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Kommentar: Deutschland eine Diktatur? Was für ein gefährlicher Unsinn!

Deutschland sei keine Demokratie mehr, liest man immer wieder in sozialen Netzwerken. Vielmehr sei Deutschland eine Diktatur, heißt es dort. Die Regierung interessiere sich nicht fürs eigene Volk, unterdrücke Meinungen, regiere von oben herab. Wer solche Sätze schreibt, tippt sie meist bequem vom Sofa aus, mit Smartphone oder Laptop, öffentlich, laut, folgenlos. Und merkt offenbar nicht, wie widersprüchlich diese Behauptung ist.

Ein Kommentar von Dominik Lapp

Ja, es stimmt: Die Stimmung im Land ist schlecht. Umfragen zeigen seit Monaten, dass das Vertrauen in die Bundesregierung sinkt, dass viele Menschen pessimistisch auf Politik und Zukunft blicken. Auch in Osnabrück hört man oft den Satz: „Die da oben machen doch sowieso, was sie wollen.“ Das Gefühl, nicht gehört zu werden, ist real. Und es ist Aufgabe der Politik, genau dieses Gefühl ernst zu nehmen. Aber aus Enttäuschung eine Diktatur zu machen, ist nicht nur falsch – es ist respektlos.

Wer in einer echten Diktatur lebt, kann nicht frei äußern, was er denkt. Er kann nicht ungestraft die Regierung beleidigen, Verschwörungen verbreiten oder auf Demonstrationen gehen. Er riskiert Haft, Gewalt, im schlimmsten Fall sein Leben. Oppositionelle verschwinden, Medien werden gleichgeschaltet, Wahlen sind Farce oder existieren gar nicht. Davon sind wir in Deutschland meilenweit entfernt.

Gerade die Menschen, die am lautesten „Diktatur!“ rufen, liefern selbst den besten Gegenbeweis. Sie posten, kommentieren, schimpfen, organisieren sich. Sie werden nicht verhaftet, nicht zensiert, nicht mundtot gemacht. Sie dürfen ihre Meinung sagen – auch wenn sie falsch, überzogen oder polemisch ist. Genau das ist Demokratie.

Natürlich darf man unzufrieden sein. Natürlich darf man wütend sein. Demokratie ist kein Wohlfühlprojekt, sondern anstrengend, langsam, oft frustrierend. Sie bedeutet Kompromisse, Mehrheiten, Minderheiten, und manchmal Entscheidungen, die einem selbst nicht passen. Wer aber jede unliebsame politische Entscheidung zur Diktatur erklärt, entwertet den Begriff – und verharmlost das Leid von Millionen Menschen weltweit, die wirklich keine Stimme haben.

Vielleicht liegt das eigentliche Problem woanders: nicht in einer angeblichen Diktatur, sondern in einer tief sitzenden Neigung zum Jammern. Zum Dauerempörtsein. Zum Wutbürgertum. Zum Gefühl, immer zu kurz zu kommen, selbst in einem Land mit freien Wahlen, unabhängigen Gerichten, sozialer Absicherung und Meinungsfreiheit.

Kurzum: Kritik ist notwendig. Misstrauen kann gesund sein. Aber wer Demokratie mit Diktatur verwechselt, sollte weniger posten – und mehr nachdenken.


[Gruß vom Herausgeber] Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie es bis hier ganz unten geschafft haben. Ein paar Zeilen weiter finden Sie noch den obligatorischen Hinweis, dass gekennzeichnete Meinungsbeiträge stets ausschließlich die Meinung des Autors wiedergeben. Aber ich möchte diesem förmlichen Disclaimer noch etwas hinzufügen. Natürlich haben Sie, wie auch ich und jeder andere Leser, eine eigene Meinung. Vielleicht weicht Ihre Meinung fundamental von diesem oder einem anderen bei uns veröffentlichten Kommentar ab, vielleicht stimmen Sie aber auch vollkommen zu oder aber Ihre Meinung ist „irgendwo dazwischen“. Vielleicht kann ein Kommentar in der Hasepost dabei helfen, neue Gedanken zu denken oder bestehende An- und Einsichten nochmals zu überdenken, dann haben wir und unsere Autoren etwas richtig gemacht und ganz generell zum Denken angeregt.

„Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.“ (C. G. Jung)
Bitte denken Sie mehr. Ihr Heiko Pohlmann


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Dominik Lapp
Dominik Lapp
Dominik Lapp ist seit 2023 Redaktionsleiter der HASEPOST. Der ausgebildete Journalist und Verlagskaufmann mit Zusatzqualifikation als Medienberater, Social-Media- und Eventmanager war zuvor unter anderem als freier Reporter für die Osnabrücker Nachrichten, die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt sowie als Redakteur beim Stadtmagazin The New Insider und als freier Autor für verschiedene Kultur-Fachmagazine tätig. Seine größte Leidenschaft gilt dem Theater, insbesondere dem Musical und der Oper, worüber er auch regelmäßig auf kulturfeder.de berichtet.
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