Deutscher Hallen-Meister, Europameisterschaftsbronze, Silber und Bronze bei den Deutschen Freiluft-Meisterschaften – Erfolge, die für drei Jahre reichen würden. Florian Kroll hat 2025 Leichtathletikgeschichte geschrieben. Und ist noch lange nicht am Ende. Am Dienstag traf sich die deutsche Langsprintelite im Göttinger Jahnstadion zu einem letzten Test vor der Weltmeisterschaft – und der Osnabrücker Nachwuchsathlet hatte die Nase vorn. Sogar mit neuer persönlicher Bestzeit: 46,13 Sekunden.
Comeback nach schwerer Verletzung
Anfang April kehrte Florian Kroll mit einer schweren Muskelverletzung aus dem Trainingslager der Nationalmannschaft in Spanien zurück. Anfang Juli stand dadurch der Start bei den Deutschen U23-Meisterschaften in Ulm bis zum letzten Moment auf der Kippe. Florian trat an – und zündete ein siebenwöchiges Feuerwerk. Neun Starts – sechsmal Saisonbestleistung. Drei Medaillen, darunter erstmals eine auf internationalem Parkett. Und der erste Einzelstart auf internationaler Ebene – gekrönt vom Finaleinzug und Platz sieben bei den U23-Europameisterschaften.
Letzter Test vor Tokio
Ins Göttinger Jahnstadion hatte der Bundestrainer eingeladen. Ein letzter Leistungstest für die Staffelkandidaten zur Weltmeisterschaft in Tokio in drei Wochen. Mit einem gesunden Spannungsbogen – einige Nichtnominierte und dementsprechend Enttäuschte erhielten die Chance, sich im Direktvergleich zu beweisen.
„Florian wollte unterstreichen, dass er zu Recht zu WM fährt und dort ein ernsthafter Kandidat für den Einsatz ist“, verdeutlicht Heimtrainer Anton Siemer die Zielstellung. „Bei 250 m war ich mir meines Sieges sicher. Wenn die Gegner dort in Schlagdistanz liegen, kann ich meine starke Zielgrade ausspielen“, schildert Florian.
Spektakuläre Aufholjagd
Das Selbstbewusstsein ist begründet. Im Halbfinale der Europameisterschaften lag Florian bei 300 m aussichtslos auf dem achten und letzten Platz, bei 350 m auf Rang sieben – und stürmte auf den letzten 50 m in unnachahmlicher Weise an drei weiteren Konkurrenten vorbei und völlig überraschend als erster Deutscher seit zehn Jahren ins Finale.
In Göttingen lag Florian bereits bei 300 m vorn, kämpfte auf einer spannenden Zielgerade Brust an Brust mit dem vielfachen deutschen Meister Manuel Sanders (TV Wattenscheid) – und siegte. Im Ziel der Seitenblick auf die Uhr – geballte Fäuste, hochgereckte Arme, ein Siegesschrei. 46,13 Sekunden – persönliche Bestzeit. Erster Sieg gegen den hochaufgeschossenen Westfalen, der seit gut acht Jahren fest zum Stamm der Nationalmannschaft gehört.
Osnabrück glänzt doppelt
Wie übrigens auch der zweite Osnabrücker, Fabian Dammermann. Einmal Olympische Spiele, eine Weltmeisterschaft, zwei Europameisterschaften – der erfolgreichste Osnabrücker Leichtathlet stürmt in Göttingen zu Rang vier und zur Saisonbestzeit von 46,72 Sekunden. „Schade, Die ersten fünfzig Meter waren gut, die zweite Streckenhälfte stark. Aber nach meiner Verletzung fehlt einfach noch ein Stück“, hadert der angehende Lehramtsreferendar mit der achtwöchigen Zwangspause vor den Deutschen Meisterschaften. „Ansonsten hätten wir wahrscheinlich zwei Osnabrückern die Daumen für Tokio drücken dürfen“, wird im Gespräch mit Trainer Anton Siemer noch einmal das unfassbare und inzwischen bundesweite bestaunte hohe Leistungsniveau des Teams aus dem Sportpark Gretesch deutlich.

