Osnabrück ist nicht Frankreich, wir haben keinen Staatspräsidenten Macron, der in Rekordzeit das Vertrauen der Franzosen verspielt hat – und auch die Benzin- und Dieselpreise sind bei uns schon lange auf hohem Niveau. Doch offensichtlich gibt es auch hier genügend Unmut, der Menschen auf die Straße treibt, auch mit gelben Westen, auch in Osnabrück und ohne erkennbare Organisation durch Parteien oder Gewerkschaften.

Am Samstagmittag gegen 13 Uhr waren es etwas mehr als ein Dutzend Männer und Frauen, die sich mit einer gelben Warnweste – teils aber auch ohne das auffällige Erkennungszeichen – vor dem Hauptbahnhof getroffen hatten, untereinander diskutierten und die Blicke von Passanten auf sich zogen.

Über das Internet, genauer gesagt Facebook, aber auch über den Messengerdienst „Telegram“, hatten sie zueinander gefunden, so erläutert es ein mit gelber Weste versehener Mann, der wie alle an diesem Samstag Versammelten eher in der zweiten Lebenshälfte einzuordnen ist.

Die Gelbwesten in Osnabrück: Ein Protest der Älteren, nicht der Jugend

Es ist ganz offensichtlich kein Protest der Jungen oder ein Jugendprotest, zumindest bei diesem ersten Treffen vor dem Hauptbahnhof. Im Gespräch betonen die Osnabrücker Gelbwesten parteipolitisch unabhängig zu sein. „Weder rechts noch links“ seien sie. Gewalt, wie sie derzeit im Umfeld der Gelbwesten-Proteste in Frankreich eskaliert, lehnen sie ab, ebenso Versuche sich parteipolitisch einnehmen zu lassen.


Währenddessen herrscht fern vom Osnabrücker Bahnhofsvorplatz tatsächlich so etwas wie Unsicherheit in der Politik, wie mit einer Gruppierung umzugehen ist, die sich den politischen Parteien verschließt. Die Linkspolitikerin Sarah Wagenknecht forderte noch am Donnerstag einen Protest der Gelben Westen auch in Deutschland, während am gleichen Tag das ansonsten für linke Positionen offene ehemalige SED-Organ Neues Deutschland die Gelbwesten in Deutschland von Rechtsextremen unterwandert sieht.

Auf einem selbstgedruckten Flugblatt, das vor dem Osnabrücker Hauptbahnhof verteilt wird, nennen die Osnabrücker Gelbwesten „die Forderung nach Frieden“ als gemeinsamen Nenner, „Einigkeit ist unser Ziel“. Als weiteres Ziel wird ein entglobalisiertes Europa angestrebt, ohne EU Schaltzentrale, man stehe (so das Flugblatt) für „eine Erneuerung des Systems von Grund auf“. Im Gespräch wird auch eine zunehmende Bevormundung durch den Staat, fehlgeleitete Steuergelder und die Unsicherheit der Renten beklagt.

Auch am kommenden Samstag will man sich wieder treffen

Eine Demonstration wurde nicht angemeldet, so ein anderer Mann in gelber Weste. Man verstehe den Austausch von Gleichgesinnten als ein eher zufälliges Treffen an diesem Ort und man wolle auch nicht protestieren, sondern miteinander ins Gespräch kommen.
Am kommenden Samstag will man sich wieder vor dem Hauptbahnhof treffen: Wieder um 13 Uhr, Erkennungszeichen ist die gelbe Weste.