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Katharina Pötter will deutsch-russische Städtepartnerschaft mit Twer über den Ukraine-Krieg retten

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Innerhalb weniger Stunden wurde am Donnerstagabend eine Solidaritätsbekundung mit den Menschen in der Ukraine vor dem Osnabrücker Rathaus organisiert. Zusammen mit Anna Kebschull, der Landrätin des Osnabrücker Landkreises, sprach Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter zu mehreren Hundert Menschen und gedachte den Opfern der russischen Invasion in die Ukraine.

Katharina Pötter zitierte dabei auch kurz aus einem Brief an ihren Amtskollegen in Osnabrücks russischer Partnerstadt Twer. Ein kompletter Videomitschnitt der Reden von Landrätin Kebschull und Oberbürgermeisterin Pötter ist online auf unserer Facebook-Seite zu finden.

Katharina Pötter sprach zusammen mit Landrätin Anna Kebschull vor dem Osnabrücker Rathaus
Katharina Pötter sprach zusammen mit Landrätin Anna Kebschull vor dem Osnabrücker Rathaus

Fast 50 Jahre seit Beginn der Partnerschaft von Osnabrück und Twer

1973, Staatsoberhaupt der damaligen Sowjetunion war Leonid Iljitsch Breschnew, gab es erstmals einen Besuch von 30 Jugendlichen aus Osnabrück in der Stadt Kalinin, die erst nach dem Ende der kommunistischen Diktatur wieder ihren Namen Twer zurückerhalten sollte.
Dieser Besuch von deutschen Jugendlichen in einer nach sowjetischen Maßstäben kleinen Stadt (inzwischen mehr als 400.000 Einwohner), war ein Novum, keine dreißig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem auch Kalinin von Truppen der deutschen Wehrmacht besetzt wurde. Es war der Beginn einer Partnerschaft zwischen den beiden Städten, die im kommenden Jahr ihr fünfzigstes Jubiläum feiern wird. Eine Partnerschaft, die nicht nur den Kalten Krieg überdauerte, sondern auch den ersten Afghanistankrieg und die Wirren des Zusammenbruchs der Sowjetunion.

Mehrere Hundert Menschen kamen kurzfristig zur Solidaritätsbekundung für die Ukraine
Mehrere Hundert Menschen kamen kurzfristig zur Solidaritätsbekundung für die Ukraine

HASEPOST veröffentlicht Brief in voller Länge

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter schrieb am Donnerstag, dem Tag des Einmarsches russischer Truppen in die Ukraine, einen Brief an ihren Amtskollegen Alexey Walentinowitsch Ogonkow in Twer.
In dem Brief, den unsere Redaktion in voller Länge in deutscher und russischer Sprache veröffentlicht, schließt Osnabrücks Oberbürgermeisterin nicht aus, dass der Konflikt an der Wolga womöglich anders beurteilt wird, als an der Hase. Pötter drückt aber auch ihre Hoffnung aus, dass die Partnerschaft zwischen Osnabrück und Twer Bestand haben wird.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Ogonkow, lieber Kollege,

ich habe keinen Zweifel daran, dass alle Beteiligten auf der Welt verhindern wollten, was nun eingetreten ist: Wir hatten gehofft, dass wir in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 mit dem folgenden europäischen Einigungsprozess und nach dem Bürgerkrieg im zerfallenden Jugoslawien stabile diplomatische Strukturen geschaffen haben. Sie waren nicht stabil genug: Wir haben Krieg in Europa! Wie furchtbar traurig ist das für Ihr Land, für die Ukraine, für Europa, für die ganze Welt, für die wir so gern ein Vorbild mit unseren europäischen Idealen sein wollten.

Ob wir – Sie und ich – unterschiedliche Einschätzungen dieses Konfliktes haben? Ausgeschlossen ist das nicht. Ich hoffe aber und wünsche mir sehr, dass die Partnerschaft zwischen unseren beiden Städten von diesem Konflikt unberührt bleibt. Ich hoffe, dass die Geschichte, die unsere Städte verbindet, ein Vertrauen aufgebaut hat, dass auch diesen Krieg überstehen wird. Und so hoffe ich, dass die Russen und Ukrainer, die in unserer Stadt leben, gemeinsam mit den Osnabrückerinnen und Osnabrückern den Konflikt friedlich aushalten.

Lieber Kollege, keiner vermag im Moment zu sagen, wann dieser Krieg zu Ende sein wird. Aber irgendwann wird er zu Ende sein. Und dann brauchen wir die deutsch-russischen Städtepartnerschaften, damit die Menschen unserer Länder sich wieder treffen und miteinander sprechen können. Um der friedlichen Zukunft willen hoffe ich also, dass unsere Partnerschaft Bestand hat und diese Zeit, in der Waffen Fakten schaffen sollen, überstehen wird.

Ich grüße Sie ebenso traurig wie herzlich

aus der Friedensstadt Osnabrück,

Ihre

Katharina Pötter


 

Дорогой коллега Алексей Валентинович!

Я не сомневаюсь, что все мировое сообщество желало предотвратить то, что произошло сегодня: мы верили, что после Второй мировой войны, после восстановления единства Германии в 1989 году с последующим процессом объединения Европы, после гражданской войны в распадающейся Югославии нам наконец удалось создать стабильные дипломатические структуры в Европе. Увы, они оказались недостаточно стабильны: в Европе началась война! Как это печально для Вашей страны, для Украины, для Европы, для всего мира, в котором мы с нашими европейскими идеалами так хотели быть примером для подражания.

Можем ли мы с Вами по-разному относиться к этому конфликту? Не исключено. Но я очень надеюсь и желаю, чтобы этот конфликт не затронул партнерские отношения между нашими городами. Я надеюсь, что несмотя на эту войну мы сможем сохранить взаимное доверие, которое бережно созидалось в ходе истории партнерства наших городов. И я выражаю надежду, что россияне и украинцы, живущие в нашем городе, вместе с оснабрюкцами смогут выдержать этот конфликт во имя мира.

Мой дорогой коллега, никто сейчас не сможет сказать, когда закончится эта война. Но когда-нибудь ей наступит конец. И тогда нам будут нужны города-побратимы, чтобы жители наших стран могли снова встретиться и поговорить друг с другом. Поэтому ради мирного будущего я надеюсь, что наше партнерство останется таким же прочным и переживет время, когда правду нужно доказывать силой оружия.

С сердечным и грустным приветом

из города мира Оснабрюка,

Ваша

Катарина Пёттер

Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11
 

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