Kann und darf der Rat der Stadt Osnabrück einem selbständigen Verein reinreden, wen er zu seinem jährlichen Grünkohlessen einlädt, oder wen nicht? Da es sich bei der Veranstaltung um eine „Herrenmahlzeit“ handelt, witterten die Osnabrücker Grünen hier Ungleichberechtigung der von ihnen nicht ganz genau definierten möglichen Geschlechter.

Seitdem die Osnabrücker Grünen überraschend in diesem Januar entdeckt hatten, dass die seit 1954 stattfindende Osnabrücker Mahlzeit eine reine Männerveranstaltung ist, gab es zahlreiche Diskussionen vor allem auch in den Sozialen Medien über diese Traditionsveranstaltung. Im Rahmen der Ratssitzung an diesem Dienstag wollte die Ökopartei darüber bestimmen, dass über die in der Mitgliederversammlung des Verkehrsvereins vertretenen Vertreter der Stadtverwaltung, die Herrenmahlzeit für alle derzeit bekannten Geschlechter geöffnet wird.



Doch dazu kam es nicht – mit großer Mehrheit folgten die Ratsmitglieder einem Antrag der SPD, die feststellte, dass es überhaupt nicht in den Zuständigkeitsbereich der Ratsmitglieder und der Verwaltung falle, einem Verein in interne Veranstaltungen hineinzuregierien.
Dennoch – und auch da waren sich die Ratsmitglieder, mit Ausnahme der Grünen und der Linkspartei, weitestgehend einig, soll sich der Verein vereinsintern überlegen, wie er in Zukunft seine Tradtionsveranstaltungen organisiert, zu denen auch zwei reine Frauenmahlzeiten im Frühjahr und Sommer gehören, an denen sich die Grünen allerdings bislang nicht störten.

Schwache Argumente für geplante Bevormundung des Verkehrsvereins

Bevor die beiden Alpha-Männchen der Grünen, Volker Bajus und Michael Hagedorn (aktueller bzw ehemaliger Fraktionsvorsitzende), das Wort für die Gleichberechtigung der diversen Geschlechter ergriffen, sah die grüne Regie es wohl als opportun an eine Frau vorzuschicken.

Die eher selten am Mikrofon zu sehende Dr. Diana Häs versuchte für den Antrag der Grünen zu begeistern, doch wenig mehr als „die Zeiten haben sich geändert“ und ein Hinweis darauf, dass die nur wenige Minuten zuvor in den Vorstand der Stadt Osnabrück gewählte Katharina Pötter nicht bei der Herrenmahlzeit teilnehmen darf, kam dabei allerdings nicht über.

CDU: Gleichberechtigung muss nicht „konfrontativ“ sein

Selbstverständlich sei sie auch ihren Müttern und Großmüttern dankbar dafür, was sie alles für die Gleichberechtigung geschaffen haben, erklärte für die CDU-Ratsfraktion Verena Kämmerling, doch im Zeitalter der Gleichberechtigung, kann man auch die Position des VVO und die traditionelle Herrenmahlzeit tolerieren. Kämmerling wies darauf hin, dass im Rahmen der Herrenmahlzeit jedes Jahr sehr große Summen eingesammelt werden und diese für zahlreiche wohltätige Zwecke gespendet werden, unter anderem auch für das Frauenhaus der Stadt.
Innerhalb des Verkehrsvereins, würden die weiblichen Mitglieder überhaupt nicht die Frage stellen, die man ihnen von außen nun von Seiten er Grünen aufzudrängen versucht. Mit der Frage: „Muss den Gleichberechtigung konfrontativ sein“, beendete die CDU-Ratsfrau ihren Redebeitrag,

SPD gegen „Vereinsbevormundung“

Durch sie SPD-Ratsfrau Roswitha Pieszek, die in ihrer Fraktion auch für Gleichstellungsfragen verantwortlich zeichnet, erhielten die Grünen den Vorwurf, sieht hätten lediglich ein Symbolthema besetzen wollen. „Vereinsbevormung geht zu weit“, so die SPD-Frau in Richtung der Grünen.

BOB: Grüne sollen erwachsene Menschen nicht bevormunden

Vom Bund Osnabrücker Bürger (BOB) fragte Kerstin Albrecht, warum der Grüne Volker Bajus denn kurz vor Beginn der diesjährigen Osnabrücker Mahlzeit die Kommunikation über Soziale Medien genutzt habe, aber offensichtlich „nicht Manns genug“ war, das direkte Gespräch mit den Vereinsmitgliedern zu suchen? Abschliessend richtet Albrecht den Appell an die kleine Grüne Fraktion: „Unterlassen Sie die Bevormundnung von erwachsenen Menschen“!

Frank Henning: Grüne wissen alles besser

Nachdem die Redebeiträge der vorgeschickten Frauen abgearbeitet waren, kam es in einer zweiten Runde noch zum Schlagabtausch der männlichen Fraktionsvorsitzenden. Vor allem Frank Henning (SPD) zeigte sich erfreut darüber, der Partei, die auf Bundesebene inzwischen deutlich an den Sozialdemokraten vorbeigezogen ist, auf lokaler Ebene nochmal ordentlich Paroli geben zu können. „Die Grünen verbieten und bevormunden“, so Frank Henning, und weiter „weil die Grünen ja alles besser wissen“.
Aber auch inhaltlich gab es Kritik, direkt an den Fraktionsvorsitzenden der Grünen gerichtet: „Lieber Volker, [..] Ihr tut der Sache der Gleichberechtigung überhaupt kein gutes Werk“, und weiter: „Es muss auch möglich sein, sich mal getrennt zu treffen und zu feiern“.
Konkret erinnerte der SPD Fraktionsvorsitzende die Männer der Grünen Ratsfraktion daran, dass sie ausschließlich Männer in den Aufsichtsrat der Stadtwerke entsendet haben.

Michael Hagedorn fand Diskussion „einfach nur peinlich“

Als schließlich Michael Hagedorn, der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Grünen das Mikro ergriff, fand er die ganze Diskussion einfach nur peinlich. „Niemand hat behauptet, dass sich die Gleichstellung von Mann und Frau daran entscheidet, ob man gemeinsam Grünkohl ißt“, dennoch blieb der Grüne Politiker dabei, dass der VVO seine Traditionsveranstaltung nach seinen Wünschen ändern soll. Der Rat solle sich „einen Ruck geben“ statt über formale Zuständigkeiten zu diskutieren.

Gegen die Stimmen der FDP, der Linkspartei, des Piraten und der Grünen konnte sich die SPD-Ratsfraktion mit Ihrem Antrag durchsetzen; wenn sich in Zukunft am Format der Osnabrücker Herrenmahlzeit ändern sollte, dann wird dies aus den Reihen des Vereins geschehen.