Die OLB-Stiftung hat den mit 22.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis verliehen und will damit auf die Bedeutung von Wissenschaftsförderung aufmerksam machen.
Top-Auszeichnungen
Zwei Preise für herausragende Masterarbeiten gehen an Absolventen der Universität und Hochschule Osnabrück: Die Ausgezeichneten sind Niklas Kruse aus Georgsmarienhütte (erster Preis, 5.000 Euro, Hochschule Osnabrück) sowie Sophie de Lede aus Köln (zweiter Preis, 3.500 Euro, Universität Osnabrück).
Insgesamt wurden sechs Absolventinnen und Absolventen von Universitäten und Hochschulen im Nordwesten ausgezeichnet. Drei Preisträger mit Doktorarbeiten kommen von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, eine Preisträgerin mit einer Masterarbeit von der Universität Vechta.
Preis ehrt außergewöhnliche Talente
Die Themenvielfalt war beim OLB-Wissenschaftspreis sehr groß und die Verleihung der Preise daher eine spannende Reise durch verschiedene Felder der Wissenschaft – mit einer Gemeinsamkeit, wie es vom Vorstand der OLB-Stiftung hieß: „Hinter all dem stecken außergewöhnlich kluge, innovative, neugierige und sympathische Köpfe.“
So geht es in den ausgezeichneten Arbeiten um den Mikroplastikkreislauf im Gewässer (Dr. Isabel Goßmann), die Erklärbarkeit juristischer KI-Entscheidungen (Niklas Kruse), die körperliche Entlastung für Pflegekräfte durch kollaborative Robotik (Dr. Anna Schumacher), Wege zu einem kollektiven Handeln gegen den Klimawandel (Sophie de Lede), Anpassung von Hörgeräten (Dr. Jonathan Gößwein) sowie Herders Poesiekonzept: Linguistische Untersuchung (Patrizia Bahrsch).
Mehr als 300.000 Euro
Die OLB-Stiftung verleiht den OLB-Wissenschaftspreis seit dem Jahr 2000 nun zum dreizehnten Mal. Insgesamt sind bereits Preisgelder von rund 300.000 Euro an mehr als 80 Preisträger vergeben worden. Die Förderung von Wissenschaft steht ganz oben auf der Agenda der OLB-Stiftung. Damit leistet die Stiftung ihren Beitrag, um Fortschritte bei Erkenntnissen und wichtigen Innovationen für die gesamte Gesellschaft voranzutreiben.
Teilnehmen konnten an der aktuellen Auslobung Absolventen aller Fachbereiche der staatlich anerkannten Universitäten und Hochschulen im Nordwesten, die seit dem 17. Dezember 2022 eine Doktorarbeit oder eine Studienabschlussarbeit (Magister-, Diplom-, Staatsexamens-, Bachelor- oder Masterarbeit) vorgelegt haben und deren Prüfungsverfahren abgeschlossen ist.
Vielfältige Kriterien für Spitzenleistungen
Zur Beurteilung der Arbeiten wurden je nach Fachbereich mehrere Kriterien herangezogen wie Innovationsgrad, Theorie/Grundlagenforschung, Praxisrelevanz, Nutzen für Umwelt und Gesellschaft, Wirtschaftlichkeit, Form der Darstellung und Themenbezug. Bewertet wurde nicht nur das fachwissenschaftliche Niveau der Arbeit, sondern auch die gesellschaftliche Bedeutung, der Mut bei der Wahl des Ansatzes und die Fähigkeit, Themen besonderer Art zu entwickeln und überzeugend darzustellen.
