende Finanzierung stellen für die Stadt Osnabrück eine enorme Belastung dar. Es ist ein Anachronismus, den Kommunen einerseits die Mitfinanzierung von Kitabauten zu verweigern, also allein zu überlassen, andererseits ausgeglichene kommunale Haushalte zu erwarten“, so Beckermann.

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Kritik an Lauterbachs Cannabis-Werbekampagne

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) steht nach einem Auftritt in einer Cannabis-Werbekampagne in der Kritik. Es dabei um ein Video des Start-ups Kejf, das der Musiker Paul Würdig alias Sido mitgegründet hat.

Das Unternehmen will nach eigenen Angaben „Vorurteile gegenüber Cannabis abbauen“ und mit „von Hand kultivierten“ Arzneimitteln handeln. Lauterbach ist in dem Werbefilm als Interviewpartner zu sehen, er spricht über Themen rund um die Cannabis-Legalisierung, während Würdig seinen hohen Konsum rechtfertigt: Er sehe die 50-Gramm-Grenze kritisch, sagte der Unternehmer, er selbst habe sich ein „anderes Level antrainiert“. Tilo Lange, Sprecher des Berliner Büros der Initiative Lobbycontrol, sagte: „Bundesminister sollten sich nicht von einzelnen Unternehmen vor den Werbekarren spannen lassen.“ Lauterbach habe in diesem Fall „das nötige politische Fingerspitzengefühl missen lassen“.

Auch in der Branche ist man über den SPD-Politiker verstimmt. Mehrere Start-up-Unternehmer kritisieren gegenüber dem „Spiegel“ eine Art von Wettbewerbsverzerrung: Es sei „komisch, dass ein Minister indirekt Werbung für ein Unternehmen macht“, so ein Gründer. Das liegt auch daran, dass Kejf den Auftritt Lauterbachs mittlerweile aggressiv vermarktet: Ein halbes Dutzend Instagram-Beiträge des Unternehmens zeigen und zitieren Lauterbach, die Website des Start-ups ziert ein Bild, in dem sich Minister und Musiker per Handschlag begrüßen. Im Ministerium versucht man, den Eindruck eines Testimonial-Auftritts zu zerstreuen: Das Gespräch sei Teil einer Gesprächsreihe, die der „Künstler Sido“ initiiert habe, „um über Cannabis zu informieren“, sagte ein Sprecher.

Lauterbach habe den Auftritt als Möglichkeit betrachtet, den Sinn des Cannabis-Gesetzes „einem jungen Publikum näherzubringen und die Gefahren des Konsums aufzuzeigen“, dieser Plan sei „aufgegangen“. Lauterbach, der in seinen eigenen Posts auf Würdigs Start-up verlinkt, war vor seiner Zeit als Minister als strikter Gegner von politischer Werbung für Unternehmen bekannt.


Foto: Karl Lauterbach (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Bundesrechnungshof kritisiert Haushaltspolitik der Bundesregierung

Bundesrechnungshof kritisiert Stiftung Forum Recht
Bundesrechnungshof kritisiert Stiftung Forum Recht

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Bundesrechnungshof übt in einem neuen Bericht scharfe Kritik am Entwurf des neuen Bundeshaushalts. Der Haushalt 2024 sei unsolide finanziert, umgehe bewusst die Schuldenbremse und verschleiere so die echte Verschuldung.

So liege die tatsächliche Verschuldung unter Einbeziehung aller Schattenhaushalte nicht bei den von der Bundesregierung angegebenen 16,6 Milliarden Euro, sondern bei 85,7 Milliarden Euro und damit fünfmal höher als, heißt es in der „Analyse zur Lage der Bundesfinanzen für die Beratungen zum Bundeshaushalt 2024“, die der Bundesrechnungshof am 31. August dem Bundestag übermittelt hat und über die das „Handelsblatt“ berichtet. Der neue Bundeshaushalt wird in der nächsten Woche in den Bundestag eingebracht. So monieren die Prüfer unter anderem, dass Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) in seiner Finanzplanung mit einem Haushaltsloch von 15 Milliarden Euro plane. „Steigende Ausgaben zu planen, ohne ihre Finanzierung zu klären, ist kein Ausweis haushaltspolitischer Solidität“, schreibt der Bundesrechnungshof.

