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Investoren-Deal in der DFL: VfL Osnabrück fordert transparente Wiederholung der Abstimmung

Die Fan-Proteste in den deutschen Stadien aufgrund des Investoren-Deals der Deutschen Fußball Liga reißen nicht ab, sondern werden eher immer heftiger. Nun hat sich dazu auch der VfL Osnabrück, der sich bei der Abstimmung am 11. Dezember enthalten hatte, zu Wort gemeldet – und eine erneute und transparentere Abstimmung gefordert.

Der Hintergrund: Am 11. Dezember hat eine Zwei-Drittel-Mehrheit der 36 Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga für den Einstieg eines Investors in die DFL gestimmt. Wer Investor werden soll, ist bis heute offen, klar ist dafür aber bereits die Investitionssumme: eine Milliarde Euro. Rund 600 Millionen Euro davon sind für die Bereiche Digitalisierung und Internationalisierung vorgesehen, die weiteren 400 Millionen Euro sollen unter anderem in Auslandsreisen der Klubs sowie Werbung für die Profiligen fließen.

VfL Osnabrück enthielt sich bei Abstimmung

Im Vorfeld der Abstimmung gab die DFL zudem einige „rote Linien“ bekannt, um den Einfluss des Investors zu begrenzen. Dieser soll demnach keinen Einfluss auf die Gestaltung des Spielplans haben, kann auch keine Spiele gegen den Willen der Clubs ins Ausland verlegen oder Playoffs in der Bundesliga einführen.

Der VfL Osnabrück enthielt sich in der geheimen Abstimmung damals nach eigenen Angaben und kündigte im Anschluss an, den weiteren Prozess positiv mitgestalten zu wollen. „Für uns als VfL Osnabrück zählt nun, den angestoßenen Prozess positiv zu begleiten sowie auf die Einhaltung der roten Linien, die von der DFL-Geschäftsführung richtigerweise expliziert wurden, auch nach dem Einstieg des Geldgebers zu bestehen“, so Geschäftsführer Dr. Michael Welling in einer damaligen Stellungnahme.

Fanszenen protestieren – fast bis zum Spielabbruch

Das Problem: Viele Fanszenen trauen der DFL nicht und fürchten ein Überschreiten der „roten Linien“. Auch die Osnabrücker Anhänger hatten sich vor der Abstimmungsrunde an den VfL gewandt und vom Verein ein „Nein“ gefordert, zu dem es bekanntermaßen am Ende nicht kam. Die Folge nach dem positiven Abstimmungsergebnis waren wiederholte Proteste der Fans, die unter anderem durch das Werfen von Schokogeld-Talern an den vergangenen Spieltagen immer wieder für mehrminütige Spielunterbrechungen gesorgt hatten.

Zum bisherigen Höhepunkt der Fanproteste kam es am vergangenen Samstag im Duell zwischen der Hertha BSC Berlin dem Hamburger Sportverein, das nach mehreren Spielunterbrechungen kurz vor dem Abbruch stand und erst nach einer rund halbstündigen „Beruhigungspause“ fortgesetzt werden konnte. Im direkten Anschluss kündigte unter anderem die am Fast-Abbruch beteiligte Berliner Fanszene an, die Eskalation weiter fortführen zu wollen, wenn das Abstimmungsergebnis weiter Bestand hat.

VfL Osnabrück tauscht sich mit Fans aus…

Der deutsche Fußball, der stark von seiner Fankultur lebt, steht nun also am Scheideweg – mehrere Verantwortliche zeigten sich nach der jüngsten Eskalation besorgt. Nun hat sich auch der VfL Osnabrück zu Wort gemeldet – und hat im Anschluss an eine der regelmäßig stattfindenden VfL-Fan-Runden einen neuen Vorschlag ins Spiel gebracht.

Jene Fan-Runde, an der Vertreter unterschiedlicher Fanorganisationen, des Fanprojektes, der Fanabteilung, der Fanbetreuung sowie weitere Mitarbeitende und Geschäftsführung des VfL Osnabrück teilnehmen, dient unter anderem dazu, frühzeitig und proaktiv auch möglicherweise konfliktbeladene Themen zu adressieren und in gemeinsamen Gesprächen zu Verständnis für unterschiedliche Positionen zu gelangen sowie nach Möglichkeit Lösungen zu erarbeiten. Zu den zuletzt diskutierten Themenfeldern gehörte auch die DFL-Abstimmung.

