Nachdem noch vor Weihnachten ein Missbrauchsfall in der Nordkreisgemeinde Merzen bekannt wurde, kommen immer mehr Einzelheiten ans Licht – dabei wird auch offenbar, wie von Seiten des Bistums in den 90er Jahren eine weltliche Strafverfolgung verhindert wurde. Unsere Redaktion berichtete bereits im Dezember.

Moritz Gallenkamp, Kreisvorsitzender der FDP, fordert das Bistum in einer Pressemitteilung auf nun die Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen zu ziehen.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode plant am Mittwochvormittag selbst vor die Presse zu treten, HASEPOST wird dazu berichten.

FDP-Politiker wirft Bistum Versagen vor

Moritz Gallenkamp dazu am Dienstagabend: „Der Missbrauchsfall in der Gemeinde Merzen nimmt immer größere Ausmaße an und bringt immer mehr Opfer ans Licht. Warum handeln die Verantwortlichen erst jetzt konsequent und nicht früher? Die Verantwortlichen haben versagt, als es darum ging, bereits bei den ersten Anzeichen des Missbrauchs konsequent zu handeln.

Behörden hätten sofort eingeschaltet werden müssen

Man hätte besser daran getan, unverzüglich die zuständigen Behörden einzuschalten, als es die ersten Anzeichen gab. Stattdessen wurde im Bistum eine eigene rechtliche Beurteilung vorgenommen, ob der Fall justiziabel sei. Wenn es einen Verdacht von Missbrauch gibt, ist dieser anzuzeigen und nicht vom Kirchenpersonal vorab zu bewerten. An den früheren Äußerungen des Pressesprechers des Bistums Osnabrück, dass es keine belastbaren Zeugenaussagen oder Zeugen für die Anschuldigungen gegeben habe, lässt sich die Verklärtheit der Verantwortlichen erkennen.  Wenn man sich in ein Opfer oder dessen Eltern hineinversetzt, kann man leicht verstehen, dass sich diese nicht unbedingt der Institution anvertrauen, aus der ein Täter kommt, selbst wenn hier ernsthafte Bemühungen unternommen werden sollten, sich zu kümmern,“ so der Osnabrücker FDP-Vorsitzende Moritz Gallenkamp.

Ansehen der Kirche darf nicht über dem Gesetz stehen

Gallenkamp führt weiter aus: „Es ist an der Zeit, dass nicht nur gegenüber dem ehemaligen Priester Konsequenzen gezogen werden, sondern auch gegenüber denen, die damals der Ansicht waren, das Ansehen eines Priester und der Kirche über das Recht stellen zu dürfen bzw. eigenmächtig rechtliche Bewertungen vorzunehmen zu dürfen. Dieses eigenmächtige Handeln hat möglicherweise dazu geführt, dass weiterer Missbrauch getrieben werden konnte, Menschen ein schweres Leid zugefügt wurde und ein erheblicher Schaden, auch Vertrauensschaden in die katholische Kirche, die auch viel Gutes tut, enstehen konnte. Die Verantwortlichen sind ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Betroffenen und Schutzbefohlenen nicht nachgekommen. Sie sind aber auch, und das muss man auch sehen, ihrer Fürsorgepflicht gegenüber einem Menschen nicht nachgekommen, der in ihrem Dienst stand. Sofern ein Fall der Pädophilie vorliegt, muss man sehen, dass dies eine Krankheit ist, die sich keiner aussucht. Aber auch wenn kein Fall der Pädophilie vorliegt, hat das Bistum eine Verpflichtung und Verantwortung gegenüber dem Priester gehabt und hat sie noch heute. Genauso wie das Bistum gegenüber den Opfern in der Pflicht steht. Hätten die Verantwortlichen damals so gehandelt, wie man es als rechtstreuer Mensch erwarten darf, dann wäre möglicherweise viel Leid erspart geblieben und der Täter hätte eine Strafe im Rahmn der ordentlichen Gerichtsbarkeit erhalten können. Daher gilt es nicht nur gegenüber dem Priester Konsequenzen zu ziehen, sondern auch bei den Verantwortlichen, die damals eigenmächtig gehandelt haben und weder ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Kindern, den Opfern, noch gegenüber dem Priester genügten.

Gesetzesänderung zu Gunsten der Opfer steht aus

Der Missbrauchsskandal zeigt leider auch wieder, dass das Thema Kindesmissbrauch nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es bedarf. Es wäre ein leichtes für die Berufspolitiker bzw. Parteien, durch kleine Gesetzesänderungen entscheidende Weichen zu stellen, damit Opfer geschützt werden und zu ihrem Recht kommen, und Tätern ihre enstprechnde Strafe erhalten, aber eben auch Täter, die zum Beispiel an der Erkrankung „Pädophilie“ (F 65.4 ICD -10)  leiden,  entsprechende Hilfe bekommen können. Manche Politiker diskutieren lieber jovial in einer Talksendung über den Diesel, anstatt sich um unsere Zukunft, unsere Kinder, zu kümmern, und die Medien machen mit. Die Medien könnten diesem Thema eine viel größere Bedeutung zukommen lassen. Die Verantwortlichen, die handeln könnten, es aber nicht tun, vergehen sich an der Zukunft der Kinder,“ so Gallenkamp abschließend.“