Ein Traum wird wahr. Unmögliches möglich gemacht. Sensationell. Unglaublich. Es gibt unzählige Superlative für diesen einen Fakt: 400m-Langsprinter Florian Kroll von der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Osnabrück) fährt zur Weltmeisterschaft nach Tokio. 80 Athleten wurden vom Deutschen Leichtathletik-Verband nominiert, 46 Vereine aus Deutschland sind vertreten. Osnabrück ist dabei. Erst zum dritten Mal. Geherin Barbara Kollorz (Rom 1987) und Langsprinter Fabian Dammermann (Budapest 2023) haben vorgelegt. Florian ist mit 21 Jahren der jüngste Athlet im deutschen Team – und eine der Überraschungen, die vor einem Jahr kaum jemand auf der Rechnung hatte.
Seit Jahren auf WM-Teilnahme hingearbeitet
Immer auf der Rechnung hatte dagegen das Team der LG Osnabrück mit Trainer Anton Siemer seinen Nachwuchslangsprinter: „Auf diese WM-Teilnahme arbeiten wir seit Jahren hin. Nachdem Florian im Vorjahr nur denkbar knapp und nicht unumstritten die Europameisterschaft in Rom und die Olympischen Spiele in Paris verpasst hatte, war das Ziel für 2025 klar.“ Fast hätten die Rothemden aus dem Sportpark Gretesch sogar das halbe deutsche Staffelteam gestellt: Fabian Dammermann, Olympiateilnehmer 2024 und im Mai dieses Jahres bei den Staffelweltmeisterschaften in China stärkster deutscher Langsprinter, scheiterte nach langer Verletzungspause nur knapp.
Für Florian aber wird ein Traum wahr. Der Spruch ist leider nur eine Hälfte der Wahrheit. Florian gehört zur deutschen 4 x 400 m-Mixed-Staffel Zwei Frauen, zwei Männer. Reihenfolge Mann-Frau-Mann-Frau. Mit Manuel Sanders (Wattenscheid) und Florian sind zwei deutsche Langsprinter vor Ort. Starten könnten in der Staffel aber auch die Langhürdler Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz, die in ihrer Disziplin zur absoluten Weltspitze gehören. Qualifiziert sich das deutsche Team fürs Finale, dürfen eine Frau und ein Mann ausgewechselt werden. Das heißt, insgesamt werden mindestens zwei, bei einer Finalqualifikation drei Männer eingesetzt werden.

67.000 Zuschauer im Nationalstadion
Für Florian ist der WM-Traum zumindest teilweise oder zur Hälfte wahr geworden. Er ist bei der Weltmeisterschaft dabei, wird den Wettkampf vor über 67.000 Zuschauern im Nationalstadion erleben. Aber Was ist mit Teil zwei? Wird der 21-Jährige auch laufen? „Das entscheidet der Bundestrainer. Welche Faktoren am Ende ausschlaggebend sind, entzieht sich unserer Kenntnis“, ist die Aussage von Trainer Anton Siemer. Geprägt auch von Olympia 2024 in Paris, als Fabian Dammermann am Ende als amtierender Deutscher Vizemeister ohne Einsatz blieb. „Florian hat alles getan, um sich zu zeigen und anzubieten. Deutscher Hallenmeister, erster deutscher U23-EM-Finalist seit zehn Jahren, Bronze mit der deutschen Staffel bei der U23-EM, Bronze bei den Deutschen Meisterschaften.“ Zuletzt gelang ihm beim abschließenden Leistungstest in Göttingen erstmals ein Sieg gegen den aktuellen deutschen Vizemeister Manuel Sanders. Mit seiner neuen Bestzeit von 46,13 sec lag Florian neun Hundertstel vor dem Wattenscheider, der seit Jahren einen Stammplatz im deutschen Team hat.
Punkten kann Florian trotz seines jungen Alters mit reichlich internationaler Erfahrung. U20-WM 2022 in Cali/Kolumbien, U20-EM 2023 in Jerusalem/Israel und in diesem Jahr dann die U23-EM in Bergen/Norwegen: Der 21-Jährige war bei den jeweiligen internationalen Saisonhöhepunkten der Nachwuchsaltersklassen vertreten und überzeugte stets mit starken Auftritten.
„Abwarten und Tee trinken“, lautet nun bis zum Samstag, 13.September, die Devise. Um 4.55 Uhr deutscher Zeit starten die Halbfinals, bereits am selben Tag um 15.20 Uhr steht das Finale an. In Osnabrück werden alle Daumen gedrückt, dass dann auch Florian am Bildschirm zu sehen sein wird.