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VfL Osnabrück: Eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte endet in Dresden mit einem 2:2-Unentschieden

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Der VfL beendet eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte mit einem 2:2 in Dresden, das lange nach einem Sieg der Platzherren aussah. Eine Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte brachte die Partie jedoch zu einem versöhnlichen Ende.
In etwa zwei Wochen erscheint übrigens ein allumfassender Rückblick über die Saison 2019/20.

Vor dem Spiel

“Wir wollen noch die 40 Punkte knacken, diese magische Grenze”, verkündete Trainer Daniel Thioune auf der virtuellen Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel in Dresden. Zudem könne man sich noch um zwei Plätze nach oben verbessern. Auf der anderen Seite hält Dynamo-Trainer Markus Kauczinski dagegen: “Wir wollen gewinnen, wollen mutig sein, müssen aber aufpassen, dass wir kein Tor kriegen.”
Gegenüber der Aufstellung in Kiel war die Startelf auf nur zwei Positionen verändert: Wie angekündigt stand Aufstiegstorwart Nils Körber für Philip Kühn im Tor, der gleich ganz zu Hause geblieben ist und seinen Kaderplatz Laurenz Beckemeyer überlassen hat. Heyer stand zum ersten Mal in der Saison nicht in der Startelf und erholte sich im Gegensatz zu Blacha auf der Bank.

Der VfL von Beginn an unter Druck

Anstoß haben bei stickigem Wetter die Dynamos, die gleich den aktiveren Part übernehmen, unterstützt von aufmunternden Anfeuerungsrufen einiger Fans, die sich vor dem Stadion versammelt haben.
Es gab zwar zunächst keine zwingenden Torchancen, aber der VfL fand praktisch nur in der Verteidigung statt. In der 12. Minute stürmt Terrazzino über links heran, bedient den mitgelaufenen Donhoy in der Mitte, der sofort abzieht. Sein Schuss geht knapp am Pfosten vorbei.

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Dresden geht in Führung

Dann in der 23. Minute die zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente Führung der Dresdner durch einen tollen Angriff: Kreuzer setzt Donyoh auf dem linken Flügel mit einem Steilpass ein, der flankt exakt auf den Elfmeterpunkt, wo der völlig frei stehende Terrazzino den Ball wuchtig ins Tor köpft. Die Führung wird immer wieder von Böllern rund ums Stadion gefeiert, die es übrigens auch beim VfL nach dem Sieg gegen Kiel hinter der Nordkurve gab.
In der 35. Minute dann die erste Chance für den VfL in dieser Partie, und was für eine: Ceesay spielt Blacha im Strafraum an, der aus sechs Metern an Torhüter Boss scheitert. Der Dresdener Keeper reagiert zwar mit einer hervorragenden Fußabwehr, doch hätte das der Ausgleich sein müssen.
Der VfL wurde nun zwar ein wenig aktiver im Spiel nach vorn, doch Dresden war stets gefährlicher.

Dresdens Niklas Kreuzer (links) gegen David Blacha; Foto: imago images / Dennis Hetzschold
Dresdens Niklas Kreuzer (links) gegen David Blacha; Foto: imago images / Dennis Hetzschold

Halbzeitfazit

Die Führung der Dynamos zur Halbzeit war völlig verdient. Dresden kam immer besser ins Spiel und erzielte zurecht das 1:0. Um das Spiel zu drehen, wird der VfL mehr investieren müssen.

Tipp: Die Halbzeitgedanken, eine Melange aus Hintergrundinformation und Kommentar, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie fallen hin und wieder recht knapp, manchmal aber auch sehr ausführlich aus. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig und informativ ist: Ganz einfach weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter. Mitunter werden die Halbzeitgedanken auch wiederholt, wenn sich beim jeweiligen aktuellen Gegner und dessen Heimatstadt seit dem letzten Aufeinandertreffen nicht viel geändert hat.

