Die Küche gilt landläufig als regelrechter Nutzraum. Bedeutet, was hier getan wird, ist alternativlos, weil man nun einmal Lebensmittel kühlen und zubereiten sowie das dazugehörige Geschirr reinigen muss. Deutlich sparen bzw. nachhaltiger agieren lässt es sich hier nicht – so zumindest eine oft vorgebrachte Ansicht. Stimmt allerdings nicht. Wir zeigen anhand von acht Punkten, was sich hier wirklich ordentlich bewegen lässt, wenn schon alle Lampen gegen LEDs getauscht und andere „Standards“ durchgeführt wurden.
1. Küche tatsächlich benutzen
Fangen wir damit an: Je seltener die Küche genutzt wird, desto weniger nachhaltig ist sie. Einerseits, weil dann alles, was zur Herstellung der Geräte, Einrichtungsgegenstände usw. an Energie verbraucht und an Schadstoffen ausgestoßen wurde, quasi „unnötig“ war.
Andererseits, weil in Sachen Lebensmittelabfälle sowie „Energie und Schadstoffe pro Mahlzeit“, bei Außerhaus-Essen noch ein weiterer Negativfaktor hinzukommt. Heißt, je häufiger man in der heimischen Küche kocht, statt anderswo zu speisen, desto nachhaltiger wird es automatisch – natürlich nur, wenn der Convenience-Grad der Lebensmittel möglichst gering ist.
2. Hochwertige Geräte kaufen – und reparieren
Für Backofen, Kühlschrank und Co. sind stets die gleichen Rohstoffe, Produktionsabläufe usw. nötig, egal ob sie zur untersten oder obersten Preiskategorie gehören. Dennoch hat letztere ein Nachhaltigkeitsplus
- Typischerweise achten namhafte Hersteller deutlich mehr auf die Emissionen der Produktion und möglichst nachhaltige Betriebsmodi, geringe Energieverbräuche und Ähnliches – allein schon, weil eine gute Note auf den Energielabels verkaufsfördernd ist.
- Erfahrungsgemäß bringen es hochwertige Geräte durch bessere Komponenten und deren Abstimmung auf ein insgesamt längeres Leben vor technischen Ausfällen.
- Sollte etwas kaputtgehen, dann sind die Reparaturchancen in der „oberen Küchengeräteliga“ meistens deutlich höher. Erstens, weil hier oft eine bessere Reparierbarkeit mit-designt wurde; zweitens, weil es für Markengeräte erheblich leichter ist, Ersatzteile zu bekommen, auch nach längerer Zeit.
Bedeutet, selbst wenn der gute Backofen „Made in Germany“ vielleicht schon mehr als ein Jahrzehnt auf den Backblechschienen hat, so ist es doch stets die nachhaltigste Herangehensweise, nach Teilen und Anleitungen zu suchen und den Schaden zu beheben – statt das Gerät auf den Elektroschrott zu bringen. Doppelt gilt das, weil es vielfach nur kleine Schäden sind, die ein großes Gerät schachmatt setzen.
3. Wasserkocher nutzen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das für so vieles nötige Wasser zum Kochen zu bringen – keine davon ist jedoch so schnell und sparsam wie der Wasserkocher; wenigstens nicht, wenn größere Mengen nötig sind. Das gilt sogar dann, wenn der Topf auf dem Herd steht. Dort eine geringe Menge Wasser einzufüllen und den Rest im Wasserkocher auf 100°C zu bringen, kann erheblich Energie sparen – und nebenbei die Aufheizzeit auf dem Herd deutlich reduzieren.
4. Mikrowelle gekonnt einsetzen
Die Mikrowelle (sie wird 2025 übrigens 80 Jahre alt) wird in vielen Haushalten nur zum raschen Aufwärmen genutzt. Dadurch bleibt vieles vom energiesparenden Effekt ihres Wirkungsprinzips ungenutzt.
Tatsächlich sollte man alle Speisen und Zutaten bis zirka 400 Gramm und Flüssigkeiten bis 250 Milliliter darin erhitzen. In diesem Bereich ist die Mikrowelle sogar noch sparsamer als der Wasserkocher. Nur bei einem darf sie ausgeschaltet bleiben:
5. Lebensmittel ohne Verbräuche auftauen
Es gibt nur drei lebensmitteltechnisch sichere Möglichkeiten, tiefgefrorene Lebensmittel aufzutauen, sofern diese nicht direkt aus dem Tiefkühler in Backofen und Co. wandern können:
- In kaltem(!) Wasser,
- in der Mikrowelle,
- im Kühlschrank.
