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Missbrauchsfall in Ostercappeln: Wo bleibt Bischof Dr. Bode?

Pfarreiengemeinschaft Ostercappeln / Foto: Dieter Reinhard

Inzwischen ist eine gute Woche nach Bekanntwerden des Missbrauchsfalls in Ostercappeln vergangen. Wut, Entsetzen und viele Fragen bewegen die Pfarreiengemeinschaft Ostercappeln. Am 05.10. kam die Gemeinde ins Veranstaltungszentrum Schwagstorf und konnte sich zum dritten Mal zu diesem Thema informieren und Fragen an das Bistum richten. Deutlich wurde, viele Gemeindemitglieder haben genug von Verlogenheit und Versteckspiel.

Offenkundig wurde dieser Fall nach dem Zwischenbericht am 20.09.2022 der UNI-Osnabrück zum Thema: „Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung: Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück“. Auf den Seiten 291 – 313 der insgesamt 600 Seiten starken Studie wird dieser Fall aus Ostercappeln ausführlich beschrieben und der Täter als Priester F. H. anonymisiert. Gemeindemitglieder erkannten in der Beschreibung ihren pensionierten Pfarrer und Orgelspezialisten wieder.

Zum Zeitpunkt 20.09.2022 versah der Priester als Subsidiar den Dienst in Bad Essen.
Bischof Dr. Bode verbot dem Tatbekennenden Priester um den 28.09. herum die Durchführung von öffentlichen Gottesdiensten.

Fall seit rund 40 Jahren bekannt

Tatsächlich ist der Fall des Priesters laut UNI-Os Studie seit Mitte der 1980-er Jahre bekannt. So soll der seinerzeit ca. 40 Jahre alte Priester eine damalige 12-Jährige mehrfach über einen langen Zeitraum missbraucht haben und selbst auch gegenüber dem Bistum von einer Liebesbeziehung gesprochen haben. Das Bistum und auch Bischof Dr. Bode haben das geglaubt, wie Bode selbst auf einer Pressekonferenz am 22.09.2022 ausführte. Entsetzen und Wut wurde in der Versammlung deutlich.

Vom Bistum Osnabrück stellten sich Sebastian Nerlich für den Bereich Gemeindeentwicklung und Organisationsberatung, Thilo Wilhelm als Leiter des Bischöflichen Personalreferats und Brigitte Kämper für die Abteilung Recht, den Fragen der zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder.

Teils unter Tränen berichtete eine Frau, dass sie kein Vertrauen mehr in die heiligen Männer der Kirche und des Bistums habe, eine andere Frau trägt sich mit dem Gedanken aus der Kirche auszutreten und ihre jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit im Jugendbereich hinzuschmeißen. Es fiel den Damen und Herren der Gemeinde erkennbar schwer ihre Eindrücke über die Geschehnisse zu kanalisieren. Größte Enttäuschung empfinden die Gemeindemitglieder insbesondere über die Informations- und Handlungspolitik des Bistums Osnabrück: Warum bekommt der Priester noch so ein fürstliches Gehalt? Warum wurde nicht zunächst die Gemeinde Ostercappeln auch schon damals informiert? Welche Verantwortung trägt Bischof Dr. Bode persönlich? …und „Wo bleibt Bode?

Teils unter Tränen berichtete eine Frau, dass sie kein Vertrauen mehr in die heiligen Männer der Kirche und des Bistums habe. / Foto: Dieter Reinhard
Teils unter Tränen berichtete eine Frau, dass sie kein Vertrauen mehr in die heiligen Männer der Kirche und des Bistums habe. / Foto: Dieter Reinhard

Unter großer Zustimmung wurde die Frage: „Wo bleibt Bode ?“ gestellt. Es gab aber auch Stimmen, die den Bischof von Osnabrück nicht in Ostercappeln sehen wollten. Zu groß sei die Enttäuschung über einen Bischof, der eine Liebesbeziehung zwischen einer 12-Jährigen und einem 40-Jährigen Priester glaubte. Vielmehr müsse man in der Gemeinde Ostercappeln quasi ein „Gallisches Dorf“ der Gläubigen errichten, ohne den Blick zum Bistum oder nach Rom zu lenken. Es gäbe auch schon Kontakte zu anderen, von Kindesmissbrauch gebeutelten Gemeinden.

Bode will kommen

Sebastian Nerlich teilte für das Bistum mit, das Bischof Dr. Bode ein großes Interesse am Dialog mit der Gemeinde hat. Das Pastoralteam will den Termin mit Bode noch in diesem Jahr 2022 unterbringen.

Fazit des Autors:
So schlimm, schrecklich und abscheulich der Missbrauchsfall in Ostercappeln auch ist, hatte ich den Eindruck, dass es mächtige Kraft des Zusammenhalts in der Gemeinde gibt. Besonders der Gedanke an das „Gallische Dorf“, mit glückseligen starken Gläubigen, die auch mal ausziehen und den Würdenträgern im Bistum und in Rom zeigen, wie in Ostercappeln „gebetet wird“, gefällt mir besonders gut. Die HASEPOST bleibt am Thema dran…

Dieter Reinhard
Dieter Reinhard
Dieter Reinhard ist freier Autor und Fotograf der HASEPOST.

  

   

 

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