Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, Stadtbaurat Frank Otte, Kämmerer Thomas Fillep und Kultur- und Sozialvorstand Wolfgang Beckermann: Der Vorstand der Stadt Osnabrück ist ein Männerclub, doch das soll sich womöglich bald ändern. 

Ändern soll sich allerdings auch die Zahl der Vorstände und die Zuständigkeiten, wie unsere Redaktion auf den Fluren des Rathauses vorab erfuhr. Eine offizielle Bekanntgabe der Pläne ist erst für Mittwochmittag geplant.

Neben der neuen Planstelle, die voraussichtlich in der Besoldungsgruppe „B6“ angesiedelt sein wird und so dem oder der Glücklichen ein Monatsgrundgehalt von rund 10.000 Euro (ohne Zuschläge) beschert, ist noch nicht offiziell wie der Verantwortungsbereich zugeschnitten sein wird.

Frank Otte soll Aufgaben abgeben

Nach den unserer Redaktion vorliegenden Informationen, soll der umstrittene Stadtbaurat Frank Otte Federn lassen – jedoch im Amt bleiben. Spekuliert wird, dass zusammen mit der Einrichtung des neuen Vorstandspostens unter anderem auch die Verantwortung für Verkehrssteuerung und das Baustellenmanagement neu geregelt wird.

Auch die neue Personalie selbst ist bereits Gegenstand zahlreicher Spekulationen, die der Oberbürgermeister womöglich bereits bei dem für Mittwochmittag geplanten Pressetermin bestätigen wird. Es heißt, der neue Vorstandsposten geht an eine weibliche Kandidatin. Nach dem Weggang von Rita Maria Rzyski im Jahr 2015, waren die vier Vorstandsposten (inklusive OB) rein männlich besetzt.

FDP verärgert über Informationspolitik und Kosten

Die Freien Demokraten im Osnabrücker Stadtrat kritisieren die Vorgehensweise des Oberbürgermeisters in einer ersten an unsere Redaktion gesendeten Stellungnahme.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Thomas Thiele erklärt: „Seit Amtsbeginn hat Oberbürgermeister Griesert in seinem direkten Umfeld eine Vielzahl neuer Planstellen geschaffen. Jetzt plant er die Position eines weiteren Vorstands einzurichten. Allein durch diese Position entstehen Personalkosten im sechsstelligen Bereich. Seine Vorgehensweise dabei ist intransparent und unangemessen. Eine solch weitreichende Veränderung bedarf einer Beratung mit allen im Rat vertretenen Parteien. Der OB hat bereits Vorgespräche mit den Fraktionsspitzen von CDU, SPD und Grünen gesucht.“

Die Liberalen beklagen auch, dass sie und die anderen kleineren Fraktionen nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden wurden und lediglich in einem halbstündigen Informationsgespräch informiert wurden. Vor diesem Hintergrund will die FDP-Fraktion, die sich dadurch missachtet fühlt, den Plänen des OB nicht zustimmen.
Die FDP-Ratsfraktion beklagt zudem, dass der Oberbürgermeister mit seinen Umstrukturierungsplänen in der Verwaltungsspitze einem Ratsauftrag vorgreift, der vorsieht ein gemeinsames Baustellenmanagement von OSB (Osnabrücker ServiceBetrieb), Stadtwerke und Stadtverwaltung durch externe Fachleute prüfen zu lassen.

Wolfsburg, Oldenburg und Braunschweig alle mit mehr Vorstandsposten

Dass Osnabrück seine Verwaltungsspitze nun – neben dem gewählten OB – auf vier Vorstandsposten ausdehnt, ist nicht ungewöhnlich. Das gemessen an der Bevölkerung knapp kleinere Oldenburg gönnt sich neben dem Oberbürgermeister seit längerem vier Dezernatsleiter. Das kleine (125.000 Einwohner) Wolfsburg hat sogar fünf Vorstandsposten, das größere Braunschweig (rund 250.000 Einwohner) bringt es auf sechs Spitzenposten in der Verwaltung – immer jeweils plus Oberbürgermeister.

 

Titelgrafik unter Verwendung eines Pressebilds der Stadt Osnabrück, Foto: Dr. Frank Jürgensen