Der Bund müsse angesichts künftiger Tilgungverpflichtungen und steigender Zinsen jetzt die Grundlage für die Tragfähigkeit künftiger Haushalte schaffen. „Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2024 wird dem nicht gerecht“, schreibt der Bundesrechnungshof. „Einer substanziellen Aufgabenkritik mit dem Ziel der Priorisierung und der Rückführung nachrangiger Aufgaben hat sich die Bundesregierung weitgehend entzogen. Die von ihr beschlossenen Haushaltsentlastungen beschränken sich weitgehend auf Ausgabenverlagerungen in Sondervermögen, Streichung von Vorsorgen und ungedeckte Positionen“, heißt es in der Analyse.

„Problematisch“ sei dies auch mit Blick auf die Schuldenbremse. „Durch verschiedene Maßnahmen in den Jahren seit 2020 wurde die Schuldenregel in ihrer Wirksamkeit schritt weise immer stärker beeinträchtigt.“ Der Bundeshaushalt habe in den vergangenen Jahren „durch das Ausweichen in Nebenhaushalte deutlich an Aussagekraft eingebüßt, zahlreiche Bundesausgaben sind budgetflüchtig“.


Foto: Bundesrechnungshof (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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Gute Nachricht des Tages: Physiotherapeuten sammeln 500 Euro für das Naturschutz- und Bildungszentrum Alfsee

Spendenübergabe des 24h-Rennens. / Foto: nbz Alfsee
Spendenübergabe des 24h-Rennens. / Foto: nbz Alfsee

Es passieren jeden Tag viele schlimme Dinge – aber auch viele gute. Leider schaffen es die schönen Nachrichten viel zu selten in die Presse. Das wird sich jetzt ändern, denn die HASEPOST berichtet nach Möglichkeit jeden Tag über mindestens eine „Gute Nachricht“ aus der Region und aller Welt.

Angehende Physiotherapeutinnen und -therapeuten der Prof. Grewe Schule Osnabrück und der Physiotherapieschule Quakenbrück sowie die Praxis Herlyn Alfhausen haben beim 24h Mountainbike-Rennen am Alfsee Sportler behandelt und wieder fit gemacht. Dabei konnten sie Spenden in Höhe von 1.000 Euro sammeln. Die Hälfte davon geht an das Naturschutz- und Bildungszentrum (nbz) Alfsee.

Das nach einem Großbrand zerstörte Zentrum wird voraussichtlich im Frühjahr 2024 wieder eröffnen. Neu ist, dass die Ostfassade der neuen Ausstellungshalle begrünt wird. Sie soll zukünftig Besuchenden beispielhaft zeigen, wie eine Fassadenbegrünung funktioniert, welche Pflanzen geeignet sind und welche Vorteile sie mit sich bringt. „Begrünte Fassaden wirken der Klimaerhitzung besonders in Städten entgegen“, erklärt dazu nbz-Geschäftsführer Jürgen Christiansen. Nach innen schützen sie durch die verschattete Fassade vor Hitze und nach außen sorgen sie durch die Verdunstung von Wasser über die Blätter für frische, kühle Luft. Außerdem bieten sie Lebensraum für Vögel und Insekten, der besonders in Städten oft fehlt.

Termin für das nächste Rennen steht schon fest

Organisator des 24h Mountainbike-Rennens, Uwe Reinkemeier-Lay, möchte auch zukünftig mit dem nbz Alfsee und der Biologischen Station Haseniederung als Betreiber eng zusammen arbeiten. „Sport am Naturschutzgebiet Alfsee muss gut abgestimmt werden“, findet er. Das nächste Rennen am Alfsee findet vom 3. bis zum 5. Mai 2024 statt. Ein Motivationsvortrag des Extremsportlers Lukas Kaufmann soll dann voraussichtlich im neuen Tagungsraum des nbz Alfsee stattfinden.

