Nach der Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union bleibt die Sorge vor weiteren Konflikten bestehen. Experten wie IW-Direktor Michael Hüther und Wirtschaftsweise Veronika Grimm zeigen sich zwar erleichtert über die vorläufige Entspannung, mahnen jedoch zu Vorsicht und fordern neue Strategien der EU. Die Belastungen durch Zölle und die aktuelle Wachstumsstrategie stehen weiterhin in der Kritik.
IW-Direktor Hüther warnt vor weiteren Störfeuern
Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), bezweifelt trotz des Zoll-Deals zwischen den USA und der Europäischen Union eine nachhaltige Entspannung der Lage. „Darauf vertrauen, dass nun Ruhe herrscht, kann man nicht, zumal die Kauf- und Investitionszusagen kaum präzise einzuhalten sind. Trump nimmt die Zolldrohung nie vollends vom Tisch“, sagte Hüther nach der Einigung den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagausgaben). Auch deshalb hätte eine kraftvollere Verhandlungsstrategie der EU aus seiner Sicht mehr Sinn ergeben.
Kurzfristig rechnet Hüther allerdings mit einer gewissen Entlastung im Handelskonflikt. Unter den Zöllen, so der Ökonom, würden vor allem US-Verbraucher leiden. „Der Zollsatz von 15 Prozent dürfte von den deutschen Exporteuren aufgrund ihrer Marktposition in der Regel überwälzbar sein. Am Ende zahlen zumeist die US-Konsumenten“, sagte er gegenüber der Funke-Mediengruppe. Insgesamt könne der Deal keine Euphorie auslösen, denn Zölle – egal in welcher Höhe – belasteten die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung. „Es ist nicht gelungen, den Trumpschen Unsinn zu korrigieren“, fasste Hüther zusammen.
Wirtschaftsweise Grimm fordert EU zu Konsequenzen auf
Auch Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat für Wirtschaft (SVR), sieht nach der Einigung Handlungsbedarf für die Europäische Union. „Die EU muss endlich aufwachen und sich um ihre eigene Wachstumsagenda kümmern. Bisher überdecken wir unsere Probleme mit hohen schuldenfinanzierten Ausgaben – geraten aber immer mehr in die Defensive. Damit muss Schluss sein“, sagte Grimm nach der Einigung in dem Handelskonflikt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Aus ihrer Sicht verschulde man sich derzeit und kaufe davon Waffen und Energie aus den USA. „Eine Wachstumsstrategie für die EU ist das sicher nicht“, so Grimm weiter.
Mit Blick auf die Folgen der Zölle für die deutschen Exporteure zeigte sich Grimm zwiegespalten. „Die Zölle werden die deutsche Wirtschaft belasten, es ist aber gut, dass die hohen Zölle für die Automobilindustrie nicht bestehen bleiben“, erklärte sie. Den Import von Energie und Waffen aus den USA bewertet sie als notwendig: „Bei beiden werden wir ohnehin auf lange Sicht auf Importe angewiesen sein“, so die Ökonomin.
Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, .