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Einst Co-Trainer in Osnabrück: Wie Merlin Polzin den HSV zurück in die Bundesliga führte

Hamburg feiert die Rückkehr in das deutsche Fußball-Oberhaus – und auch in Osnabrück lässt sich mit Stolz auf diesen Triumph blicken. Denn der Aufstieg des Hamburger SV in die Bundesliga ist nicht nur eine Zäsur in der langen Leidensgeschichte des Traditionsvereins – er ist auch das Ergebnis der ruhigen, strategischen Arbeit eines Mannes, dessen Trainerkarriere einst an der Bremer Brücke entscheidend Fahrt aufnahm: Merlin Polzin.

Polzin zwischen Osnabrück und Hamburg

Polzin machte sich früh einen Namen als strukturierter Arbeiter im Hintergrund. Nach Stationen im Nachwuchsbereich des HSV und beim VfL Osnabrück wurde er bei den Lila-Weißen 2020 Co-Trainer an der Seite von Daniel Thioune – mit dem er den VfL nicht nur in die 2. Bundesliga führte, sondern dort auch zum Klassenerhalt. Als Thioune anschließend zum HSV wechselte, folgte Polzin – und blieb dort, als andere gingen.

Vom Interimscoach zur Dauerlösung

Seine Beförderung zum Cheftrainer im Dezember 2024 kam nicht als Paukenschlag, sondern als logische Konsequenz. Nach zwei Interimsphasen und insgesamt zwölf Punkten aus sechs Spielen hatte er bewiesen, dass er beim gefallenen einstigen Bundesliga-Dino mehr war als ein Lückenfüller. Sportvorstand Stefan Kuntz formulierte es damals nüchtern: „Er bringt Stabilität, Struktur und kennt das Innenleben der Mannschaft – genau das, was wir brauchen.“

Eine Saison mit Wendepunkt

Der HSV war in die Saison mit dem Ziel Aufstieg gestartet, doch der Weg dorthin war wie in den Jahren zuvor holprig. Nach der Entlassung von Steffen Baumgart übernahm Polzin zum 14. Spieltag – und veränderte nicht alles, aber das Entscheidende: Er stabilisierte die Defensive, die in der Hinrunde wackelig war. Er machte den Ballbesitzfußball vertikal, ließ schneller umschalten. Und er vertraute Schlüsselspielern, allen voran Davie Selke, der mit 22 Treffern Torschützenkönig wurde.

Unter Polzins Führung startete der HSV eine Serie von zehn ungeschlagenen Spielen. Ein 5:0-Erfolg gegen Fürth sowie das darauffolgende 1:0 gegen Aufstiegskonkurrent Köln galten als entscheidende Reifeprüfungen. Als die Konkurrenz schwächelte, blieb Hamburg – anders als in den Jahren zuvor – konstant. Die Krönung folgte am 33. Spieltag: Ein 6:1 gegen Ulm vor ausverkauftem Volksparkstadion besiegelte den Aufstieg.

Tausende feiern Polzins HSV

Rund eine Woche – und eine sportlich bedeutungslose Niederlage gegen Fürth – später wurde gefeiert: laut, leidenschaftlich und in für Hamburger Verhältnisse fast ungewohnter Einigkeit. Der Rathausmarkt platzte wie die gesamte Innenstadt aus allen Nähten. Bis zu 100.000 Fans und Schaulustige begleiteten die Mannschaft zur Ehrung im Rathaus, wo Bürgermeister Peter Tschentscher die Verdienste des gesamten Vereins würdigte. Merlin Polzin stand auf dem Balkon – leise, aber sichtbar bewegt.

Er sagte nichts Spektakuläres. Das musste er auch nicht. Seine Arbeit hatte gesprochen. Polzin hatte bewiesen, dass Erfolg beim HSV nicht laut, sondern langfristig, nicht hektisch, sondern geduldig entstehen kann.

Ein Trainer mit klarer Handschrift

Was Polzin auszeichnet, ist folglich nicht nur Taktik. Es ist die Fähigkeit, ein Team durch Vertrauen und Klarheit zu führen. Spieler wie Miro Muheim und Sebastian Schonlau lobten wiederholt die Kommunikation und Struktur unter ihm. Schon unter Thioune galt Polzin als „Erklärer“ im Team – einer, der taktische Inhalte verständlich aufbereitete. In Osnabrück war das schon zu erkennen, beim HSV wurde es zur Erfolgsgrundlage.

Wie geht es in der Bundesliga weiter?

Mit dem Aufstieg verlängerte sich Polzins Vertrag automatisch. Der Verein plant, das Team gezielt zu verstärken – insbesondere in der Abwehr und im zentralen Mittelfeld. Der Etat steigt auf 40 Millionen Euro, die Infrastruktur steht, die Euphorie ist zurück. Was fehlt, ist die Erfahrung im Oberhaus – und genau dort soll Polzins strategische Arbeitsweise helfen, einen Bundesliga-Alltag zu etablieren, der nicht vom nächsten Krisenfeuer dominiert wird.

Für den HSV endet mit dem Aufstieg ein Albtraum, der sieben Jahre dauerte. Für Merlin Polzin beginnt eine neue Etappe – eine, auf die er systematisch hingearbeitet hat. Kein Lautsprecher, kein Taktik-Guru – sondern ein Trainer, der aus der zweiten Reihe heraus gelernt hat, wie man erste Schritte richtig geht. Jetzt führt er den HSV in die Bundesliga und soll den Traditionsverein dort etablieren – so wie es ihm einst an der Seite von Daniel Thioune beim VfL in der 2. Bundesliga gelang.


 
Maurice Guss
Maurice Guss
Maurice Guss absolvierte im Herbst 2019 ein Praktikum bei der HASEPOST. Im Anschluss berichtete er zunächst als freier Mitarbeiter über spannende Themen in Osnabrück. Seit 2021 arbeitet er fest im Redaktionsteam und absolviert ein Fernstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement. Nicht nur weil er selbst mehrfach in der Woche auf dem Fußballfeld steht, berichtet er besonders gerne über den VfL Osnabrück.
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