Warum bleiben wir oft bei einer Aufgabe, obwohl ein Wechsel sinnvoll wäre? Und warum fällt es uns in anderen Situationen leicht, flexibel umzudenken? Ein neues gemeinsames Forschungsprojekt der Universität Osnabrück und der Universität Regensburg geht genau diesen Fragen nach.
Wie Menschen Aufgaben im Kopf strukturieren
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit insgesamt rund 770.000 Euro geförderte Vorhaben untersucht, wie Menschen Aufgaben im Kopf strukturieren – und wie diese inneren Denkmodelle beeinflussen, ob wir bei einer Tätigkeit bleiben oder freiwillig zu einer anderen wechseln.
„Im Alltag jonglieren wir ständig mit mehreren Aufgaben. Dabei zeigt sich ein grundlegender Zielkonflikt unseres Denkens: Einerseits wollen wir stabil und konzentriert bleiben, andererseits flexibel reagieren“, erläutert Junior-Professor Dr. Sebastian Musslick von der Universität Osnabrück. Gemeinsam mit Prof. Dr. Gesine Dreisbach von der Universität Regensburg untersucht der Kognitionswissenschaftler, wie diese Balance entsteht.
Im Fokus: die mentale Repräsentation von Aufgaben
Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie Aufgaben mental repräsentiert werden. Menschen können Regeln als einzelne Einzelfälle abspeichern („Dieses Wort – diese Taste“) oder in übergeordneten Kategorien zusammenfassen („Alle roten Wörter folgen Regel A“).
„Kategorien schützen vor Ablenkung, erschweren aber spontanes Umschalten. Einzelfallwissen ist flexibler, dafür störanfälliger“, so Musslick.
Experimente zeigen, wie Entscheidungen dadurch beeinflusst werden
Das Projekt geht nun noch einen Schritt weiter und untersucht erstmals systematisch, wie diese Denkstrukturen freiwillige Entscheidungen beeinflussen – also ob wir uns aus eigenem Antrieb für einen Aufgabenwechsel entscheiden.
Dazu kombinieren die Forschenden psychologische Experimente mit computergestützten Modellen auf Basis künstlicher neuronaler Netzwerke. Teilnehmende bearbeiten Entscheidungsaufgaben am Computer und können in bestimmten Situationen selbst wählen, welche Aufgabe sie als Nächstes ausführen. Die Modelle simulieren diese Situationen und helfen zu erklären, warum Menschen sich unter gleichen Bedingungen unterschiedlich entscheiden.
Wichtiger Beitrag für Bildung, Arbeitsgestaltung und Mensch-Maschine-Interaktion
Die Ergebnisse sind nicht nur für die Grundlagenforschung relevant, sondern auch für Bildung, Arbeitsgestaltung und Mensch-Maschine-Interaktion. „Wenn wir verstehen, wie Denkstrukturen Entscheidungen steuern, können wir gezielter Bedingungen schaffen, unter denen Menschen besser zwischen Stabilität und Flexibilität wechseln können“, erklärt Sebastian Musslick.
Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt und Teil einer größeren Forschungsinitiative zur kognitiven Kontrolle und Entscheidungsfindung. Es verbindet experimentelle Psychologie mit moderner computergestützter Modellierung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis menschlichen Denkens im Alltag.
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