Wer es wirklich nachhaltig will, plant mehr Zeit ein und wählt nur letzteres. Nicht nur verbraucht das kein Wasser, sondern es bedeutet beim Strom sogar ein kleines Netto-Plus: Indem das Tiefkühlgut seine Kälte langsam an den etwas wärmeren Kühlschrankinhalt abgibt, muss das Gerät seltener laufen. Man spart also noch mehr Strom, als würde man bloß aufs Mikrowellen-Auftauen verzichten.

6. Dichtungen regelmäßig prüfen und erneuern
Kühlschrank Tiefkühler und Herd benötigen umso weniger Energie, je besser ihr Inneres von der Umgebung der Küche abgeschirmt wird. All diese Geräte setzen deshalb auf Dichtungen zwischen Tür und Gehäuse.
Diese Dichtungen sind jedoch alles andere als „ewigkeitstauglich“. Nicht nur verlieren sie durch unvermeidbare Alterungsprozesse an Elastizität. Sie werden ebenso durch das ständige Quetschen und Dehnen beim Öffnen und Schließen strapaziert.
Etwa alle zwei Jahre sollte man daher die Dichtungen dieser Geräte ersetzen. Zwischendurch hilft es immens, sie möglichst ohne scharfe Reiniger sauber zu halten und mit vom Hersteller freigegebenen Dichtungspflegemitteln zu bestreichen.
7. Spülmaschine sinnvoll einsetzen
Hand aufs Herz: Kochen mag ja Spaß machen, aber das anschließende Spülen (gerade dann, wenn man den Bauch voll hat) ist doch eher eine ärgerliche Last. Angesichts dessen ist die Spülmaschine sicherlich das komfortabelste (Groß-)Gerät in der Küche. Doch auch hier gibt es vieles richtig zu machen:
- Niemals vorspülen, sondern nur grobe und feine Speisereste mechanisch entfernen – in den Biomüll.
- Spülmaschine immer maximal füllen, aber nicht überladen. Das gilt auch für Geschirr, das man normalerweise eher rasch zwischendurch abspülen würde.
- Besser auf pulverförmigen Reiniger setzen als auf Tabs, erstere lassen sich viel besser dem Verschmutzungsgrad gemäß dosieren.
- Die Reinigungs-Modi dem Verschmutzungsgrad entsprechend wählen. Für die meisten Alltagssituationen genügen Energiespar- oder Eco-Modi.
- Stets die Wasserhärte beachten, damit Salz und Klarspüler exakt dosiert werden können.
Ganz wichtig zudem: Einmal im Monat sollte das Sieb gereinigt werden. Je stärker es verschmutzt ist, desto mehr Energie braucht das Gerät beim Pumpen, desto länger dauern die Spülvorgänge und desto unbefriedigender fallen sie mitunter aus.
8. Kompostieren
Längst nicht jeder Haushalt gärtnert. Doch selbst, wo hinterm Haus kein Garten jährlich kubikmeterweise nährstoffreiche Erde benötigt, gibt es meistens zumindest Bedarf für Blumenkästen, Zimmerpflanzen und ähnliches Grün – und falls nicht, gibt es praktisch immer Nachbarn oder Freunde.
Umgekehrt muss man es einmal ganz pragmatisch sehen: Jeder Biomülltonneninhalt, der nicht vom Müllauto durch die Gegend bewegt werden muss, spart Kraftstoff und klimaschädliche Emissionen ein. Der Müll muss nicht über Förderbänder laufen und auf unerwünschte Bestandteile gescannt werden – viele kleine Dinge, die sich schon für eine einzige Mülltonne beträchtlich aufsummieren können.
Es gibt auf dem Markt viele verschiedene Schnellkomposter. Einige davon explizit sogar für Haushalte mit geringstem Platz gedacht. Sich so etwas anzuschaffen und so umfassend wie möglich zu nutzen, bringt einen sehr nachhaltigen Effekt – zumal man dadurch sehr genau weiß, woher die eigenen Tomaten, Kräuter und Co. Geschmack und Nährstoffe erhalten haben.