Kallas Kolumne Kallas Kolumne: Pfingsten? A watt ...

Kallas Kolumne: Pfingsten? A watt …

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Nur mit religiösen Mythen vertraute Christen und (natürlich) Wikipedia wissen, warum Pfingsten überhaupt gefeiert wird. Die Begründung klingt wie immer höchst befremdlich bis märchenhaft, wenn es um etwas für mich Unerklärliches aus der Bibel geht: „Pfingsten ist ein christliches Fest, an dem die Gläubigen die Sendung des Heiligen Geistes zu den Jüngern Jesu und seine bleibende Gegenwart in der Kirche feiern.”
Und in der Apostelgeschichte steht: „Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren … Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“
A watt … von mir aus, aber irgendwie muss der Heilige Geist auch dieses Jahr mal wieder komplett an mir vorbeigebraust sein.
„Ach, aber auf die freien Tage wollt ihr Atheisten mal wieder nicht verzichten, oder?“, ermahnen die Erweckten bei jeder christlichen Festgelegenheit die Aufgeweckten im gebieterischen Ton,  als hätte unsereins seine freien Tage ihrem komischen Glauben zu verdanken. Dabei wird von ihnen geflissentlich unterschlagen, dass alle religiösen Feste heidnische Wurzeln haben, die sich der Klerus über all die Jahrhunderte wie den gesamten Grundbesitz widerrechtlich unter den Nagel gerissen hat, indem er dem ungebildeten Volk einen Stehplatz im Himmel versprach. Bis heute offenbar weltweit ein erfolgreiches Geschäftsmodell.
Liebe Christengemeinde, mir fallen zig bessere Anlässe für Feiertage ein, als dem Vorbeibrausen eines heiligen Geistes oder der Himmelfahrt eines bedauernswerten Tischlersohns zu huldigen. Wie wäre es, stattdessen den 21. Juli, den Tag der Mondlandung, als Tag der Wissenschaft und Charles Darwins Geburt am 12. Februar als Tag der Evolution zu feiern?
Wie wäre es, am 8. Mai dem Tag der Befreiung vom Faschismus und am 4. April der Ermordung Martin Luther Kings zu gedenken und demnächst einen einmaligen Freudentag zur Abdankung oder Abwahl Donald Trumps zu begehen, der sich seit einigen Tagen ohnehin in seinen Führerbunker zurückgezogen hat? So etwas endet ja, wie uns die Geschichte gelehrt hat, meist höchst erfreulich, sodass man diesen Tag zukünftig zum internationalen Feiertag gegen Rassismus, zum Rosa-Parks-Day, erklären sollte.
Sicherlich wären auch viele gläubige Menschen damit einverstanden, zumindest diejenigen, die im Jahr 2020 angekommen sind, denn eins steht fest: Nur weil man Atheist ist, ist man noch lange kein besserer Mensch, schaut mich an …
Und wenn es euch gläubigen Menschen hilft, irgendeine Kirche, einen Tempel oder eine sonstige heilige Stätte aufzusuchen, sich gen Mekka zu werfen oder einen Ring durch die Nase zu ziehen, dann macht das doch, aber haltet auch ihr euch bitte nicht für die besseren Menschen. Besonders schick ist ja seit Jahren der Buddhismus, das IPhone aller Religionen, natürlich nur der ach so friedliche, wie er uns mit Vorliebe in Talkshows vorgegaukelt wird, und nicht der reale und blutrünstige wie in Burma oder Myanmar.
Nun, ihr lieben Christen, immerhin wird meine Geistes- und Bewegungsfreiheit durch eure, auf mich urkomisch wirkenden Rituale oder Feiertage wie Pfingsten seit Abschaffung der Gottesurteile nicht mehr eingeschränkt.
Na ja,  kaum jedenfalls … aber soll ich mich über ein mittelalterliches Tanzverbot am Karfreitag wirklich noch empören? Nur um euch zu ärgern, werde ich bestimmt nicht einmal im Jahr extra zum Tanzen gehen.
Übrigens glauben auch Atheisten hin und wieder an etwas. Ich zum Beispiel an Parmesankäse und die heilende Kraft der Rockmusik. Es gibt derart viele irdische Freuden, da komme ich gar nicht dazu, den wunderbaren Himmel auf Erden für irgendwelche Vertröstungen auf ein beklopptes Jenseits samt drohendem Fegefeuer aufzugeben. Und habt ihr mal das himmlische Brausen meines knallroten italienischen Kaffeeautomaten gehört? Ich bete ihn sogar an, weil ich mir ein Leben ohne Kaffee nicht vorstellen kann. Andere bevorzugen eben Tee oder heißes Wasser.
Okay, in diesem Fall bin ich dann ausnahmsweise tatsächlich mal der bessere Mensch, aber wirklich nur dieses eine einzige Mal.

Ich wünsche allen eine schöne Restwoche, Kalla Wefel

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Kalla Wefel

Kallas Kolumnen aus dem Jahr 2019 gibt es auch als Buch

 

 

 

 


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Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.

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