Im August 2017 ging die App „Mobile Retter“ in Stadt und Landkreis Osnabrück an den Start. Dabei handelt es sich um ein Smartphone-basiertes Ersthelfersystem, das bei Herz-Kreislauf-Stillständen schnell für Erste Hilfe sorgen soll, um so die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken. Die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte fördert das Projekt in den nächsten zwei Jahren mit 50.000 Euro, um das System weiter auszubauen.

„Das ist eine der größten Einzelförderungen, die wir bekommen haben und ich möchte mich für das herausragende Engagement der Stiftung bedanken“, betonte Landrat Michael Lübbersmann. 2017 ging die App in der Stadt und im Landkreis an den Start. Bis heute konnten über 1.000 qualifizierte Ersthelfer registriert werden, die im Ernstfall die entscheidenden Maßnahmen für das Überleben eines Menschen einleiten können.

Wie funktioniert die App



Das System funktioniert ganz einfach: Wählt eine Person die Notrufnummer, wird der Rettungsdienst von der Leitstelle informiert. Gleichzeitig wird mittels des Smartphones der Ersthelfer alarmiert, der sich am nächsten zum Patienten befindet. Innerhalb von fünf Gehminuten kann er die Person mit dem Herz-Kreislauf-Stillstand erreichen und die lebensrettenden Maßnahmen einleiten. „Dieses System kann helfen Leben zu retten“, sagt Notarzt Dr. Andreas Mennewisch. „Jedes Jahr erleiden ca. 50.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand, die Rettungskräfte benötigen im Schnitt acht Minuten, um zu diesen Personen zu gelangen. Aber bereits nach weniger als fünf Minuten sterben Hirnzellen ab und es kann ein dauerhafter Schaden entstehen.“

Wer sind die Retter

Bei den „Mobilen Retter“ handelt es sich um bereits qualifizierte Personen, das heißt, Menschen die beruflich oder ehrenamtlich in diesen Bereichen arbeiten. Angesprochen werden unter anderem Feuerwehrleute, Polizisten, Sanitäter, aber auch Pflegekräfte und seit neuestem die Bundeswehr. Sie können sich bei der App registrieren lassen und zum „Mobilen Ersthelfer“ werden. „Etwa 2-3% der Bevölkerung kommen dafür in Frage“, erklärt Armin Schnieder, von der Freiwilligen Feuerwehr Bramsche. Verpflichtend für alle ist ein Training, in dem sie über die Benutzung der App, ihre Rechte und Pflichten und die Maßnahmen im Ernstfall unterrichtet werden. Als Laie kann man nicht Teil der „Mobilen Retter“ werden: „Wir haben uns bewusste dagegen entschieden“, so Armin Schnieder. „Die Herz-Lungen-Reanimation ist nicht einfach und auch psychisch belastend. Da die Helfer immer aus dem nächsten Umkreis alarmiert werden, kann es im schlimmsten Fall sein, dass man jemanden behandeln muss, den man kennt. Damit muss man umgehen können.“ Bis heute konnten in Stadt und Landkreis über 1.000 Menschen registriert werden. Nachweislich konnte durch ihr schnelles Eingreifen bereits elf Menschen das Leben gerettet werden, die ohne die schnelle Hilfe verstorben wären.

Förderung durch die Stiftung Stahlwerk

Zum Start hatte die Stiftung der Sparkasse im Landkreis Osnabrück das Projekt mit 50.000 Euro gefördert. Nun ist auch die Stiftung Stahlwerk dabei, die im laufenden Jahr 22.000 Euro und im kommenden Jahr 28.000 Euro bereit stellt. „Wir sind Teil der Gesellschaft hier im Osnabrücker Land und tragen damit auch einen Teil der Verantwortung“, betont Ernst Schwanhold, der Vorsitzende der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte. Das Geld soll verwendet werden, um für das Projekt zu werben und mehr Lebensretter zu gewinnen. Einer, der bereits Leben rettet, ist Intensivpfleger Jan Bensmann: „Für mich war es direkt klar, dass ich dabei sein würde“, erklärt er. Er hatte im letzten Jahr acht Einsätze. „Einmal hatte eine alte Dame einige hundert Meter entfernt einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Als wir bei ihr ankamen, war sie von Menschen umringt, aber keiner hat ihr geholfen. Wir haben dann erste Maßnahmen eingeleitet und konnten sie stabilisieren. Sie hat überlebt.“

Wer fachlich geschult ist, und selber zum mobilen Retter werden will, der kann sich für die Trainings unter www.mobile-retter.de anmelden. Weitere Informationen sind bei Armin Schnieder und Julia Heyer unter mobile-retter@lkos.de erhältlich.

Die Funktion der App für das Smartphone stellten vor Jan Bensmann (von links, mobiler Retter), Bärbel Rosensträter (Vorstand der Regionalleitstelle Osnabrück), Julia Heyer (stellvertretende Projektleiterin), Ernst Schwanholt (Vorsitzender der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte), Landrat Michael Lübbersmann, Andreas Mennewisch (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Landkreis Osnabrück) und Amin Schnieder (Projektleiter). Foto: Landkreis Osnabrück/Uwe Lewandowski