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„Naturkatastrophe“ am Osnabrücker Schölerberg: 60 abgestorbene Bäume sollen gefällt werden

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Vom 25. November an sollen am beliebten Naherholungswald am Schölerberg ungefähr 60 Bäume gefällt werden. Weitere Folgen des extrem trockenen Jahres sollen 2020 sichtbar werden. Die genaue Dauer der Fällungen und der damit verbundenen Sperrungen einiger Wege konnte noch nicht genannt werden.

Der Wald am Schölerberg ist seit Jahren ein beliebtes und viel besuchtes Ausflugsziel in der Region Osnabrück. Aufgrund der Lage auf einem Kalkrücken verfügt der Laubwald über eine reiche Artenzusammensetzung mit Buchen, Eichen, Kirschen, Ahorne, Robinien und Eschen, auch etliche Tierarten sind im Wald mit Zoonähe beheimatet. Jedoch ist der Untergrund ortsbedingt sehr anfällig für Trockenheitsperioden, die insbesondere in den letzten beiden Jahren immense Auswirkungen angenommen haben. Aufgrund der Verkehrssicherungspflicht des Niedersächsichen Forstamtes und der Stadt Osnabrück sind ab kommender Woche zahlreiche Fällungen von durch die Trockenheit abgestorbenen Bäumen notwendig.

Absterbeprozess im vollen Gange

Jens Kohlbrecher von den Niedersächsischen Landesforsten spricht von einer Naturkatastrophe: „Die Fällungen sind ein Geschäft, auf das wir gut verzichten könnten. Hier zeigt sich der Klimawandel live und direkt vor unserer Haustür.“ Die Gefahr, die durch abgestorbene Bäume droht, ist groß, denn abfallende Äste können lebensbedrohlich werden. Erste Äste seien bereits auf Besucherwege gefallen, so Kohlbrecher, der weiter ausführt: „Die Alternative zu den Fällungen wäre eine dauerhafte Sperrung, die nicht im Sinne Osnabrücks wäre. Daher sind wir aufgrund der Verkehrssicherungspflicht gezwungen, etwa 60 Bäume in Wegnähe zu fällen. Da der Absterbeprozess weiter andauern wird, rechnen wir im kommenden Jahr mit weiteren abestorbenen Bäumen.“

Ökologische Eingriffe kaum zu umgehen

Durch die Fällungen werden nicht nur Spaziergänger am Schölerberg eingeschränkt, sondern auch etliche Tierarten. „Betroffen ist insbesondere unser Graureiherbestand, außerdem müssen viele Höhlenbrüter umgesiedelt werden. Dies gilt auch für die hier beheimateten Siebenschläfer“, erklärt Thomas Maag, Abteilungsleiter Stadtgrün beim zuständigen Osnabrücker ServiceBetrieb (OSB). Frank Bludau aus dem Fachbereich Umwelt und Klimaschutz ergänzt: „Wir sind bemüht einen Kompromiss zwischen Ökologie und Sicherheit zu finden. Das bedeutet, dass unnötige Störungen nach Möglichkeit vermieden werden.“ Um der Ökologie nicht zu stark zu schaden, bleiben zudem abgestorbene Bäume, die nicht in Wegnähe befindlich sind, stehen.

Naturverjüngung statt Aufforstung

Die von den Fällungen betroffenen Bäume seien im Anschluss kaum noch nutzbar, so Jens Kohlbrecher: „Die abgestorbenen Bäume sind viel zu trocken, weshalb ein Großteil des Holzes im Wald liegen bleiben wird. Ansonsten kann ein geringer Teil als Brennholz genutzt werden.“ Um den Bestand in den kommenden Jahren aufzuforsten, vertraut Frank Bludau der Naturverjüngung, die im Wald am Schölerberg weit vorangeschritten sei: „Wir haben einen großen jungen Bestand an Spitzahornen und Buchen, der in Zukunft viel Platz hat, um nachzuwachsen. Der Vorteil einer Naturverjüngung ist, dass diese einen sichereren Stand haben als gepflanzte Bäume.“

Zusätzliche Bedrohung durch Borkenkäfer

Neben der Trockenheit bedrohen auch die Borkenkäfer den Waldbestand am Schölerberg. „Beides sind Phänomene, die in Zentraleuropa weit verbreitet sind. Normalerweise harzen Fichten den Borkenkäfer in den kälteren Jahreszeiten aus, doch aufgrund des Klimas gelingt dieser Vorgang in den letzten Jahren immer weniger. Dabei muss man bedenken, dass sich die Käfer enorm vermehren, denn aus einem Pärchen entstehen pro Jahr Millionen neue Käfer“, erklärt Kohlbrecher.

Lebensgefahr durch abfallende Äste

Das Fällen der Bäume ab kommendem Montag (25. November) wird für die Forstarbeiter keine leichte Aufgabe, denn aufgrund der trockenen Bäume drohen Äste abzufallen. Insbesondere der abgestorbene Bestand der Buchen sei bereits nach einem Jahr in einem derart trockenen Zustand, dass Bäume bereits bei leichten Winden umfallen könnten, erklärt Jens Kohlbrecher. Deshalb werde zur Sicherheit der Arbeiter vor allem maschinell gefällt. „Trotz Sperrungen wissen wir aus Erfahrungen, dass immer wieder Spaziergänger die Bereiche der Fällungen betreten. Dabei droht Lebensgefahr, weshalb wir die Leute bitten, in geöffneten Bereichen oder anderen Orten spazieren zu gehen und den Hund auszuführen“, betonen Kohlbrecher und Thomas Maag. Aufgrund der aufwändigen Arbeit rechnen beide mit einer Fällzeit von ungefähr zwei Wochen.

Jens Kohlbrecher zeigt an einem der markierten Bäume einen durch Trockenheit bedingten „Sonnenbrand“.
Maurice Guss
Maurice Guss
Maurice Guss ist seit dem Herbst 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.
 

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