Dienstagabend meldete sich das Bistum Osnabrück auf seiner Facebook-Präsenz aus dem italienischen Assisi, wo Papst Franziskus gerade bei der Abschlussfeier mit Vertretern aller Weltreligionen zu einem Gebet zusammengetroffen war.
Die Nachricht: „Das nächste internationale Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft Sant‘ Egidio findet vom 10. bis 12. September 2017 in Münster und Osnabrück statt!“
Judith Kantner vom Bistum Osnabrück bestätigte am Mittwochmorgen auf Nachfrage unserer Redaktion die Nachricht und schickte uns eine erste Pressemitteilung und Fotos von der Abschiedsveranstaltung gestern in Assisi.

Der Papst kommt wohl nicht – aber etwa 5.000 Teilnehmer

Hermann Haarmann, Pressesprecher beim Bischöflichen Generalvikariat konnte die erste Meldung in einem weiteren Gespräch bereits mit Details anreichern. Er erwartet etwa 5.000 Besucher in der Hasestadt, darunter führende Repräsentanten von Kirchen und Religionen aus aller Welt.
Nach derzeitiger Planung wird die Abschlussveranstaltung in Osnabrück stattfinden, zu der zusätzlich zu den extra angereisten Besuchern auch Teilnehmer aus Osnabrück und dem Umland erwartet werden.
„Der Papst wird im kommenden Jahr nicht erwartet“, mit anderen hochrangigen Vertretern aus der Politik, „vielleicht sogar dem Bundespräsidenten“, wird zu rechnen sein, so Haarmann gegenüber unserer Redaktion.

Großveranstaltung in beiden Friedensstädten geplant

„Es ist für uns eine Ehre und eine große Freude, Sie alle für September nächsten Jahres nach Deutschland einzuladen“, sagten der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul und der Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn am Dienstag (20. September) zum Abschluss des diesjährigen Treffens im italienischen Assisi. Beide nahmen mit einer Delegation aus Osnabrück und Münster an dem Friedenstreffen teil.

Assisi 2016
Ähnliche Bilder, wie das am Dienstag in Assisi aufgenommene Foto mit Papst Franziskus, werden im September 2017 auch in Osnabrück erwartet.

Bischöfe begrüßen Entscheidung

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode äußerte seine Freude über die Entscheidung, das große Treffen der Religionen in Münster und Osnabrück stattfinden zu lassen: „Beide Städte stehen für das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hier wurde im gesamteuropäischen Friedenskongress in den Jahren 1641 bis 1648 der Westfälische Friede geschlossen“, betonte Bode. Die beiden Friedensstädte Münster und Osnabrück seien daher aufgrund ihrer Geschichte „Orte des Dialogs und der Verständigung“. Bode: „Es ist deshalb ein gutes Zeichen, dass sich die Vertreter der Religionen hier treffen, um den ‚Geist von Assisi‘ spürbar werden zu lassen und den Frieden in der Welt zu fördern.“

Münsters Bischof Felix Genn sagte, das Ziel des Treffens sei es, Menschen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Ländern zusammen zu führen. „Es geht bei dem Treffen um alle Facetten des Friedens, den innerkirchlichen Frieden, aber auch den Frieden in der Welt“, erkläre Genn. Er habe bereits an Treffen der Gemeinschaft in Aachen und München teilgenommen und erlebt, wie Buddhisten, Hindus, Muslime, Juden und Christen verschiedener Konfessionen und Kirchen sich versammeln und „Friedensprojekte bauen“.

Was ist die „Gemeinschaft Sant‘ Egidio“?
Die im Mai 1968 in Rom entstandene katholische Bewegung Sant‘ Egidio ist nach ihrem Hauptsitz, dem ehemaligen Kloster Sant‘ Egidio im römischen Stadtteil Trastevere benannt. Sant‘ Egidio widmet sich der karitativen Arbeit, der Diplomatie in Bürgerkriegsgebieten sowie dem Dialog der Religionen. Papst Johannes Paul II. hatte 1986 erstmals Religionsführer aus aller Welt zu einem Treffen in Assisi zusammengerufen. Seither veranstaltet die Gemeinschaft jährlich internationale Folgetreffen an wechselnden Orten. 1986 wurde die ökumenisch stark engagierte Gemeinschaft von der katholischen Kirche als Laienvereinigung anerkannt. Sie hat nach eigenen Angaben rund 60.000 Mitglieder in 70 Ländern, davon 5.000 in Deutschland. Ein besonderer Schwerpunkt des Engagements der Vereinigung liegt in der internationalen Ächtung der Todesstrafe und in einem Anti-Aids-Programm in Afrika. Ihr Gründer, der italienische Historiker Andrea Riccardi, wurde für seinen Einsatz für Frieden 2009 mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet.

Fotos: Bistum Osnabrück