Halbzeitgedanken:
Dynamo Dresden wurde am 12. April 1953 gegründet und hat heute mehr als 23.000 Mitglieder. DD wurde achtmal DDR-Meister und siebenmal DDR-Pokalsieger. Zu den bekanntesten Spielern zählen sicherlich Matthias Sammer und Ulf Kirsten, auch der Vechtaer VfL-Wandervogel Ansgar Brinkmann weilte dort für 27 Punktspiele. Alles Weitere gibt es bei Wikipedia.
Dresden selbst hat 550.000 Einwohner. In den Stadtrat wurden immerhin 77,6% demokratische Parteien gewählt. Mit 20,5% errangen die Grünen bei der Wahl im Mai letzten Jahres die meisten Stimmen vor der CDU.

Gar nicht mal so abwegige Halbzeitgedanken:
Dresden ist wirklich eine der schönsten Städte Deutschlands, wie ich aufgrund etlicher Besuche dieser Stadt behaupten kann, mit einer allerdings potthässlichen rassistischen PEGIDA-Anhängerschaft.
Nicht umsonst hat die Schweiz Ende August 2018 eine Reisewarnung für Sachsen ausgesprochen, drei Jahre zuvor bereits Kanada.

Abwegige Halbzeitgedanken:
Mit Dresden verbinde ich vor allem als Auftrittsorte die Herkuleskeule und das Dresdner Brettl, heute Theaterkahn.
Wir, mein ehemaliger Kabarettpartner Claus Dethleff und ich, sind damals unter dem Namen Spvg. Turn & Taxis direkt nach dem Mauerfall zwei Wochen lang im Dresdner Brettl mit dem Programm Sind Sie frei? aufgetreten. Alle Vorstellungen waren ausverkauft.
Der Intendant des Hauses, der Schauspieler Friedrich Wilhelm Junge, begrüßte jeden Abend das Publikum mit den Worten: “Liebe Gäste, das, was Sie heute Abend sehen werden, hat nichts mit dem ehemaligen Kabarett der DDR zu tun. Zwar findet bei den beiden Hamburger Jungs (er meinte Claus und mich ) auch einiges zwischen den Zeilen statt, aber, und das ist neu, wirkliche Arschlöcher werden auch als solche bezeichnet. Das ist wohl das, woran Sie sich heute Abend gewöhnen sollten. Und ich kann Ihnen verraten: Es hat eine sehr befreiende Wirkung, Arschlöcher als Arschlöcher zu bezeichnen. Und nun viel Vergnügen …”
An einem der Abende war Friedrich nicht dabei, weil er selbst ein Gastspiel hatte. Also fehlte diese kurze Begrüßung und einigen Leuten im Publikum waren die großen Fragezeichen über den Köpfen regelrecht anzusehen. Nach ein paar Szenen übernahmen wir irgendwann Friedrichs Ansage und die Erleichterung war förmlich zu spüren und zu hören: Es durfte also gelacht werden, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Der VfL startet mit zwei Wechseln und mehr Elan in die zweite Hälfte

Amneyido kam für Ceesay ins Spiel und Ouahim für Köhler. Dresden begann die zweite Halbzeit zunächst unverändert.
Der VfL hatte sich offenbar dazu entschieden, von nun am Spiel auch aktiver teilzunehmen. Gleich zu Beginn passt Ouahim auf Amenyido, dessen Schuss allerdings keine Gefahr darstellt. Ein toller Freistoß von Gugganig aus 20 Metern streift knapp am Toreck vorbei ins Aus.
Gerade als der VfL in die Spur zurückgefunden hatte, fiel in der 59. Minute das 2:0 für Dresden. Husbauer bekommt das Spielgerät und kann sich ungehindert der Osnabrücker Hälfte nähern, er spielt den freistehenden Schmidt an, der den Ball gekonnt im langen Eck versenkt.
Rund ums Stadion gleich wieder eine Bombenstimmung und laute Dynamo-Rufe.

