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„Nichts toppt die Barbarei in Bad Iburg“: Menschenkette in der Osnabrücker Innenstadt gegen Tierquälerei

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Auf einigen Plakaten stand eine klare Forderung des SOKO: „Gefängnis für den Tierquäler!“ / Foto: Schulte

Über 230 Menschen aus ganz Deutschland haben sich am Donnerstagmittag (25. August) in der Osnabrücker Innenstadt versammelt. Mit einer Menschenkette vom Theatervorplatz bis zum Nikolaiort wenden sie sich gegen die Tierquälerei in Bad Iburg.

Luna, Nele, Elsa – so heißen die Kühe auf den großformatigen Fotos, die Szenerien aus dem Schlachthof in Bad Iburg zeigen. Menschen aus dem Berchtesgadener Land, Schleswig-Holstein, Berlin, aber auch aus Osnabrückerinnen und Osnabrücker haben eine Patenschaft für einen der über 200 dokumentierten Fälle übernommen und dem Tier anstatt einer Nummer einen Namen gegeben. Dazu wird im Hintergrund die sogenannte Chronologie des Grauens verlesen, die die Taten im Schlachthof im Minutentakt wiedergibt.

Tierschützer in schwarz gekleidet halten Bilder von den Szenarien im Schlachthof. / Foto: Schulte
Tierschützer in schwarz gekleidet halten Bilder von den Szenarien im Schlachthof. / Foto: Schulte

Prozessauftakt am Montag

Grund für die Menschenkette ist der am Montag (29. August) startende Prozess gegen den Betreiber des Hofes. Das Amtsgericht Bad Iburg verhandelt dann gegen den ehemaligen Geschäftsführer und fünf weitere Mitarbeiter des Schlachthofs in Bad Iburg wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Sie sollen im August und September 2018 mehrere verletzte und erkrankte Rinder angenommen und abgefertigt haben. Bei Ankunft seien die Tiere nicht mehr in der Lage gewesen, das Transportfahrzeug selbständig zu verlassen. Gemeinsam mit den Fahrern der Tiertransporte sollen die Angeklagten zunächst versucht haben, die Rinder durch Schubsen und Ziehen am Schwanz, teilweise auch durch Elektroschocks oder andere massive Gewalt zum Aufstehen zu bewegen. Wenn dies nicht klappte, seien die Tiere mittels einer Seilwinde vom Fahrzeug gezogen worden. Die SOKO Tierschutz drückt es deutlich drastischer aus: „Auf Gesichter wurde mit Mistgabeln eingestochen, Kälber wurden die Rampe heruntergeworfen und Elektroschocker in Genitalien der Kühe gedrückt.“

„Größter Tierschutzskandal der Geschichte“

Angeklagt sind insgesamt 72 Fälle, dem verantwortlichen Geschäftsführer wird die Beteiligung in 60 Fällen vorgeworfen. Auf Anweisung des Geschäftsführers sollen die Mitarbeiter in zehn Fällen auch bereits tot angelieferte Kühe in den Schlachthof gezogen haben, dort geschlachtet und das Fleisch anschließend verbotenerweise als Lebensmittel verkauft haben. Auslöser für die Strafverfahren waren heimliche Videoaufnahmen vom Anlieferungsbereich des Schlachthofes durch Tierschützer des SOKO Tierschutz e. V. im Jahre 2018. Eben diese riefen deutschlandweit zur heutigen Menschenkette in der Hasestadt auf.

Friedrich Mülln liest das "Originalprotokoll der Taten und Untaten" in der Osnabrücker Innenstadt vor. / Foto: Schulte
Friedrich Mülln liest das „Originalprotokoll der Taten und Untaten“ in der Osnabrücker Innenstadt vor. / Foto: Schulte

Tierschützer Friedrich Mülln setzt sich seit über 29 Jahren für Tierrechte ein. Er habe so etwas noch nie gesehen: „Nichts toppt die Barbarei in Bad Iburg.“ Der Skandal habe Menschen aus ganz Deutschland berührt. Dass die kriminelle Vereinigung hunderter Landwirte, Metzger und Tiertransporteure so lange von Behörden und der Justiz vertuscht worden sei, sei nicht nur der größte Tierschutzskandal der Geschichte, sondern auch ein riesiger Behörden- und Justizskandal. Die amtliche Tierärztin soll davon nichts mitbekommen haben, das bezweifelt der Tierschützer, denn sie solle vor Ort einmal mit der Seilwinde geholfen haben. Es könne nicht sein, dass Leute die über 200 Tiere zu Tode quälten, nur mit Bewährungsstrafen davon kommen werden. „Was muss jemand sonst noch in Deutschland tun, um in den Knast zu kommen?“, fragt Mülln. Laut dem Tierschützer seien Schwerpunkttäter aus Bad Iburg bereits an anderer Stelle wieder aufgetaucht und würden die Quälereien fortsetzen.


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Jasmin Schulte
Jasmin Schulte
Jasmin Schulte begann im März 2018 als Redakteurin für die Hasepost. Nach ihrem Studium der Germanistik und der Politikwissenschaft an der Universität Vechta absolvierte sie ein Volontariat bei der Hochschule Osnabrück. Weitere Stationen führten sie zu Tätigkeiten bei einer lokalen Werbeagentur und einem anderen Osnabrücker Verlag. Seit März 2022 ist Jasmin Schulte zurück bei der HASEPOST und leitet nun unsere Redaktion. Privat ist Jasmin Schulte als Übungsleiterin tätig, bloggt über Literatur und arbeitet an ihrem ersten eigenen Roman.
 

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