[Update 14.06.2016] Auch Laurence Mehl hat inzwischen vorzeitig seinen Geschäftsführerposten an Joachim Liebler übergeben.


Wer kennt noch Fernsehserien wie „Dallas“, „Denver Clan“ und „Reich und schön“?
Im Mittelpunkt immer: Familienclans, patriarchalisch geführte Unternehmen, das Ringen um Macht und vor allem auch Intrigen, Sex und Affären.

Der strahlende Sieger aus der aktuelle Folge kann schon eine Woche später zum Ausgestossenen werden, der mit seinen persönlichen Wertsachen in einem Pappkarton die Konzernzentrale in Dallas oder Denver verlassen muss.
Nicht selten taucht ein paar Dutzend Folgen später eine längst schon vergessene Nebenrolle wieder im Mittelpunkt der Handlung auf. Der Zuschauer fragt sich „wer hätte das gedacht“!

Insider aus dem Medienhaus der Neuen Osnabrücker Zeitung fühlen sich dieser Tage sehr an derartige Seifenopern erinnert.
Plötzlich werden einstigen Hauptrollen aus dem Skript gestrichen und Gerüchte über Affären unter Mitarbeitern, persönliche Animositäten und plötzliche Strategiewechsel machen auf den Redaktionsfluren – und nicht nur da – die Runde.

Christoph Niemöller ist nicht mehr Geschäftsführer der NOZ

Nach Informationen von Insidern aus dem Hause Neue Osnabrücker Zeitung, die am Wochenende durch den Branchendienst kress bestätigt wurden, ist der langjährige NOZ-Geschäftsführer Christoph Niemöller „per sofort“ von seinem Posten abberufen worden. Sein Nachfolger soll bereits am Montag die Geschäftsführung übernehmen!

Niemöllers Nachfolger Axel Gleie war bis 2009 bereits Co-Geschäftsführer von Niemöller, bevor – damals ebenfalls überraschend – seinen Posten bei der NOZ gegen einen Geschäftsführerposten beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (SHZ) tauschte.

Gleie ging, Niemöller blieb, Mehl kam, Gleie kommt zurück, Mehl und Niemöller gehen…

Mit seinem Weggang an die Küste wurde Gleie vor sieben Jahren durch Laurence Mehl ersetzt, der die NOZ zum Jahreswechsel ebenfalls wieder verlassen wird.
Anders als nun bei Christoph Niemöller, ist der Abgang von Laurence Mehl ein geordneter Wechsel an der Unternehmensspitze, mit Ankündigung, so wie er „nach Lehrbuch“ vollzogen wird. Mehl wird im September die Geschäftsführung an Joachim Liebler übergeben, der wie Mehl zuvor u.a. für das Handelsblatt tätig war.

„Hinter den Kulissen muss es heftig gekracht haben“

Was aber ist der Grund für den übereilten Abschied von Christoph Niemöller? Der Branchendienst kress vermutet  „hinter den Kulissen muss es in Osnabrück heftig gekracht haben“, wie es unserer Redaktion ebenfalls von Insidern aus dem Medienhaus bestätigt wurde.

War Niemöller bis zuletzt ahnungslos?

Christoph Niemöller, der seit 1997 für die NOZ tätig ist war, und der zum Jahresende planmäßig scheidende Laurence Mehl, haben in ihrer Funktion als Geschäftsführer die NOZ ins Digitalgeschäft geführt, gemeinsam eine Dachmarkenstrategie entwickelt und erst Anfang des Jahres den Kauf der Medienholdung Nord zum Abschluss gebracht.

Noch am 19. Mai wurde die beiden Geschäftsführer Mehl und Niemöller im Interview mit der dpa (hier bei svz.de) gefragt, ob denn die Fusion mit der Flensburger Medienholding nicht auch zum Abbau von Stellen führen würde. Mehl entgegnete, man werde in manchen Bereichen „bestimmt auch Stellen aufbauen“. Auch Niemöller wollte da von einem Stellenabbau nichts wissen, und erinnerte daran, dass man in den vergangenen Jahren in Osnabrück Personal aufgebaut habe. Dass seine eigene Stelle da vielleicht schon zur Disposition stand, war ihm womöglich noch nicht bewusst.

Was passiert eine Ebene über den Geschäftsführern?

Wie HASEPOST schon im Februar berichtete, ist Verleger Enkel Nicolas L. Fromm bereits seit mehr als drei Jahren sowohl Geschäftsführer der mh:n Digital GmbH als auch Mitglied der Geschäftsführung der medien holding:nord GmbH, die nach dem Kauf durch die NOZ Medien nun in das Osnabrücker Medienhaus integriert wird.
Niemöllers Nachfolger Gleie, der in Flensburg Seite an Seite mit Fromm Junior gearbeitet hat, kommt nun von der Flensburger Medienholding zurück an seine alte Wirkungsstätte.

Gegenüber den Mitarbeitern der NOZ wurde von Mehl und Niemöller bislang das Ziel ausgegeben 2016 „das erfolgreichste regionale Medienhaus Deutschlands“ zu sein. 
Die aktuelle Entwicklung war sicher nicht Teil der „Medienhaus-Strategie-2016“.