Niklas Kruse: Erklärbare KI für juristische Entscheidungen neu gedacht
Niklas Kruses Arbeit widmet sich der Erklärbarkeit juristischer KI-Entscheidungen: KI-Systeme werden immer verbreiteter in der Gesellschaft eingesetzt und treffen dabei häufig Entscheidung in sehr sensiblen Lebensbereichen, sodass es auch beispielsweise möglich ist, rechtliche Entscheidungen durch ein KI-System treffen zu lassen. Die Gesellschaft erwartet und der Gesetzgeber gibt vor, dass diese KI-Systeme vertrauenswürdig sind, was in der Regel dadurch erreicht wird, dass man Techniken der erklärbaren KI anwendet mit dem Ziel menschenzentrierte KI und damit vertrauenswürdige KI zu erreichen. Gegenwärtige Ansätze weisen allerdings die Schwäche auf, dass sie den Menschen nur als Rezipienten der Erklärung sehen. Der Ansatz der Arbeit von Niklas Kruse basiert darauf, die Beweggründe des Menschen als Bewertungsmaßstab für die Vertrauenswürdigkeit der KI-Entscheidung anzuwenden und so den Menschen in den Mittelpunkt der Erwägung zu stellen, um tatsächlich menschenzentrierte KI zu erzeugen. Erreicht hat er dies, indem er über eine Eye Tracking Studie die Beweggründe von Rechtsexperten aufgezeichnet hat und mit den Beweggründen der KI vergleichen hat. So konnte er zeigen, dass die Menschen und die KI ihre Entscheidung auf die gleichen Beweggründe stützen und eine tatsächlich vertrauenswürdige KI-Entscheidung belegen. Das Konzept lässt sich grundsätzlich auf alle Bereiche anwenden, in denen KI-Entscheidungen trifft.

Sophie de Lede: Klimaschutz in der Gemeinschaft
In der Arbeit von Sophie de Lede geht es um Wege zu einem kollektiven Handeln gegen den Klimawandel. Der menschengemachte Klimawandel ist eine drängende und ernsthafte Bedrohung, die tiefgreifende und weitreichende gesellschaftliche Veränderungen erfordert.
In diesem Zusammenhang ist – über Verhaltensänderungen von Einzelnen hinaus – die Beteiligung der Bevölkerung an kollektiven Aktionen, um Druck auf Regierungen, Institutionen und Unternehmen auszuüben, entscheidend für effektiven und umfassenden Klimaschutz, der schnell umgesetzt werden muss. Dennoch besteht trotz weit verbreiteter Sensibilisierung und Besorgnis über die Klimakrise in der Bevölkerung eine große Kluft zwischen Bewusstsein und Handeln, da sich verhältnismäßig nur ein geringer Teil der Menschen tatsächlich an kollektiven Aktionen beteiligt.
Die Studie der Preisträgerin untersucht, welche psychologischen Faktoren Menschen, die den menschengemachten Klimawandel anerkennen, motivieren können, gemeinsam effektiven Klimaschutz zu fordern.

Psychologische Puzzle-Stücke: Was Menschen zum gemeinsamen Klimaschutz bewegt
Die Untersuchung verwendete eine Methode namens fuzzy-set Qualitative Comparative Analysis (fsQCA) – eher selten in der Psychologie angewendet – um zu untersuchen, wie verschiedene psychologische Faktoren interagieren.
Die Studie konzentrierte sich dabei auf die Faktoren des Zugehörigkeitsgefühls zu einer Gemeinschaft (soziale Identität), den Glauben an die Wirksamkeit kollektiven Handelns (kollektive Wirksamkeitsüberzeugungen), wahrgenommenes Verhalten und Erwartungen anderer (soziale Normen), persönliche Besorgnis und Emotionen.
Überraschenderweise findet die Studie heraus, dass ein hohes Maß an Besorgnis über den Klimawandel für sich genommen weder eine hinreichende noch eine notwendige Bedingung ist, um sich zu engagieren und kollektiv zu handeln.
Stattdessen kann eine komplexere Kombination von Faktoren wie soziale Normen und kollektive Wirksamkeitsüberzeugungen oder starke Emotionen in Verbindung mit sozialer Identität und Besorgnis dazu führen, dass sich Menschen engagieren.
Darüber hinaus können zusätzliche Motive wie Verantwortungsbewusstsein, Vertrauen in politische Lösungen, die Wahrnehmung von Ungerechtigkeit und persönliche Beziehungen zu engagierten Personen dazu beitragen, Menschen zur Beteiligung an kollektiven Klimaschutzaktionen zu bringen.
