Aktuell 🎧Blue Jeans und Romantik: Das Osnabrücker Museumsquartier und die...

Blue Jeans und Romantik: Das Osnabrücker Museumsquartier und die Kunsthalle im Jahr 2022

-

Hier den Artikel vorlesen lassen:

Das Museumsquartier in Osnabrück.

Von der Blue Jeans bis zur Romantik: Das Osnabrücker Museumsquartier und die Kunsthalle wollen auch im kommenden Jahr Besucherinnen und Besucher mit spannenden Ausstellungen zum Nachdenken anregen. 

„Trotz aller Widrigkeiten ist es der Kunsthalle und dem Museumsquartier gelungen, für das kommende Jahr ein beeindruckendes Programm zusammenzustellen,“ sagt Osnabrücks Erster Stadtrat Wolfgang Beckermann bei der Vorstellung der Jahresprogramme. „Die Kultur fragt nach und legt den Finger in die Wunde, sie hilft uns, nach neuen Lösungen für gesellschaftliche Fragen zu forschen.“

Blue Jeans zwischen Freiheit und Ausbeutung

Mit „Blue Jeans: Kult. Kommerz. Kunst.“ widmet das Museumsquartier einem vermeintlich profanen Alltagsgegenstand eine ganze Ausstellung. Denn Blue Jeans ist mehr als bloß eine Klamotte: „Die Jeans ist von Mythen umgeben, sie steht für Lässigkeit und Unkonventionalität, für die 68er war sie ein Symbol der Revoluzzer,“ erklärt Museumsdirektor Nils-Arne Kässens. „Gleichzeitig wurde sie schnell und erfolgreich als Massenprodukt vermarktet. Freiheit und Lässigkeit stehen Müllbergen und Ausbeutung in den Produktionsländern entgegen.“ Das Museumsquartier will die heute allgegenwärtige Jeans nutzen, um an ihr die Kulturgeschichte des 20. Jahrhundert nachzuzeichnen. Mit Fotografien, Film und Musik, durch Jeans-Originale und Designstücke, anhand von Zeitungsartikeln, Zeitschriften und Kunstwerken will die Ausstellung die Vielschichtigkeit dieses kulturhistorischen Phänomens und die identitätsstiftende Rolle von Kleidung aufdecken. Sie wird vom 10. April bis zum 10. Juli 2022 zu sehen sein.

„Jeans“ von Ulrike Rosenbach / Foto: Ulrike Rosenbach

Elfriede Lohse-Wächtler und Felix Nussbaum

Der Maler Felix Nussbaum kommt in dem nach ihm benannten Museum natürlich nicht zu kurz: Vom 26. Juni bis zum 16. Oktober 2022 wird die Ausstellung „Elfriede Lohse-Wächtler und Felix Nussbaum – Von Angesicht zu Angesicht“ zu sehen sein. Elfriede Lohse-Wächtler wurde in ihrem Leben und Schaffen genau wie Felix Nussbaum von der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus geprägt. Beide wurden in den 1940er Jahren Opfer der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie. Die Ausstellung fragt nach Gemeinsamkeiten, zeigt aber auch, wie unterschiedlich Kulturschaffende auf extreme Bedingungen reagierten. Die behandelten Themen wie Ausgrenzung, Stigmatisierung, Not, Flucht, Verlust des Zuhauses, Exil, Unterdrückung und Gewalt sind keineswegs Geschichte. Sie umgeben uns nach wie vor, was die ausgestellten Porträts, Selbstbildnisse und Figurenbilder ins Bewusstsein rufen sollen.

Die Absinth-Trinkerin (Selbstbildnis), um 1931 / Foto: Elfriede Lohse-Wächtler

International renommierte zeitgenössische Künstlerin

Auch zeitgenössische Kunst findet im Museumsquartier ihren Platz. Noch bis zum 13. November 2022 sind Werke der im Libanon geborenen Künstlerin Mounira Al Solh zu sehen. Ihre Installationen, Zeichnungen, Videos, Malereien und textilen Arbeiten wurden schon auf der „documenta“ gezeigt und erkunden Themen wie Sprache, Migration, kulturelle Heterogenität, Exil oder Feminismus. „Es ist eine sehr persönliche Ausstellung über Gewalt, Ungerechtigkeit und Frauenfeindlichkeit,“ verspricht Museumsdirektor Nils-Arne Kässens.

Barrierefreiheit und Romantik in der Kunsthalle

Auch die Osnabrücker Kunsthalle hat sich für 2022 einiges vorgenommen: Noch bis zum 27. Februar werden im Rahmen der jetzigen Jahresausstellung „Barrierefreiheit“ die Werke der Künstlerinnen Candice Lin und Katrin Mayer gezeigt. Vom 25. Juni 2022 bis zum 19. Februar 2023 steht mit dem neuen Jahresprogramm die Epoche der Romantik im Zentrum der Kunsthalle. Hierfür werden Werke der Künstlerinnen Anna Haifisch, Rosie Hasting/Hannah Quinlan, Gabriella Hirst, Irène Mélix, Henrike Naumann, Cemile Sahin und dem „Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst“ gezeigt. Die neue Ausstellung wird mit 135.000 Euro von der „Kulturstiftung des Bundes“ gefördert.

The Artist – Ode an die Feder, 2021 (Reprodukt Berlin), Tusche auf Papier, digital koloriert / Foto: Anna Haifisch

Romantik als Zerrspiegel der Gegenwart

Kaum eine Epoche der Kunst und Literatur hat Deutschland so stark geprägt, wie die Romantik. Gerade in der Pandemie stellen sich erneut Fragen zu unserer Sehnsucht nach Liebe, Identität und Zugehörigkeit. Die Kunsthalle nimmt daher die historische Romantik als Zerrspiegel zur gegenwärtigen Verfasstheit der Gesellschaft zur Hand. Im Kontext der mittelalterlichen Architektur der Kunsthalle soll zusammen mit den eingeladenen Künstlerinnen, Kooperationspartnern und dem Publikum analysiert werden, ob das aktuelle Gefühl einer globalen Zerrissenheit mit einem Comeback der Bild- und Sprachwelten der Romantik einhergeht. Die gezeigten Kunstwerke reichen von Comic-Zeichnungen bis zu Filminstallationen.

Lukas Brockfeld
Lukas Brockfeld
Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

aktuell in Osnabrück

VVO Grünkohlstammtisch 2023: „Wir freuen uns über alle neuen Gesichter“

Seit 1954 ist der Grünkohlstammtisch des Verkehrsvereins Osnabrück (VVO) eine der wichtigsten Netzwerkveranstaltungen der Region – 69 Jahre nach...

Zoo Osnabrück zählt erneut seine Tiere: Über 2.600 Tiere leben am Schölerberg

Auch zum Ende des vergangenen Jahres zählte der Osnabrücker Zoo wieder seinen Tierbestand. Hierbei werden sowohl die Arten, als...

 

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch ...Lesenswert!
Empfohlen von der Redaktion

Hasepost Zeitung für Osnabrück

Kostenfrei
Ansehen