Das Osnabrücker Rathaus zählt zu den meistbesuchten Orten der Stadt. Touristen, Bürgerinnen und Bürger, Schulklassen und Gäste aus dem In- und Ausland gehen hier ein und aus. Damit sich wirklich alle Menschen im historischen Gebäude orientieren können, geht die Stadt nun einen neuen Weg: Ein akustisches Leit- und Orientierungssystem soll Barrieren abbauen und den Zugang erleichtern.
Digitale Hilfe ohne Umbau
Installiert wurde ein System der Firma MindTags, das ganz ohne bauliche Maßnahmen auskommt. Das war besonders wichtig, denn das Rathaus ist ein historisches Gebäude. Die Technik lässt sich schnell anbringen und problemlos in bestehende Strukturen integrieren – ohne Wände anzubohren oder das Erscheinungsbild zu verändern.
Navigation per QR-Code
Das System funktioniert über QR-Codes, die an verschiedenen Punkten im Rathaus angebracht sind. Blinde, seh- oder gehbehinderte Menschen können diese mit ihrem Smartphone scannen und erhalten anschließend alle wichtigen Informationen – auf Wunsch auch akustisch. Eine App ist nicht zwingend notwendig. Wer sie jedoch installiert, kann zusätzliche Funktionen nutzen und etwa im eigenen Profil angeben, ob eine Seh- oder Gehbehinderung vorliegt. So kann das System zum Beispiel berücksichtigen, dass Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer einen Fahrstuhl benötigen.
Nach dem Scannen erfahren die Nutzerinnen und Nutzer zunächst, wo sie sich gerade befinden. Anschließend geben sie ihr Ziel an und erhalten eine detaillierte Wegbeschreibung, etwa mit Hinweisen wie, dass man sich um 90 Grad nach links drehen oder an einer Wand entlanggehen soll.
Inklusion als Herzensanliegen
Vorangetrieben wurde das Projekt gemeinsam vom Referat Chancengleichheit und dem Inklusionsbeauftragten der Stadt Osnabrück, Steven Brentrop. Er ist selbst seit Geburt blind und kennt die Herausforderungen im Alltag genau. „Wir wollen Inklusion weiter voranbringen“, sagte er bei einem Pressetermin am Montagvormittag. „Bei der Stadt denken wir innovativ und technisch versiert.“
Historisches Gebäude – moderne Lösung
Auch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter begrüßt das neue System ausdrücklich. „Es ist immer eine fordernde Aufgabe, ein historisches Gebäude barrierearm zu machen“, verriet sie. Umso größer sei die Freude darüber, dass mit MindTags eine Lösung gefunden wurde, die ohne bauliche Veränderungen auskommt und dennoch einen großen Schritt in Richtung Barrierefreiheit ermöglicht.
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