Im Projekt „Seniorpartners in School“ engagieren sich Seniorinnen und Senioren ehrenamtlich an Grundschulen, auch hier in Osnabrück. Dort sind sie als Mediatorinnen und Mediatoren tätig und bieten den Schülerinnen und Schülern ein offenes Ohr und helfen bei Konfliktlösungen. Einer dieser Ehrenamtlichen ist Pensionär Wilhelm Brüggemann. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er von seinen Erfahrungen.
Ehrenamt statt Ruhestand
Wilhelm Brüggemann (70) ist bereits pensioniert. Zuvor war er Berufsschullehrer an den Berufsbildenden Schulen Bersenbrück und suchte nach seinem Renteneintritt nach einer neuen Herausforderung. Sein Ziel: sich ehrenamtlich engagieren. „Ich wollte etwas ehrenamtliches machen und das Projekt hat mich besonders angesprochen, vielleicht auch, weil ich mit der Schule vertraut bin. Das war positiv für mich und gleichzeitig war es auch etwas Neues, weil ich noch nie mit Kindern gearbeitet habe.“

Drei Jahre für den Schulfrieden: Vom Zeitungsartikel ins Ehrenamt
Von dem Projekt hat Brüggemann in der Zeitung gelesen und war sofort begeistert. „Wenn man im sozialen Bereich etwas bewirken will, gilt das Motto: Je eher desto besser.“ Mittlerweile ist er drei Jahre dabei und sorgt sich mit seinen Mitmediatorinnen und -mediatoren in der Diesterwegschule im Schinkel an drei Tagen in der Woche um ein gedeihliches Miteinander und ein gutes Schulklima.
Senioren helfen beim Streitschlichten
Doch was ist denn nun ein Seniorpartner in School? Unter den Seniorpartnern versteht man ältere Leute, die mit dem Anspruch der Streitschlichtung in Grundschulen gehen. Die Kinder können während der Pausen in den „Raum der guten Lösungen“ kommen. Dort versuchen die Mediatoren dann, gewaltfrei bestehende Konflikte zu schlichten oder einfach nur ein offenes Ohr zu bieten.
„Wir sind in der Vermittlerrolle, beziehen also keine Position und versuchen erst einmal, die Situation darstellen zu lassen. Dann versuchen wir, das Bedürfnis des Kindes herauszufinden und wollen, dass die Kinder im Idealfall selbst zur Lösung finden. Was ich besonders spannend finde: Man kann immer leicht von anderen erwarten, du musst dich so oder so verhalten, aber wir fragen dann auch, was kannst du selbst dazu beitragen. Und das, finde ich, ist ein ganz wichtiger Aspekt, der nicht nur vielen Kindern, sondern auch Erwachsenen schwerfällt.“
Ausgeschlossen und unverstanden? Diese Situationen treten häufig auf
„Ein klassisches Beispiel ist, dass irgendein Kind vom Spielen ausgegrenzt und deswegen gestritten wird. Das Kind möchte wieder in die Gruppe rein, aber die Gruppe lässt es nicht zu. Und dann kommen die zu uns und wollen das klären. Dann kann es zum Beispiel sein, dass die Gruppe sagt: Der oder die nervt. Und es kann natürlich sein, dass dieses Kind sich ausgegrenzt fühlt und einfach nur Aufmerksamkeit will. Also sagen wir, das Bedürfnis, das hinter dieser Nerverei steckt, ist Aufmerksamkeit. Und das kann man ja verstehen und auch positiv wenden.“

Gut geschult für den Schulfrieden – 96 Stunden für mehr Miteinander
Was qualifiziert einen Mediator denn zu so einer Arbeit? Alle Pensionärinnen und Pensionäre müssen im Vorfeld eine 96-stündige Mediatorenausbildung ablegen. In dieser lernen die Teilnehmenden Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation. Zudem müssen sie für jedes Schuljahr ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nachweisen.
Seniorpartner gefragt wie nie – doch es fehlen Helfer
Hier in Osnabrück gibt es mittlerweile sechs Schulen, an denen insgesamt 45 ehrenamtliche Seniorinnen und Senioren tätig sind: Die Grundschule Eversburg, die Stüveschule, die Heiligenwegschule, die Diesterwegschule, die Albert Schweitzer Schule und die Grundschule Atter. Doch die Nachfrage ist sehr viel größer. „Wir werden durchaus von Schulen angefragt, sind aber zurzeit nicht in der Lage, alle zu bedienen. Ein Grund mehr, dass es natürlich gern gesehen ist, wenn sich Leute ausbilden lassen.“
Wer ebenfalls Interesse hat, sich ehrenamtlich als Seniorpartner zu engagieren, kann sich auf der Website von „Seniorpartners in School“ informieren. Der nächste Ausbildungskurs startet im September.
„Das Schönste ist, die Kinder zu erleben.“
Für Wilhelm Brüggemann ist klar: Das Ehrenamt hat sich gelohnt. „Für mich ist das Schönste, einfach die Kinder zu erleben. Ich hatte bisher mit Jugendlichen zu tun. An der Diesterwegschule sind die Klassen eins bis vier vertreten. Es gibt viele Nationalitäten, aber es sind alles Kinder, die sich natürlich streiten und man kann die Kinder erreichen, weil sie offen sind.“