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Der VfL kommt zurück ins Spiel

Als das Spiel eine Viertelstunde lang ereignislos vor sich hinplätschert, schlägt der VfL zum ersten Mal zu: Amenyido verlängert per Kopf auf Heider, der spielt den mitgelaufenen Ouahim in der Mitte an, der nicht lange zögert und den Ball zum 2:1 versenkt.
Dann der Ausgleich: Schmidt zirkelt einen Freistoß aus 22 Metern über die Mauer hinweg oben rechts in den Winkel. Álvarez wäre stolz gewesen.
Der VfL war danach einem Sieg näher als Dresden, das wäre aber des Guten zu viel gewesen.

imago images / Dennis Hetzschold
Foto: imago images / Dennis Hetzschold

Fazit

Der VfL holt nach einer schwachen ersten Hälfte am Ende einen Punkt in Elbflorenz und beendet die Saison 2019/2020 als Aufsteiger auf dem 13. Platz.
Diese Mannschaft und das Trainerteam haben über die gesamte Saison hinweg ungemein Spaß gemacht und Großes geleistet. Wie schrieb der Autor dieser Zeilen zu Saisonbeginn nach der 1:3-Heimniederlage gegen Heidenheim:
“Falls jemand glaubt, es hätte Pfiffe gegeben, das Gegenteil war der Fall. Die VfL-Fans applaudierten der Mannschaft für ihre kämpferisch wie spielerisch wirklich gute Leistung und auch dafür, nie aufgesteckt zu haben.
Daniel Thioune und sein Team haben unser aller Vertrauen verdient und ich bin mir sicher, die Mannschaft wird ihren Weg in der zweiten Liga machen und der wird nicht in einer Sackgasse enden.
Der Auftakt war jedenfalls – und das mag nach einer Niederlage komisch klingen – sehr vielversprechend.”
Genießen wir nun also die Vergangenheit und freuen uns gemeinsam auf die nächste Zweitligasaison, die fast eine Liga “Nord” werden könnte.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer: (wie derzeit bundesweit üblich)
Zugelassen sind 200, davon 100 im Innenraum und 100 auf den Tribünen sowie weitere 100 Ordnungskräfte außerhalb des Stadions.

Tore:
1:0 Terrazzino (23.)
2:0 Schmidt (59.)
2:1 Ouahim (76.)
2:2 Schmidt (81.)

Gelbe Karten:
(26.) Henning
(37.) Klaas
(42.) Husbauer
(79.) Kreuzer
(85.) Petrak

Dynamo Dresden: Broll – Kreuzer, Nikolau, Ballas, Wahlquist (Großer) – Petrak – Donyoh Terrazzino (60. Hartmann), Husbauer, Königsdörffer (60. Horvarth) – Schmidt
Trainer: Markus Kauczinski

VfL Osnabrück: Körber (Beckemeyer 90.) – Ajdini, Gugganig, Trapp, Agu – Köhler (46. Ouahim), Henning, Blacha (72. Schmidt) – Klaas (72. Engel), Ceesay (46. Amenyido), Heider
Trainer: Daniel Thioune

Schiedsrichter: Tobias Reichel (Stuttgart)

Statistik:
Seit 2002 trafen die beiden Clubs nun 16-mal aufeinander.
Dabei gab es fünf Siege für den VfL und fünf für Dresden, sechs Spiele gingen unentschieden aus.
Hier geht es zur Statistik von weltfussball.de.

Tabellarisches

Der VfL hielt mit der Durchschnittsnote 3,31 nach wie vor den dritten Platz der Kickerformtabelle, wohingegen Dynamo Dresden mit der Note 3,70 den 16. Platz belegte.
Tatsächlich trat der VfL als Tabellendreizehnter des 33. Spieltags auf das Schlusslicht aus Dresden an.

Die aktuelle Tabelle:


Titelfoto: Dresdens Patrick Schmidt (links) gegen Bryan Henning, imago images / Dennis Hetzschold

Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit "Der VfL in der Saison 2019/20" hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Autor sowie als Kabarettist und Musiker.

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