Bildunterschrift: Jan Herlyn (Praxis für Physiotherapie), Uwe Reinkemeier-Lay und Daniel Meier (24h Mountainbike-Rennen) übergeben die Spende auf der Baustelle des neuen nbz Alfsee an Judith Perez (nbz Alfsee). / Foto: nbz Alfsee

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Bundespolizei nimmt Exhibitionisten in Osnabrück fest

Am Donnerstag (31. August) konnte die Bundespolizei im Intercity zwischen Dortmund und Hamburg einen Exhibitionisten festnehmen. Am Osnabrücker Hauptbahnhof war die Fahrt für den Mann, der sich vor einer 27-Jährigen entblößte, beendet.

Die Bundespolizei hat am Donnerstag einen 63-jährigen Mann festgenommen, der sich in einem Intercity-Express vor einer jungen Frau entblößte und selbst befriedigte. Der Vorfall ereignete sich gegen acht Uhr morgens, während der Zugfahrt von Dortmund nach Hamburg. Der Mann saß in der Nähe zu einer 27-jährigen Reisenden, als die Frau bemerkte, dass der Mann seine Hose geöffnet hatte und masturbierte während er in ihre Richtung schaute. Bei Ankunft des Zuges im Hauptbahnhof Osnabrück nahmen Bundespolizisten den 63-jährigen Deutschen fest. Gegen den Mann wird jetzt wegen exhibitionistischer Handlungen strafrechtlich ermittelt.

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Studie vorgestellt: Organisierte Kriminalität greift online an

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – 206 Milliarden Euro Schaden entstehen der deutschen Wirtschaft jährlich durch Diebstahl von IT-Ausrüstung und Daten sowie digitale und analoge Industriespionage und Sabotage. Damit liegt der Schaden zum dritten Mal in Folge über der 200-Milliarden-Euro-Marke, so das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

Dafür waren über 1.000 Unternehmen quer durch alle Branchen befragt worden. Rund drei Viertel (72 Prozent) aller Unternehmen waren in den vergangenen zwölf Monaten von analogen und digitalen Angriffen betroffen, weitere 8 Prozent vermuten dies, ohne entsprechende Angriffe zweifelsfrei nachweisen zu können. Gegenüber dem Vorjahr mit 84 bzw. 9 Prozent ging die Zahl der Angriffe damit leicht zurück. Deutlich zugenommen haben allerdings jene Angriffe, die der organisierten Kriminalität zuzurechnen sind: 61 Prozent der betroffenen Unternehmen sehen die Täter in diesem Bereich, vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 51 Prozent, vor zwei Jahren sogar nur bei 29 Prozent.

Zugleich entwickeln sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine Russland und China immer mehr zur Basis für Attacken auf die deutsche Wirtschaft: 46 Prozent der betroffenen Unternehmen konnten Angriffe nach Russland zurückverfolgen (2021: 23 Prozent), 42 Prozent wurden aus China angegriffen (2021: 30 Prozent). Damit steht Russland erstmals an der Spitze der Länder, von denen Angriffe auf die deutsche Wirtschaft gefahren werden. Gleichzeitig sind drei Viertel aller Unternehmen (75 Prozent) der Meinung, dass die Gefahr unterschätzt wird, die von China für die Cybersicherheit ausgeht. Und 61 Prozent halten die Sicherheitsbehörden derzeit für machtlos gegenüber Cyberattacken aus dem Ausland.

„Die deutsche Wirtschaft ist ein hoch attraktives Angriffsziel für Kriminelle und uns feindlich gesonnenen Staaten. Die Grenzen zwischen organisierter Kriminalität und staatlich gesteuerten Akteuren sind dabei fließend. Der leichte Rückgang der betroffenen Unternehmen ist ein positives Zeichen und deutet darauf hin, dass die Schutzmaßnahmen Wirkung entfalten“, sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst am Freitag in Berlin. Erstmals fühlt sich eine Mehrheit von 52 Prozent der Unternehmen durch Cyberattacken in ihrer Existenz bedroht, vor einem Jahr waren es 45 Prozent, vor zwei Jahren sogar nur 9 Prozent.

