Osnabrück Neuzugang in der Schimpansenherde: Zoo Osnabrück integriert zwei neue...

Neuzugang in der Schimpansenherde: Zoo Osnabrück integriert zwei neue Männchen

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Die beiden neuen Schimpansenmännchen Lome (h.l.) und Lobo (v.r.). /Foto: Jannis Brunsmann

Neue Schimpansen am Schölerberg: Seit Ende Juli sind die beiden Schimpansenmännchen Lome und Lobo im Zoo Osnabrück. Aufgrund von Konflikten in der Herde musste das ehemalige Osnabrücker Schimpansenmännchen Tatu den Zoo verlassen und Platz für die Neuzugänge schaffen. Die Integration der beiden Schimpansen in die Osnabrücker Herde verlief erfolgreich. 

„Die Integration von Menschenaffen – besonders von Schimpansen – in eine bestehende Herde ist eine sehr große Herausforderung“, berichtet Tobias Klumpe, Zoologische Leitung. „Allerdings war es nötig, denn die Schimpansen hier in Osnabrück sind seit zwei Jahren schon eine Dauerbaustelle, die nun durch die neuen Männchen hoffentlich gelöst wird.“

Konflikte in der Schimpansengruppe

In der Osnabrücker Herde fehlte seit 2018 eine klare Rangordnung und Sozialstruktur. „Ab 2018 kam es zu Unruhen in der Gruppe“, erklärt Tobias Klumpe. „Das damalig einzige Männchen Tatu war hin- und hergerissen zwischen seiner Ziehmutter Lady – die in der Hierarchie der Weibchen am höchsten stand – und dem für ihm sexuell attraktivsten Weibchen Vakanga, das Lady den Rang streitig machen wollte. Mit dem Konflikt kam Tatu nicht klar und da musste eine Lösung her.“ Auch der Versuch, mit der Ankunft von zwei neuen Weibchen den Machtkampf zwischen Lady und Vakanga abzuschwächen, missglückte. Nachdem Lady 2019 verstarb, erhielt Vakanga ihre alleinige Stellung als ranghöchstes Weibchen, während die Rangordnung für den Rest der Gruppe kaum noch existent war. „Da Tatu mit der Situation überfordert war und eine gefestigte Sozialstruktur in einer Schimpansenherde sehr wichtig ist, fiel die Entscheidung Tatu abzugeben und dafür zwei neue Männchen an den Schölerberg zu holen“, berichtet Tobias Klumpe.

Schimpanse Lobo zieht sich mit seinem Futter in eine ruhige Ecke. / Foto: Jannis Brunsmann

 

Zwei neue Männchen

Die beiden neuen Männchen sind der 19-jährige Lome und der 16-jährige Lobo. Die beiden Westafrikanischen Schimpansen sind Brüder und kommen aus dem Zoo Leipzig. „Ich stand immer in engen Kontakt mit dem Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms, dem Co-Koordinator, dem Chimpanzees Introduktion Advisior sowie den Behörden, um einen Wechsel bei den Männchen zu planen“, so Tobias Klumpe. „Passende Tiere zu bekommen ist gar nicht so einfach. Ich bin dann mit dem Revierleiter Wolfgang Festl nach Leipzig gefahren, um einen Eindruck von den Tieren zu erhalten. Wir haben lange Gespräche mit den Tierpflegern dort geführt, denn es ist wichtig, dass die beiden Schimpansen charakterlich zu unseren passen“. Die Stabilisierung der Sozialstruktur der Herde ist allerdings nur einer der Gründe, weshalb die Männchen zu der Herde dazustoßen. Die beiden Männchen sollen außerdem die Zucht in Osnabrück ermöglichen. Die Schimpansen in Osnabrück gehören zu der Westafrikanischen Gattung – eine Art, die in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht ist. Deswegen wird die Zucht vom Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms unterstützt.

Erfolgreiche Integration

„Nachdem die beiden Neuzugänge Montags ankamen, wurden sie in eine Nachtbox gebracht, um dort zu Ruhe zu kommen“, berichtet Wolfgang Festl, Tierpfleger und Revierleiter von „Takamanda“. „Am Dienstag haben wir die Weibchen ins Außengehege gelassen, während die Männchen die Halle kennengelernt haben.“ Danach haben die Männchen Vakanda – als ranghöchstes Weibchen – und ihre Jungtiere – die sechsjährige Tamika und den einjährigen Mschangao – kennengelernt. Nachdem Vakanga die Männchen akzeptierte, lernten die Brüder den Rest der Herde, entweder vereinzelt oder in kleinen Gruppen, kennen. „Nach fünf Tagen konnten wir alle Schimpansen das erste Mal im Haus zusammenlassen – für uns war das ein großer Erfolg.“

Neues Männchen im Revier: Schimpanse Lome in seinem neuen Zuhause. / Foto: Jannis Brunsmann.

Genauste Beobachtung

Die Zusammenführung von Schimpansen kann sehr rabiat zugehen. „Schimpansen lösen Konflikte meist körperlich. Das sieht schnell brutal aus, denn Schimpansen sind stark und besitzen große, spitze Zähne. Daher haben wir die Zusammenführungen immer mit mehreren Personen beobachtet und wir waren froh, dass der Kollege aus Leipzig fast eine Woche dabei war, denn er kann Lobo und Lome natürlich gut einschätzen“, erklärt Wolfgang Festl. In der Osnabrücker Gruppe sei es auch zu einige Prügeleien gekommen, bei denen aber nichts ernsthaftes passiert sei, berichtet der Revierleiter.

Entspanntere Stimmung in der Osnabrücker Herde

Die beiden Männchen haben sich innerhalb eines Monats an ihr neues Zuhause gewöhnt und etablieren sich als Chefs in der Gruppe, wobei Lome unter den Männchen der Ranghöchste ist. „Man sieht schon jetzt, dass die beiden Männer die Jungtiere in ihre Schranken weisen, wenn sie sich daneben benehmen“, berichtet Wolfgang Festl. „Nach und nach zeigen die beiden jetzt durch ihr Auftreten ihren Chefstatus.“ Generell sei eine entspannte Stimmung in der Gruppe zu beobachten. „Man sieht, dass der einjährige Mschangao auch von den Jungtieren durch die Gegend getragen wird und die Mutter es zulässt“, berichtet der Revierleiter. „Hier hat keiner Angst, dass die beiden Männchen den Jungen attackieren.“

 

 

 

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Jannis Brunsmann
Jannis Brunsmann studiert Medienkommunikation (Journalismus und PR) und unterstützt die Redaktion im Rahmen eines Praktikums.

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