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Neuer Höchststand bei Kirchenaustritten im Bistum Osnabrück

Immer mehr Menschen treten in Osnabrück aus der katholischen Kirche aus: 2022 wurde ein neuer Höchststand erreicht. In der Kirchenstatistik des Bistums sind aber auch positive Trends zu sehen, so hat sich die Anzahl der kirchlichen Trauungen beispielsweise erhöht.

Im Bistum Osnabrück sind im Jahr 2022 insgesamt 10.490 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Dies geht aus der heute (28. Juni) vom Bistum vorgelegten Jahresstatistik 2022 hervor. Mit diesem Wert erreicht die Zahl der Austritte einen neuen Höchststand. Insgesamt geht die Zahl der Katholiken im Bistum im Vergleich zum Vorjahr um rund 12.000 auf knapp 520.000 zurück (2021: 532.000).

Mehr kirchliche Hochzeiten

Eine Aufwärtsbewegung ist dagegen bei der Zahl der Taufen zu erkennen: 2021 wurden 3.895 Taufen verzeichnet, 2022 waren es 4.094. Auch die Zahl der Hochzeiten hat sich im selben Zeitraum von 432 auf 923 erhöht. Dieser Wert ist etwas höher als 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie.

Angestiegen ist ebenfalls der Gottesdienstbesuch. Er liegt bei 5,5 Prozent (4,2 Prozent 2021). Kirchliche Beerdigungen fanden 2022 insgesamt 5.395 statt gegenüber 5.076 im Jahr zuvor. Die Zahl der Kinder, die die Erstkommunion empfingen, hat sich leicht erhöht: 4.099 gegenüber 4.060. Dagegen ließen sich weniger Jugendliche und junge Erwachsene firmen: 2021 waren es noch 4.202 Jugendliche, jetzt fiel die Zahl auf 3.536.

Vielfältige Austrittsgründe

„Die Gründe für die hohe Zahl von Kirchenaustritten sind vielfältig“, sagt Domkapitular Ulrich Beckwermert, derzeit Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators im Bistum Osnabrück: „Der große Vertrauensverlust, den die katholische Kirche auch in unserem Bistum in den vergangenen Jahren erlitten hat, ist sicher einer davon.“ So wirke sich weiterhin der häufig mangelhafte Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt im Raum der Kirche aus. Auch Enttäuschung über zum Teil fehlende Reformbereitschaft in der katholischen Kirche, etwa im Umgang mit Macht oder der Rolle der Frau, spielten bei Vielen eine Rolle. Andere wollten möglicherweise keine Kirchensteuer zahlen. „Was immer am Ende der Auslöser ist, letztlich geht der Entscheidung für den Austritt in der Regel ein längerer Entfremdungsprozess voraus. Die Menschen stellen sich dann irgendwann die Frage: Brauche ich die Kirche noch?“

Domkapitular froh über alle Engagierten

Für viele auch gläubige Katholikinnen und Katholiken sei es nicht einfach, sich gedanklich diesem Trend zu entziehen. „Umso bemerkenswerter ist es, wenn sie sich dennoch weiter in der Kirche engagieren, beispielsweise in der Pfarrgemeinde, in der Caritas, für Alte, Kranke, Kinder und Jugendliche. Noch immer geschieht das jeden Tag und überall in unserem Bistum – und ich bin jeder und jedem Einzelnen dankbar, die oder der unserer Kirche auf diese Weise ein freundliches und einladendes Gesicht verleiht!“, so Ulrich Beckwermert.

Missstände sollen weiter aufgearbeitet werden

„Bei allen Abbrüchen, die wir wahrnehmen und bedauern, arbeiten wir im Bistum Osnabrück auf jeden Fall weiter gemeinsam an einem positiven Weg in die Zukunft“, so Beckwermert. Dazu gehöre die fortgesetzte Aufarbeitung von Fehlern der Vergangenheit, die konsequente Prävention gegen Gewalt und Missbrauch in Gegenwart und Zukunft, die Umsetzung konkreter Reformen „und nicht zuletzt ein vielfältiges und lebendiges kirchliches Angebot, das sich an den Fragen der Menschen orientiert und ihnen im Sinne der wirklich frohen christlichen Botschaft Perspektiven gibt und Hoffnung schenkt“, so Beckwermert. „Insofern hat unsere Bistumsvision von ihrer Gültigkeit nichts verloren: Gott und den Menschen nahe sein, das bleibt unsere wichtigste Aufgabe“.

PM
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