Was tun, wenn’s warm ist? Ganz offensichtlich scheitern die Menschen in Stadt und Landkreis Osnabrück nicht an dieser Frage. Das eigens eingerichtete „Hitzetelefon“, das für Stadt und Landkreis jeweils separat entwickelt wurde und trotz aller Bekenntnisse zur Zusammenarbeit getrennt von der innerhalb der gleichen „Wetterzone“ befindlichen Stadt Osnabrück betrieben wird, wurde bis Ende August gar nicht bis nahezu überhaupt nicht genutzt.
Trotz einiger heißer Tage in den vergangenen Wochen war das Interesse am „Hitzetelefon“ in der Region Osnabrück verschwindend gering. Offenbar wissen die Menschen noch immer, dass Wasser trinken und Schatten suchen zu den naheliegenden Strategien gegen Hitze gehören.
Dennoch richteten Stadt und Landkreis Osnabrück also in diesem „Höllensommer“ zwei separate „Hitzetelefone“ ein – Angebote, die ganz offensichtlich am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen. Dort sollten Bürgerinnen und Bürger Tipps zum Umgang mit hohen Temperaturen erhalten, doch die Nachfrage und wohl auch der Bedarf an so viel Nanny-Staat blieb aus.
Nicht ein einziger Anrufer wollte Hilfe vom „Hitzetelefon“ beim Landkreis Osnabrück
Der Landkreis Osnabrück pries sein „Hitzetelefon“ im Mai des Jahres wie folgt an: „Unser Hitzetelefon bietet Ihnen Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze, informiert über Abkühlungsmöglichkeiten und gibt wichtige Hinweise, um sicher durch heiße Tage zu kommen.“ Natürlich nicht, ohne gleich noch eine drohende Hungersnot an die Wand zu malen: „Die Landwirtschaft wünscht sich dringend Regen, denn auch die Äcker sind mittlerweile knochentrocken. Sollte sich diese sogenannte ‚blockierende Wetterlage‘ nicht langsam auflösen, ist mit empfindlichen Ernteausfällen zu rechnen.“
Unter der Durchwahl 0541/501-1166 waren fortan montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr „geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ erreichbar, um konkrete Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze geben zu können. Und wer wollte diese konkreten Tipps von offenbar gleich einem ganzen Team von Landkreismitarbeitern wissen? Auf Anfrage unserer Redaktion klärte Landkreis-Pressesprecher Henning Müller-Detert auf: „Die Zahl liegt aktuell bei null.“
Insgesamt drei Personen beim „Hitzetelefon“ der Stadt Osnabrück registriert
Auch in der Stadt Osnabrück sieht die Statistik für das groß angekündigte „Hitzetelefon“ am Ende des Sommers nicht viel besser aus. Gerhard Meyering, Pressesprecher der Stadt Osnabrück, gibt Auskunft über die überschaubare Statistik: „Beim Hitzetelefon sind derzeit drei Personen registriert.“
Meyering kündigt an, dass man sich im Rathaus im Herbst noch einmal kritisch mit den gemachten Erfahrungen auseinandersetzen wolle: „Das Angebot wird im Nachgang des Sommers noch einmal evaluiert, um für das kommende Jahr die Öffentlichkeitsarbeit noch einmal anders zu planen und auch um zu prüfen, ob das Angebot verändert werden sollte.“
Anders als im Landkreis ist das Hitzetelefon der Stadt Osnabrück etwas anders konzipiert und würde – wenn es denn genutzt werden sollte, was es nicht wird – wohl noch mehr Personal binden als die Landkreis-Variante.
Statt auf Anrufe besorgter Bürger zu warten, hatte man sich im Osnabrücker Rathaus überlegt, eigens registrierte Bürgerinnen und Bürger proaktiv anzurufen und ihnen mitzuteilen, was ein Blick aus dem Fenster oder auf das Thermometer ohnehin offenbart: „Heute wird es etwas wärmer“ – so oder so ähnlich hätte die im Sommer wenig überraschende Aussage gelautet, wenn es denn Interessenten dafür gegeben hätte.
Das Ministerium von Karl Lauterbach als Ideengeber für „Hitzetelefone“
Neben Osnabrück und dem Landkreis haben mehrere Kommunen in diesem Sommer ähnliche Angebote eingerichtet. Bundesweite Schlagzeilen machte jüngst die Stadt Würzburg, wo sich immerhin 20 Menschen für den Service registrierten. Der dortige grüne Oberbürgermeister hatte allerdings auch extra noch in Apotheken und Arztpraxen Flyer verteilt und 10.000 Aufkleber drucken lassen.
Als Ideengeber für die fragwürdigen Telefonaktionen der Kommunen darf der inzwischen abgelöste Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gelten. Er hatte im vergangenen Sommer ein Infopaket „Hitzeschutz“ durch das sein Ministerium entwickeln lassen und an alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der rund 11.000 Kommunen in Deutschland verschickt, die darauf ihre eigenen „Hitzeschutzpläne“ entwickelten – oft begleitet von externen Beratern, die gerne halfen die kommunalen Kassen zu leeren.
Kommentar Bauernregel des Redakteurs:
„Im Sommer ist’s warm, im Winter ist’s kalt.“