„Wir sehen Menschen leben, denen der Schädel fehlt“ oder „ich falle in einen zerrissenen Bauch“… zugegeben, das ist ganz schön drastisch. Aber das war die grausame Realität des Ersten Weltkriegs, dessen Ende sich in diesen Tagen zum hundertsten Mal jährt.

Wenn ein Kommentar auf der Facebook-Präsenz der HASEPOST gelöscht wird oder der Verfasser gesperrt wird, erläutern wir das in der Regel entweder im Kommentarbereich und/oder schreiben den Verfasser auch direkt dazu an. In diesem Fall erfolgt die Erwiderung in einem etwas größeren Rahmen.

Ein Kommentar zu einem Leserkommentar bei Facebook

Der Gefreite Adolf Hitler verbrachte den Ersten Weltkrieg bekanntlich als besserer Postbote, als Meldegänger zwischen Front und rückwärtigen Quartieren der bayerischen Armee, in die er freiwillig eingetreten war. Dennoch dürfte auch der aus Österreich stammende Gefreite die Schrecken des Krieges ähnlich erlebt haben, wie ein anderer Zeitgenosse, der aus Osnabrück stammende Erich Maria Remarque, der ebenfalls an der Westfront diente.
Was Remarque später über den Ersten Weltkrieg schrieb, ging Hitler und seinem Regime allerdings zu weit – Remarques Bücher wurden nach 1933 verbrannt, der Autor musste das Land verlassen, seine Staatsbürgerschaft wurde ihm entzogen.

Die Sätze, die sich auf den vom Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb gestalteten Holzblöcken befinden, sind Auszüge aus dem Roman „Im Westen nichts Neues“ (hier bspw. bei Bücher Wenner). Das Holz stammt von Eichen aus dem Elsass, in denen noch Geschosssplitter aus dem Ersten Weltkrieg stecken.

Ein Kommentar hat mich sehr verärgert. Er stand unter dem Facebook-Teaser zu einem Artikel, der beschreibt, dass 32 anläßlich des hundertjährigen Jahrestags des Beginns des Ersten Weltkriegs aufgestellte Mahnmale, nachdem sie vier Jahre überall im Stadtgebiet zu sehen waren, nun vor dem Rathaus aufgestellt wurden.

Ein Leser schrieb: „Entartete Kunst“.

Nicht mehr, nur diese beiden dummen, bösen und schwer vorbelasteten Wörter.
Und dieser Kommentar erschien ausgerechnet auch noch am 9. November, als vor 80 Jahren die vom ehemaligen Weltkriegs-Gefreiten aufgeheizten Massen in der Pogromnacht gegen ihre jüdischen Mitbürger loszogen, plünderten und brandschatzten.

An diesem 9. November ging es auch gegen vermeintlich „Entartete Kunst“, die man bei den Juden vermutete und die vor 80 Jahren vielfach mit in den Flammen aufging. Kunst, die sich viele führende Vertreter der NS-Zeit aber auch gerne aneigneten um sie zu Geld zu machen oder heimlich doch zu bewundern.
Auch Remarques Schilderung des ersten Weltkriegs galt als „entartet“. Sein Weltbestseller „Im Westen nichts Neues“ landete genauso wie Kinderbücher von Erich Kästner oder wissenschaftliche Werke von Albert Einstein auf den bereits im Mai 1933 aufgeschichteten Feuern der Bücherverbrennung.

Ich habe diesen Kommentar mit den zwei furchtbar dummen Worten gelöscht und den Verfasser gesperrt!

Und nein, das Löschen dieser dummen zwei Worte kann man nicht vergleichen mit dem Verbrennen von Büchern oder dem Verbannen von unliebsamen Künstlern! Wer das geschrieben hat ist einfach nur dumm und sicher kein Künstler.

Kunst von Volker Johannes Trieb, Osnabrück
Zu viel Realität für einige Gemüter?

Wenn man sich die Mahnmale von Volker Johannes Trieb ansieht, geht es nicht ohne zu verstehen, worum es bei den Aufschriften geht, wer Verfasser dieser Sätze ist und wann sie entstanden sind.
Man kann Kunst auch „nicht mögen“, man kann auch die öffentliche Aufstellung in der Osnabrücker Innenstadt kritisieren oder sogar ablehnen – aber sie verdient unseren Respekt und sie soll zum Nachdenken anregen!
Wer aber Kunst mit einem Propagandabegriff der Nazis verunglimpft, der muss damit rechnen, dass man ihm das Wort entzieht.

…meint Heiko Pohlmann

PS: Anders als bei HASEPOST.de üblich, wird diese Facebook-Sperre auch nicht nach ein oder zwei Wochen aufgehoben