Banner gegen Investoren / Foto: IMAGO/osnapix
VfL Osnabrück

Wie der Verein bekannt gab, seien offizielle Klubvertreter und Fanvertreter dabei inhaltlich durchaus zu unterschiedlichen Bewertungen in der Notwendigkeit dieses Schrittes der DFL selbst gekommen. Uneingeschränkte Einigkeit bestehe jedoch in der Kritik am Zustandekommen der Abstimmung. Mit der geheimen Abstimmung gehen demnach Unklarheiten einher, ob alle Klubvertreter tatsächlich gemäß des zuvor geklärten Vereinswillens abgestimmt haben. Hintergrund: Unter anderem Hannover 96-Geschäftsführer Martin Kind war diesbezüglich in die Kritik geraten. Der VfL selbst habe diesen Aspekt bei der Sitzung am 11. Dezember nicht erkannt und entsprechend vorgebracht.

…und plädiert für Abstimmungswiederholung

Um jene fehlende Transparenz wiederherzustellen plädiert der Verein daher für eine Wiederholung der Abstimmung in einem offenen Rahmen. Nur so würde die Idee hinter der in den Statuten des Deutschen Fußball Bundes (DFB) festgehaltene 50+1-Regel, nach der Investoren keine Stimmenmehrheit in den Fußballvereinen des DFB übernehmen können, ihre Wirkung entfalten. Weiterhin schütze eine transparente Abstimmung die abstimmenden Personen vor unberechtigten Vorwürfen sowie die Institutionen DFL und DFB vor häufig undifferenzierte Kritik, argumentiert der VfL weiter. Unterstützung erhalten die Osnabrücker dabei unter anderem vom VfB Stuttgart aus der Bundesliga.

So soll es weitergehen

Vor diesem Hintergrund haben sich der VfL und seine Fans in dieser Woche auf ein gemeinsames weiteres Vorgehen verständigt, das die folgenden vier Punkte enthält:

  1. Der VfL Osnabrück wird sich dafür einsetzen und sofern notwendig einen entsprechenden Antrag einbringen oder unterstützen, dass die Abstimmung des 11. Dezember nochmals in einem transparenten, also nicht-geheimen Prozess wiederholt wird. Damit soll die Legitimität des Zustandekommens und Akzeptanz des Abstimmungsergebnisses erhöht werden.
  2. Ein Satzungsänderungsantrag, wonach zukünftig geheime Wahlen oder Abstimmungen jenseits von Personenwahlen innerhalb der DFL unzulässig sind, wird gemeinsam abgestimmt, erarbeitet und durch den VfL Osnabrück eingebracht. Der Antrag soll zuvor mit den Vertretern von Präsidium und Geschäftsführung der DFL geteilt und erörtert sowie auch weiteren Klubs zur Verfügung gestellt werden, um eine möglichst breite Zustimmung zu gewährleisten.
  3. Präsidium und Geschäftsführung der DFL werden aufgefordert, ihre Satzungen, Bestimmungen und Ordnungen sowie sonstige Vorgehensweisen daraufhin zu analysieren, ob es weitere Umgehungsmöglichkeiten der Idee von 50+1 gibt. Es muss dann darauf hingewirkt werden, die Rahmenbedingungen zukünftig so zu gestalten, dass es keine Verstöße bzw. keine Vorteile durch Verstöße gegen die 50+1 Regel geben kann. Hierzu gehören beispielsweise Vertragskonstellationen innerhalb der Klubgeflechte, die den Wirkungsgrad von 50+1 einschränken oder auch Darlehenskonstruktionen, die zwar formaljuristisch gemäß 50+1 gültig sind, die aber de facto dazu führen, dass externe Geldgeber bzw. Investoren den Vereinswillen dominieren können.
  4. DFL und DFB werden schließlich aufgefordert, die aktuell gültige (verschuldensunabhängige) Bestrafungspraxis zu revidieren. Diese auch in anderen Kontexten problematische Vorgehensweise führt auch im aktuellen Fall der Proteste dazu, dass Klubs aufgrund der Proteste von Fans zur Rechenschaft gezogen und wirtschaftlichen Schaden erleiden. Dieser wirtschaftliche Schaden führt gleichzeitig zu einer unnötigen Spaltung innerhalb der heterogenen Fanlandschaft von Vereinen und somit zu einer vermeidbaren Verschärfung und Emotionalisierung von Protesten und Diskussion innerhalb der Klubs, die von den Sachthemen selbst ablenken und ein auf Verständigung zielendes Miteinander erschweren.

Eine Reaktion seitens DFL und DFB steht aus. Die Diskussionen dürften somit – wie auch die Fanproteste – weiter gehen. Ergebnis: offen.

Maurice Guss
Maurice Guss
Maurice Guss absolvierte im Herbst 2019 ein Praktikum bei der HASEPOST. Im Anschluss berichtete er zunächst als freier Mitarbeiter über spannende Themen in Osnabrück. Seit 2021 arbeitet er fest im Redaktionsteam und absolviert ein Fernstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement. Nicht nur weil er selbst mehrfach in der Woche auf dem Fußballfeld steht, berichtet er besonders gerne über den VfL Osnabrück.

  

   

 

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