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Kommentar: Vor dem Portugal-Spiel – Worum es geht und warum Deutschland gewinnt

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Wenn Schiedsrichter Anthony Taylor aus England am Abend um 18 Uhr das zweite EM-Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Titelverteidiger Portugal um Superstar Cristiano Ronaldo anpfeift, geht es für Jogis Jungs um mehr als nur die K.O.-Phase. Bei einer Niederlage steht nicht nur die EM auf dem Spiel, sondern auch der Ruf einer Turniermannschaft und die Amtszeit des wohl prägendsten deutschen Nationaltrainers aller Zeiten. Aber warum sollte die DFB-Auswahl eigentlich nicht gewinnen?

Ein Kommentar von Maurice Guss

Selten habe ich als jemand, dessen erstes so richtig wahrgenommenes Nationalmannschaftsturnier die Heim-WM 2006 war, vor einer Europa- oder Weltmeisterschaft weniger Fußballfieber im Fußballland Deutschland verspürt als vor dieser corona-geprägten EM. Die Voraussetzungen für das eh schon verspätete Turnier waren denkbar schlecht. Nicht fußballerisch, sondern aufgrund der Pandemie. Man kann fast von Glück sprechen, dass die Coronazahlen derzeit so stark sinken, dass pünktlich zum EM-Start die meisten Schulen wieder öffnen und die Gesellschaft weitgehend in ein normaleres Leben zurückkehren konnte. Wie groß wäre nur der Aufschrei gewesen, wenn parallel zu Spielen in ausverkauften Stadien wie in Budapest hier vor Ort ein Lockdown “gewütet“ hätte? Ob das Hin- und Hergereise der Spieler wirklich angebracht ist, darf dennoch bezweifelt werden, soll aber in diesem Kommentar gar nicht vertieft werden. Was bleibt ist, dass die Pandemie trotz Lockerungen das EM-Fieber spürbar mindert.

Leider, denn ansonsten bringt diese EM viele gute Voraussetzungen mit sich – auch für deutsche Fußballfans: Spannende Spiele gegen Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal, (warum das bereits in der Gruppenphase der Fall sein muss, sei mal jetzt mal dahingestellt), die Abschiedstournee von Weltmeistertrainer Jogi Löw und eine Fußballmannschaft bespickt mit großartigen Fußballern, die Deutschland in Gegenwart und Zukunft jederzeit Erfolge bescheren könnten. Der EM-Auftakt hat dieses an sich positive Bild dann allerdings etwas getrübt und das so schon milde EM-Fieber im anspruchsvollen Fußball-Deutschland noch weiter abebben lassen: Ein 0:1 gegen die Fußballelite aus Frankreich.

Kroos und Rüdiger im Internet angegriffen

Wie tief die Risse zwischen einigen (ehemaligen) Anhängern der Nationalmannschaft und Team inzwischen sind (und ja, die Entwicklungen in den letzten Jahren waren zu oft negativ), haben die Reaktionen auf dieses Spiel gezeigt: In den sozialen Netzwerken polterten tief erschütterte “Ich gucke mir das nie wieder an“-Fußballfans gegen Kimmich & Co., grundsätzlich immer salzig werdende Fake-Profile griffen „Querpass-Toni“ Kroos, immerhin viermaliger Champions League-Sieger und 2018 noch WM-Nationalheld, an oder wollten für die zugegebenermaßen unnötige Knabberaktion von Deutschlands (und ja die Info ist eigentlich ebenso unnötig: dunkelhäutigem) Verteidiger Antonio Rüdiger gegen Paul Pogba, keinen Kommentar für den „Deutschen“ dalassen (s. Bild).

Facebook-Post von Sport1 vom 15. Juni.

Kommentare zu dem Facebook-Post von Sport1.