Verfassungsschutz-Vizepräsident Sinan Selen sagte bei der Vorstellung der Studie: „Die Ergebnisse der aktuellen Bitkom-Studie fügen sich nahtlos in unsere Lageeinschätzung ein. Wir sind mit einer verstetigten hohen Bedrohung durch staatliche und nicht-staatliche Cyberakteure konfrontiert. Regionale Schwerpunkte sind deutlich erkennbar. Wir sehen, dass staatliche Akteure sich auch Cyberakteuren bedienen und eine hohe Bandbreite von Zielen angreifen. Diese reichen von Angriffen auf politische Institutionen über die Wirtschaft – von spezialisierten kleinen Tech-Unternehmen bis hin zu Großkonzernen – und betrifft ebenso Forschungseinrichtungen. Die Gegner haben einen langen Atem und gehen immer aggressiver, professioneller und agiler vor. Unsere Antwort auf diese verstetigte Bedrohung ist eine deutliche Stärkung der Kooperation mit unseren Partnern, die schnelle Detektion und Reaktion auf erkannte Angriffe und fortlaufende Anpassung unserer Abwehrmechanismen.“

Die Angriffe auf Unternehmen haben sich in den vergangenen zwölf Monaten weiter in den digitalen Bereich verlagert: So waren 70 Prozent der Unternehmen von Diebstahl sensibler Daten betroffen oder vermutlich betroffen, ein Anstieg um 7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

61 Prozent beklagen das Ausspähen digitaler Kommunikation (plus 4 Prozentpunkte) sowie die digitale Sabotage von Systemen oder Betriebsabläufen (plus 8 Prozentpunkte). Tendenziell rückgängig sind dagegen analoge Angriffe wie der Diebstahl von IT- oder Telekommunikationsgeräten (67 Prozent, minus 2 Prozentpunkte) sowie von sensiblen physischen Dokumenten oder Mustern (35 Prozent, minus 7 Prozentpunkte), das Abhören von Besprechungen oder Telefonaten vor Ort, etwa mit Wanzen (17 Prozent, minus 11 Prozentpunkte) sowie die physische Sabotage (17 Prozent, minus 5 Prozentpunkte). Bei den Cyberattacken steht Phishing mit 31 Prozent (2022: 25 Prozent) an der Spitze, dahinter folgen Angriffe auf Passwörter (29 Prozent, 2022: 25 Prozent) sowie die Infizierung mit Schadsoftware (28 Prozent, 2022: 25 Prozent). Deutlich angestiegen sind Schäden durch Ransomware, von denen rund ein Viertel (23 Prozent) der Unternehmen berichten, vor einem Jahr waren es nur 12 Prozent.

Rückläufig sind dagegen Schäden durch Distributed Denial of Service (DDoS) Attacken, die nur noch in 12 Prozent der Unternehmen Schäden verursacht haben, vor einem Jahr waren es mit 21 Prozent noch fast doppelt so viele. Inzwischen sind Cyberattacken für fast drei Viertel (72 Prozent) des gesamten Schadens verantwortlich, der der deutschen Wirtschaft durch Datendiebstahl, Sabotage und Industriespionage entsteht – das entspricht rund 148 Milliarden Euro und ist ein deutlicher Anstieg zum Vorjahr, als nur 63 Prozent und damit rund 128 Milliarden Euro Cyberangriffen zugerechnet werden konnten. Einen eindeutigen Trend gibt es auch beim Daten-Diebstahl: So berichtet eine Mehrheit der betroffenen Unternehmen (56 Prozent), dass Daten von Kunden betroffen waren, 2022 lag der Anteil erst bei 45 Prozent, 2021 bei 31 Prozent. Ebenfalls deutlich gestiegen ist der Diebstahl von Daten der Mitarbeiter mit aktuell 33 Prozent nach 25 Prozent im Jahr 2022 und 17 Prozent im Jahr 2021. Am häufigsten werden weiterhin Kommunikationsdaten wie E-Mails gestohlen (62 Prozent, 2022: 68 Prozent). Einem Viertel der von Datendiebstahl betroffenen Unternehmen (23 Prozent) wurden Zugangsdaten oder Passwörter entwendet, 20 Prozent Finanzdaten und 17 Prozent Daten rund um geistiges Eigentum wie etwa Patente oder Informationen aus Forschung und Entwicklung. In den kommenden zwölf Monaten erwartet die große Mehrheit der Unternehmen (82 Prozent) eine Zunahme von Cyberangriffen auf das eigene Unternehmen; Dabei rechnen 54 Prozent sogar damit, dass die Attacken stark zunehmen, 28 Prozent glauben, dass sie eher zunehmen werden, 15 Prozent gehen von einer unveränderten Situation aus – kein einziges der rund 1.000 befragten Unternehmen rechnet mit einem Rückgang der Angriff. Die große Mehrheit der Unternehmen (97 Prozent) wünscht sich daher, dass die Sicherheitsbehörden besser über die Cybersicherheitslage informieren, zum Beispiel auch über bekannte Schwachstellen.

