[Update 02.04.2019] April April! Nein, aktuell plant die EU-Bürokratie keine Zeitzone quer durch Deutschland. Allerdings ist nichts ausgeschlossen. Und weil man ja in Brüssel nicht viel von historischen Landesgrenzen hält, ist eine Zeitgrenze quer durch Deutschland, vielleicht auch entlang der NRW-Landesgrenze oder der Autobahn A1, gar nicht mal so weit hergeholt.
Wir haben übrigens absichtlich einen kleinen Fehler eingebaut, den (lt. Facebook-Kommentar) nur ein Leser bemerkt hat: Wenn es in Osnabrück 12 Uhr ist, dann sollte eine Zeitzone weiter westlich (Lotte) die Uhr auf 11 Uhr und nicht auf 13 Uhr stehen.


 

Es ist ein Dilemma, aus dem die Bürokraten in Brüssel einen Ausweg finden müssen. Nach der Entscheidung des EU-Parlaments, dass bis spätestens 2021 die regelmäßige Umstellung von Sommer- zu Winterzeit (und wieder zurück) abgeschafft werden soll, muss nun eine Lösung her.

Tatsächlich hat man in Brüssel längst Pläne in der Schublade liegen, wie mit einer europaweiten Zeitzonen-Regelung gegen nationale Alleingänge vorgegangen werden soll. Die zukünftige Zeitzonen-Grenze, so die Pläne, verläuft westlich des Osnabrücker Stadtgebiets.


Sollten hingegen alle Länder für sich selbst abstimmen, droht das Szenario, dass zum Beispiel bei einer Autofahrt von Hamburg nach Spanien, auf der Route über die Niederlande, Belgien und Frankreich, die Uhr bis zu 4x mal umgestellt werden muss. Um einen derartigeren europäischen Zeit-Flickenteppich zu verhindern, gibt es einen Alternativplan.

Pläne sollten erst nach Europawahl öffentlich werden

Die Kollegen vom Redaktionsnetzwerk Argus, in dem investigativ arbeitende Onlineredaktionen zusammengeschlossen sind, erhielten die noch geheimen Pläne direkt von einem Mitglied des Europaparlaments. HASEPOST bekam als erstes Medium aus der Region die Unterlagen exklusiv zur Veröffentlichung im Raum Osnabrück. Ursprünglich war die Veröffentlichung erst nach der Europawahl am 26. Mai geplant.

Neue Zeitzonen-Grenze folgt Landesgrenze zu NRW

Osnabrück wird bei den Plänen der Eurokraten besonders betroffen sein, denn über weite Teile folgt die zukünftigen Zeitzonen-Grenze den Grenzen der deutschen Bundesländer. Nach der unserer Redaktion vorliegenden Karte ist geplant vom Münsterland bis kurz hinter Osnabrück der Landesgrenze zu Niedersachsen zu folgen.
Im weiteren Verlauf folgt die Zeit-Grenze der Bundesautobahn A1 um nördlich von Bremen, an Bremerhaven vorbei, entlang der schleswig-holsteinischen Küste bis hoch nach Norwegen zu reichen.

Auch Düsseldorf und Köln zukünftig in jeweils anderen Zeitzonen

Besondere Herausforderungen kommen auf die Bewohner und Urlauber der Insel Sylt zu. Die beliebte Nordseeinsel wird zusammen mit Helgoland nicht mehr zur gleichen Zeitzone gehören wie der Rest von Schleswig-Holstein. Das gleiche Schicksal teilen in Niedersachsen die ostfriesischen Inseln, Oldenburg und das Emsland. Wenn in Nordhorn, Aurich oder auf Wangerooge in den Ämtern bereits Feierabend ist, wird in der Landeshauptstadt Hannover noch gearbeitet.
Ein ähnliches Dilemma kommt auch auf Düsseldorf und Köln zu; die ohnehin nicht in besonderer Freundschaft vereinten NRW-Metropolen werden ab 2021 in unterschiedlichen Zeitzonen liegen.

Problemfall: Busverkehr in andere Zeitzone nach Lotte

Problematisch wird es auch im Zusammenleben zwischen Osnabrück und der Nachbargemeinde Lotte. Hier werden die Regionalbusse aus dem Münsterland und die bis nach Wersen/Büren fahrenden Busse der Stadtwerke Osnabrück regelmäßig in eine andere Zeitzone einfahren. Schüler aus Lotte, die zum Beispiel in Osnabrück zur Schule gehen, könnten rein rechnerisch bereits im Unterricht sitzen, bevor sie nach der an ihrem Wohnort gültigen Zeit losgefahren sind.

Brüssel soll neue Busse finanziell fördern

Nach Informationen unserer Redaktion hat Stadtwerke-Mobilitätsvorstand Stephan Rolfes bereits am Wochenende und in enger Zusammenarbeit mit Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert Kontakt zu den Europaabgeordneten Tiemo Wölken (SPD) und Jens Gieseke (CDU) aufgenommen, um Fördermittel aus dem parallel zur Zeitumstellung geplanten EU-Fördertopf „European-Time-Confusion“ (kurz: „ETC“) einzufordern.

Mit den Fördermitteln will die EU u.a. die Anschaffung zusätzlicher Busse fördern, damit die Rast- und Ruhezeiten der Fahrer bei Fahrten über die Zeitgrenze kompensiert werden. Nach Ansicht von europäischen Arbeitsrechtlern haben die Stadtbusfahrer zum Beispiel in der Mittagszeit, wenn sie gegen 12 Uhr in Büren eine Pause eingelegt haben, das Anrecht wie ihre Osnabrücker Kollegen eine zusätzliche Pause auch auf Osnabrücker Stadtgebiet einzulegen.
Nach Berechnungen der ÖPNV-Planungsgesellschaft PLANOS werden die Stadtwerke allein aus Gründen des Arbeitsschutzes mindestens 20 neue Busse anschaffen und etwa 35 neue Fahrer einstellen müssen. Die neuen Zeitzonen bedeuten demnach allein im Bereich der Stadtwerke millionenschwere Investitionen.

Weitere Details werden im Verlauf der EU-Parlamentssitzung am 1. April erwartet. HASEPOST wird auch weiter über die Pläne zur Neuregelung der Zeitumstellung berichten.