 

Frankreich-Spiel bringt Optimismus

Trotz unübersehbarer und nicht immer fremdverschuldeter Rückschläge seit der erfolgreichen Weltmeisterschaft 2014: Das Spiel, das die DFB-Elf gegen Frankreich auf den Platz brachte, war weit weg von der Peinlichkeit all jener gesichtslosen Internet-Trolle. Vermutlich war es gemessen am Gegner sogar eines der besten Spiele der Nationalmannschaft in den vergangenen Monaten, einer Nationalmannschaft die dem Topfavoriten des Turnieres aus dem Nachbarland alles abverlangte und am Ende bedingt durch ein unglückliches Eigentor verlor. Es war bei weitem kein sehr gutes Spiel, aber das gegen die Franzosen zu erwarten, benötigt übertriebenen Optimismus. Über weite Strecken des Spiels war Deutschland die gefälligere Mannschaft, auch wenn große Chancen und eine Schlussoffensive fehlten. Und wie Toni Kroos schon sagte, Abseits ist eben Abseits. Damit genug zum Frankreichspiel und Fokus nach vorne.

Deutschland braucht sich nicht zu verstecken

Mit Portugal steht der DFB-Auswahl am Abend die nächste Top-Mannschaft gegenüber. Anders als Frankreich ist Portugal allerdings momentan nicht außer Reichweite für die deutsche Mannschaft. Wer so auftritt wie gegen Frankreich wird gegen fast alle Mannschaften der Welt, nehmen wir Italien in der aktuell Form mal aus, bestehen können. Spieler wie Serge Gnabry, Joshua Kimmich oder Kai Havertz brauchen sich vor Portugals Diogo Jota, Bernardo Silva oder Raphael Guerreiro nicht zu verstecken. Zwar sind Superstars wie Bruno Fernandes oder Cristiano Ronaldo immer für Tore gut (CR7 hat gegen Deutschland übrigens noch nie getroffen), doch von dem Kaliber hat die deutsche Auswahl einige mehr auf dem Platz und sogar auf der Bank. Zurückgekehrte Stützen wie Mats Hummels oder Thomas Müller wissen, wie man gegen Teams wie das portugiesische auftreten muss, mit Leon Goretzka könnte zudem einer der besten Box-to-Box-Spieler der Welt wieder eine Option sein. Portugal wird sich mehr vor unseren Jungs fürchten müssen als andersrum. Auch werden die Portugiesen die vergangenen Spiele gegen Deutschland in Erinnerung haben: Die letzte Niederlage in einem Pflichtspiel gegen Portugal datiert aus dem Jahr 2000, zuletzt setzte es ein 0:4 aus Sicht der Südeuropäer bei der WM 2014.

EM bei Niederlage wohl vorbei – Orakel prophezeit Deutschlandsieg

Trotz aller positiven Aussichten ist Vorsicht geboten: Am Abend steht aus deutscher Sicht mehr als nur die EM auf dem Spiel, die bei einer Niederlage sehr wahrscheinlich frühzeitig beendet wäre. Ein Punktgewinn muss her sonst geht wohl auch eine ganze Traineramtszeit mit gleich zwei krachenden Niederlagen bei großen Turnieren zu Ende. Jogi Löw und seine Jungs werden alles dagegen unternehmen, da bin ich mir sicher. Und eine deutsche Mannschaft, die so auftritt wie im Frankreichspiel und die ihren Mut zur Offensive findet, wird das entscheidende Spiel gegen Portugal nicht verlieren. 14.000 Fans werden dabei sein, wenn es für die deutsche Mannschaft ab 18 Uhr um so viel geht, ein sehr großer Teil davon auf schwarz-rot-goldener Seite. Und wie schon im Frankreichspiel werden diese Anhänger versuchen als zwölfter Mann zu agieren. Viele werden es ihnen vor den Fernsehern nachtuen und ihren unterstützenden Beitrag für einen Sieg leisten. Und die Elf auf dem Platz? Die kann es dann schließlich vollbringen, dass die EM so richtig losgeht. Mit EM-Fieber und allem was dazugehört. Und ohne peinliche Internet-Trolle.

Und um die Aussichten abschließend auch wirklich ganz zu Ende zu bringen: Elefantendame und EM-Orakel Yashoda aus dem Hamburger Tierpark Hagenbeck setzt nach gelungener (und nicht zufriedenstellender) Prognose im Frankreich-Spiel voll auf einen Deutschland-Sieg. Ich schließe mich dem an. In diesem Sinne: Viel Erfolg, Jungs!



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Maurice Guss
Maurice Guss ist seit dem Herbst 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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