Die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle auf medizinische Behandlungsfehler bleibt auf einem sehr hohen Niveau: 6.431 Versicherte haben sich im vergangenen Jahr an die Techniker Krankenkasse (TK) gewandt, um einen Behandlungsfehler zu melden. Das geht aus neuen Daten der TK hervor, über die die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (RND) berichten. Nur im Vorjahr lag die Zahl der Verdachtsmeldungen mit 6.509 noch minimal höher.
Zahl der Verdachtsfälle auf Rekordniveau
Nach Angaben der Techniker Krankenkasse ist der aktuell erfasste Wert der zweithöchste der vergangenen zehn Jahre. Die gemeldeten Vorfälle reichen dabei von der Verwechslung von Medikamenten, über Operationen am falschen Körperteil bis hin zu Todesfällen durch Pflege- und Behandlungsfehler. Jens Baas, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse, erläuterte gegenüber dem RND: „Die Bandbreite der geschilderten Vorfälle ist groß: Sie reicht von verwechselten Medikamenten, über die Operation des falschen Körperteils bis hin zu Todesfällen aufgrund von Pflege- und Behandlungsfehlern.“ Die TK ist mit zwölf Millionen Versicherten Deutschlands größte Krankenkasse.
Chirurgie und Zahnmedizin besonders häufig betroffen
Laut der Statistik der TK entfielen 34 Prozent der gemeldeten Verdachtsfälle auf die Chirurgie. Mit deutlichem Abstand folgt die Zahnmedizin und Kieferorthopädie mit 18 Prozent. Damit machen diese beiden Fachrichtungen zusammengerechnet 52 Prozent aller gemeldeten Behandlungsfehler aus. Weitere betroffene Fachrichtungen sind Geburtshilfe/Gynäkologie (neun Prozent), Allgemeinmedizin (sieben Prozent) sowie Orthopädie (sechs Prozent).
Forderungen nach Meldepflicht und schnelleren Verfahren
Jens Baas sprach sich gegenüber dem RND für eine verpflichtende Meldung von Behandlungsfehlern durch alle medizinischen Einrichtungen aus. Bislang würden Fehler nur erfasst, wenn Patienten diese selbst meldeten. „Dadurch bleiben viele Fehler unentdeckt und eine systematische Auswertung von Fehlerquellen und Verbesserungen ist unmöglich“, kritisierte Baas. Er ergänzte: „Fehler werden bisher noch viel zu oft verschwiegen oder bagatellisiert, statt sie als Chance für Verbesserungen zu nutzen.“ Deshalb fordert Baas: „Wir brauchen eine offene Fehlerkultur, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern.“
Darüber hinaus kritisierte der Kassenchef die langen juristischen Verfahren bei Behandlungsfehlern. „Leider nutzen Haftpflichtversicherungen immer wieder die wirtschaftlichen Nöte infolge der Behandlungsfehler aus, um für sie günstige Vergleiche mit den Geschädigten zu schließen“, sagte Baas dem RND. Ein besonders gravierendes Beispiel sei ein Fall, in dem die TK bereits seit 2008 vor Gericht prozessiere – ein Ende des Verfahrens sei nicht in Sicht. „Die betroffene Familie kämpft bereits seit 17 Jahren um ihr Recht“, so der Kassenchef. Er beklagte: Die Haftpflichtversicherungen setzten häufig auf Zeit und hofften darauf, dass die Behandlungsfehler-Opfer irgendwann aufgeben. „Es wird höchste Zeit, dass der Rechtsstaat die Interessen der Opfer stärker in den Blick nimmt und die Verfahren beschleunigt“, forderte Baas.
Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, .