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Die Geschichte meiner Stammzellspende Teil 1

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Jeder zehnte Erkrankte findet keinen Spender. / Foto: Nina Stiller

Laut Informationen des DKMS erhält alle zwölf Minuten ein Mensch in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Viele dieser Patientinnen und Patienten benötigen eine Stammzellspende, um ihr Leben zu retten. Um eine geeignete Person für die Spende zu finden, durchsucht die DKMS ihre Spendedateien. Bei einer Hasepost-Leserin gab es einen Treffer. In dem folgenden, ungekürzten Leserbrief erzählt sie uns anonym ihre Geschichte:

Ich hörte zunächst beiläufig einige Infos über die DKMS und anfangs blieb es auch dabei. Ein paar Jahre später gab es eine Typisierungsaktion in der Gemeinde, der ich zugehöre. Meine Eltern ließen sich damals beide typisieren. Ich war zu dem Zeitpunkt ungefähr 17 Jahre alt, war mir allerdings immer noch unsicher und wollte deshalb das ganze erst einmal auf mich wirken lassen.

Im Sommer 2018 wurde mit Hilfe die Studenten der Uni Osnabrück eine Typisierungsaktion umgesetzt, bei der ich mich im Alter von 19 Jahren für die DKMS typisieren ließ. Der Ablauf: Ein paar allgemeine Infos über mich, dann ein Gespräch mit den Studenten, die zur Aufklärung bereit waren, und letztendlich das Stäbchen: „Stäbchen rein – Spender sein“ (Motto von DKMS). Ich bekam also ein Stäbchen, strich damit ein paar Sekunden auf der rechten und auf der linken Innenseite meiner Wange ab, und schon war ich fertig. Der ganze Ablauf dauerte maximal 15-20 Minuten.

Stolz und Furcht

Meine Gefühle danach waren eher gemischt: Einerseits spürte ich Euphorie und war unheimlich stolz auf mich, endlich den Schritt gewagt zu haben. Auf der anderen Seite wusste ich aber auch damals schon genau, dass all das mit einer gewissen Ernsthaftigkeit gesehen werden sollte. Denn im „schlimmsten“ Fall kommst du irgendwann für deinen genetischen Zwilling in Betracht. In den nächsten Wochen verliefen sich meine Gedanken wieder im Alltag.

Mittlerweile passierte einiges im meinem Leben und ich rechnete nicht mehr damit, etwas von der DKMS zu hören – bis zu dem Tag, dem 03. März 2021, als ich auf meinem Handy einen verpassten Anruf sah. Ich unterbrach direkt meine Arbeit am Schreibtisch und sah wenige Minuten später eine Mail von der DKMS. Ich wusste nicht, ob ich sie direkt öffnen wollte oder ob ich noch ein paar Minuten warten sollte. Aber ich entschied mich dafür, sie direkt zu öffnen.

Ich las die ersten Sätze: „Wir wenden uns nun an Sie, da Sie in die engere Auswahl gekommen sind, für einen erkrankten Patienten zu spenden.“ Mein Herz klopfte wie verrückt und mir schossen direkt Tränen in die Augen. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper.
Ich wusste, dass ich immer „JA“ sagen würde, falls mein genetischer Zwilling meine Hilfe braucht und mir war es immer ein Bedürfnis zu helfen. In dem Moment gingen mir allerdings ganz andere Dinge durch den Kopf. Ich dachte sofort an meinen genetischen Zwilling, obwohl ich nicht einmal wusste, was er oder sie für eine Person war. Ich fühlte mich direkt verantwortlich und mir war klar: „Sollte ich wirklich die Person sein, bei der die meisten Merkmale übereinstimmen, werde ich Stammzellen spenden.“

Ein Treffer bei der Untersuchung

Ein paar Minuten später meldete ich mich telefonisch bei der DKMS und erhielt direkt ein paar Antworten auf meine Fragen und über das weitere Vorgehen. Ich bekam ein Set zugeschickt, mit dem ich zum Hausarzt musste. Ich ließ mir für weitere Untersuchungen ein bisschen Blut abnehmen und schickte das Set zurück zur DKMS.

Ein paar Tage später erhielt ich DIE Mail, die mich wieder total emotional werden ließ. Ich las die ersten Zeilen: „Das Ergebnis der Untersuchung liegt uns nun vor und zeigt, dass Sie als möglicher Stammzellenspender für den Patienten tatsächlich in Frage kommen könnten.“ Im Kopf bereitete ich mich, so gut wie es mir möglich war, auf eine Spende vor. Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt immer noch nicht wusste, ob ich der geeignetste Spender sein würde.

Aber auch diese Nachricht ließ nicht lange auf sich warten: „Das Ergebnis dieser Untersuchung liegt vor und es besagt, dass Ihre Gewebemerkmale mit denen des Patienten übereinstimmen und Sie der geeignetste Spender wären.“ Zu dem Zeitpunkt hatte ich telefonisch noch gar nicht wieder mit der DKMS telefoniert, aber ich wusste, wenn alles gut läuft, werde ich spenden.

Wie geht es meinem genetischen Zwilling?

Mir gingen nach dem erneuten Telefonat und den Infos über den Ablauf viele Gedanken durch den Kopf und ich konnte ein paar Nächte nicht schlafen. Ich kannte meinen genetischen Zwilling immer noch nicht; wusste nicht, welches Geschlecht er oder sie hat, wie alt die Person ist, oder wo die Person lebt. Aber ich fühlte mich mit ihm oder ihr direkt verbunden und wusste, dass ich das jetzt wirklich machen werde, denn da draußen braucht jemand meine Hilfe.

Hier geht es weiter: Teil 2 der Geschichte meiner Stammzellspende


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