84 Prozent sind der Meinung, die Meldung von Cyberangriffen sollte für Unternehmen, aber auch für Behörden und öffentliche Einrichtungen verpflichtend sein. Zugleich beklagen aber 80 Prozent, dass derzeit der bürokratische Aufwand bei der Meldung von Cyberangriffen zu hoch ist. Angesichts dieser Bedrohungslage haben die Unternehmen Ihre Investitionen in die IT- Sicherheit hochgefahren: Im Durchschnitt gehen derzeit 14 Prozent des IT-Budgets eines Unternehmens in die IT-Sicherheit, nach 9 Prozent im Vorjahr, rund ein Drittel der Unternehmen (30 Prozent) kommt auf einen Anteil von 20 Prozent oder mehr am IT- Budget und erfüllt damit die Empfehlung des Bitkom und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI). 42 Prozent wenden 10 bis unter 20 Prozent auf, 16 Prozent 5 bis unter 10 Prozent und jedes 20. Unternehmen sogar weniger als 5 Prozent.


Foto: Sinan Selen und Ralf Wintergerst am 01.09.2023, über dts Nachrichtenagentur

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Beratungsangebot der Caritas: Onlineplattform „DigiSucht“ erfolgreich gestartet

Die Förderer des Projekts DigiSucht informierten sich über den aktuellen Stand. v.l.: Sabina Ide (Botschafterin Caritas-Stiftungsfonds „Horizont“), Monika Schnellhammer (Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück), Werner Negwer (Botschafter Caritas-Stiftungsfonds „Horizont“), Fabian Winkler (Vorstandsmitglied der Sparkasse Osnabrück), Heike Pape (Verwaltungsvorstand der Stadt Osnabrück und Stadträtin für Soziales, Bürgerservice und Personal), Günter Sandfort (Geschäftsführung CRT Caritas-Reha und Teilhabe GmbH und Vorstand der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen), Melanie Stolze (Präventionsverein Osnabrück e.V.), Marina Wawilkin (Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück), Martin Schmitz (Präventionsverein Osnabrück e.V.). / Foto: Birte Hoppe
Die Förderer des Projekts DigiSucht informierten sich über den aktuellen Stand. v.l.: Sabina Ide (Botschafterin Caritas-Stiftungsfonds „Horizont“), Monika Schnellhammer (Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück), Werner Negwer (Botschafter Caritas-Stiftungsfonds „Horizont“), Fabian Winkler (Vorstandsmitglied der Sparkasse Osnabrück), Heike Pape (Verwaltungsvorstand der Stadt Osnabrück und Stadträtin für Soziales, Bürgerservice und Personal), Günter Sandfort (Geschäftsführung CRT Caritas-Reha und Teilhabe GmbH und Vorstand der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen), Melanie Stolze (Präventionsverein Osnabrück e.V.), Marina Wawilkin (Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück), Martin Schmitz (Präventionsverein Osnabrück e.V.). / Foto: Birte Hoppe

„Jederzeit erreichbar, schnell, anonym, flexibel, kostenlos und professionell – so lässt sich die Beratungsplattform DigiSucht beschreiben“, schildert Marina Wawilkin, Leiterin der Fachambulanzen für Suchtprävention und Rehabilitation beim Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück. Nach der erfolgreichen Testphase, die die Caritas als einer der vier Pilotstandorte in Niedersachsen begleiten durften, wird das Projekt nun flächendeckend in ganz Deutschland ausgerollt.

