Der frühere Spitzendiplomat Christoph Heusgen hat die Entscheidung, Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) zur Präsidentin der UN-Vollversammlung zu nominieren, scharf kritisiert. Heusgen bezeichnete die Nominierung als „Aktion Abendsonne“ zugunsten von Baerbock und nannte es eine „Unverschämtheit“, dass die international angesehene Diplomatin Helga Schmid verdrängt wurde. Schmid war ursprünglich von der Bundesregierung als Kandidatin vorgesehen und gilt als eine der erfahrensten Diplomatinnen Deutschlands.
Kritik an Baerbocks Nominierung
Christoph Heusgen, der seine Kritik in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ (Donnerstagausgabe) äußerte, bemängelte die Entscheidung, Helga Schmid durch Baerbock zu ersetzen. Heusgen stellte infrage, ob dies im Sinne einer feministischen Außenpolitik sei. Er betonte Schmids herausragende Karriere, einschließlich ihrer Rolle als Büroleiterin von Joschka Fischer, ihrer Tätigkeit als Generalsekretärin des Europäischen Auswärtigen Dienstes und ihrer maßgeblichen Beteiligung am Iranischen Nuklearabkommen. Zudem lobte er ihre Arbeit als Generalsekretärin der OSZE, bei der sie die Organisation „vor dem Auseinanderfallen geschützt“ habe.
Weitere Stimmen der Kritik
Auch der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) äußerte Bedenken über die Entscheidung. Er erklärte gegenüber der Zeitung, dass Helga Schmid eine „großartige Diplomatin“ sei und betonte, dass „Frau Baerbock viel von ihr lernen“ könne. Somit schloss sich Gabriel der Kritik an der Neuorientierung in der Nominierung an.
Spannungen um diplomatische Posten
Der „Tagesspiegel“ berichtet weiter, dass in den kommenden Wochen über weitere diplomatische Spitzenpositionen in der zukünftigen Bundesregierung entschieden werden soll. Unklar ist bislang, wen der mögliche künftige Kanzler Friedrich Merz (CDU) als außenpolitischen Berater oder Beraterin benennen wird. Ein möglicher Aufstieg der Position zu einem Nationalen Sicherheitsbeauftragten wird erwogen. Der Verbleib von Jens Plötner, dem derzeitigen außenpolitischen Berater von Olaf Scholz, gilt laut Regierungskreisen als unwahrscheinlich. Plötner war ein wichtiger Akteur in der Russland-Politik des ehemaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier (SPD) und bekleidete Positionen wie Sprecher des Auswärtigen Amtes und Leiter des Ministerbüros.
In Regierungskreisen werden nach Informationen des „Tagesspiegel“ Géza Andreas von Geyr, der deutsche Vertreter bei der Nato, sowie Martin Jäger, der deutsche Botschafter in Kiew, als mögliche Nachfolger für Plötner gehandelt. Zudem wird berichtet, dass Plötner an der Leitung der deutschen Botschaft in Washington interessiert sein könnte. Auch Thomas Bagger, bisher Staatsminister im Auswärtigen Amt, wird als möglicher Kandidat für die Washington-Position genannt.
Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, .