„Dank der finanziellen Unterstützung der Stadt Osnabrück, der Sparkasse Osnabrück, des Caritas-Stiftungsfonds „Horizont“ und des Präventionsvereins Osnabrück e.V. sind die ersten zwei Jahre der Beratung bei der Caritas gesichert“, freut sich Monika Schnellhammer, Geschäftsführerin beim Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück. Bei einem gemeinsamen Treffen berichteten die Caritas-Vertreter den regionalen Unterstützern von ihren Erfahrungen mit dem digitalen Angebot.

Anonyme Unterstützung

Die Onlineplattform bietet suchtgefährdeten und suchtkranken Menschen sowie deren Angehörigen und anderen Bezugspersonen Unterstützung. Die Registrierung kann auf Wunsch komplett anonym bleiben. Den Ratsuchenden werden nach Nennung der Postleitzahl, Hilfsangebote in der Nähe angezeigt. Sie können dann eine Beratungsstelle auswählen und eine Mail schicken. Wie es weiter geht, entscheiden die Ratsuchenden: Es kann ein Beratungstermin per Telefon, Chat, Video oder vor Ort vereinbart werden. „Das System ist sehr flexibel. Das neue Zauberwort in diesem Zusammenhang nennt sich Blended Counseling – was so viel heißt wie gemischte Beratung“, erklärt Günter Sandfort, der zuständig ist für die Fachberatung der Suchtberatungsstellen der Caritas im Nordwesten Niedersachsen und Vorstandsmitglied der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen ist. Er betont, dass eine gute technische Infrastruktur nötig sei, um ein digitales Beratungsangebot aufzubauen, das alle Menschen erreicht.

Testphase abgeschlossen

„Die Testphase hat gezeigt, dass sich auf der Plattform Menschen beraten lassen, die so nicht zu einem Termin vor Ort gekommen wären. Beispielsweise Eltern, die ihre Kinder betreuen müssen oder auch Menschen im Rollstuhl, für die ein Gespräch in der Innenstadt schwieriger zu organisieren wäre“, so Wawilkin. „Unsere Auswertung hat weiterhin gezeigt, dass sich gerade bei den Angehörigen viel mehr Frauen melden als zuvor. Meist finden die ratsuchenden Menschen digital auch früher den Weg zu uns.“

Die Testphase ist nun abgeschlossen und ab jetzt kann sich jeder auf der Internetseite https://www.suchtberatung.digital/ zu Problemen mit Alkohol, Kokain, Cannabis, Glücksspielen, Mediennutzung und weiteren Themen beraten lassen.

AFP

Union fordert bein Thema Sozialreformen Eingreifen des Kanzlers

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Angesichts des Ampel-Streits über weitere Sozialreformen fordert die Union Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zum Handeln auf. Parlamentsgeschäftsführer Thorsten Frei (CDU) sagte der „Rheinischen Post“: „In der Situation, in der wir sind, brauchen wir eine handlungsfähige Regierung. Es ist notwendig, dass der Kanzler eingreift und von vorne führt.“

Zugleich betonte Frei am Rande der Fraktionsvorstandsklausur im sauerländischen Schmallenberg: „Die FDP hat mit ihrer Ablehnung weiterer Sozialreformen Recht.“ Tatsache sei, dass in Deutschland jedes Jahr 1, 2 Billionen Euro umverteilt würden. „Wir erleben gerade, dass wir an Grenzen stoßen“, ergänzte Frei.

Anstelle immer neuer Sozialtransfers müsse man sich jetzt darüber Gedanken machen, „wie wir Wohlstand erwirtschaften können“. Zugleich betonte Frei, der erneute Streit verunsichere viele Bürger. „Das ist keine gute Ausgangsposition für unser Land“, sagte der CDU-Politiker.


Foto: Olaf Scholz am 29.08.2023, über dts Nachrichtenagentur

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