Am 6. April steht Osnabrück erneut eine große Evakuierungsmaßnahme bevor: Im Lokviertel sollen vier Bombenblindgänger unschädlich gemacht werden. Tausende Menschen müssen für diesen Tag wieder mal ihre Wohnungen und Häuser verlassen – doch warum eigentlich? Und könnte die Evakuierungszone nicht kleiner sein? Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.
Warum ein Evakuierungsradius von 1.000 Metern?
Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, ob der Evakuierungsbereich von einem Kilometer nicht übertrieben groß ist. Doch leider ist er notwendig. Sollte eine Bombe explodieren, könnten gefährliche Splitter bis zu einem Kilometer oder sogar darüber hinausfliegen.
In Osnabrück hat sich gezeigt, dass selbst 1.000 Meter nicht immer ausreichen: Bei einer Sprengung vor einigen Jahren flog ein Splitter sogar 1.350 Meter weit und durchschlug das Dach eines Hauses. Wäre jemand getroffen worden, hätte das tödlich enden können. Diese Gefahr macht deutlich: Die Sicherheitsmaßnahmen sind nicht willkürlich, sondern basieren auf realen Erfahrungen.
Warum kann ich nicht selbst entscheiden, ob ich bleibe?
Die Gefahr eines Blindgängers ist für Laien nicht einzuschätzen. Kampfmittelexperten können Bomben oft entschärfen, doch es besteht immer ein Restrisiko. Falls es zu einer unkontrollierten Explosion kommt, sind die Folgen nicht vorhersehbar.
Selbst bei einer vermeintlich routinemäßigen Entschärfung kann etwas schiefgehen. Die Stadt Osnabrück ist daher verpflichtet, ihre Bürgerinnen und Bürger zu schützen – notfalls mit einer verpflichtenden Evakuierung.
Warum werden nur maximal vier Blindgänger an einem Tag entschärft?
Die Entschärfung einer einzelnen Bombe dauert bis zu vier Stunden. Mehr als vier Blindgänger an einem Tag zu entschärfen, wäre daher unrealistisch und riskant. Eine Maßnahme könnte sich sonst bis in die Nacht oder sogar darüber hinaus ziehen – mit gravierenden Folgen für die Einsatzkräfte und die Betroffenen.
Der logistische Aufwand ist enorm: Neben den Sprengmeistern sind viele weitere Fachkräfte, Helferinnen und Helfer im Einsatz. Eine längere Evakuierung würde ihre Belastung zusätzlich erhöhen. Deshalb wird eine realistische Grenze gesetzt.

Was wird im Vorfeld getan, um die Entschärfung zu beschleunigen?
Tatsächlich beginnt die Arbeit lange vor dem eigentlichen Evakuierungstag. Das Gebiet wird gründlich sondiert und Verdachtspunkte werden identifiziert. Dabei zeigt sich, ob es sich möglicherweise um Blindgänger handelt.
Allerdings gilt: Der letzte Meter gehört dem Sprengmeister. Erst am Tag der Evakuierung wird der Fund freigelegt und endgültig festgestellt, ob es sich um eine Bombe handelt. Erst dann lässt sich auch sagen, in welchem Zustand der Zünder ist – und ob eine Entschärfung oder Sprengung notwendig ist.
Wie oft müssen sich Anwohnende noch auf Evakuierungen einstellen?
Diese Frage kann derzeit nicht abschließend beantwortet werden. Etwa die Hälfte des Lokviertels wurde bereits untersucht, und es stehen noch weitere Verdachtspunkte aus. Vier davon werden am 6. April überprüft. Wie viele weitere Evakuierungen nötig sind, hängt davon ab, was auf den noch nicht untersuchten Flächen gefunden wird – und selbst auf den bereits untersuchten Gebieten kann es immer wieder zu Sofortmaßnahmen kommen, sollte bei Bauarbeiten spontan ein Blindgänger gefunden werden wie es zuletzt am 14. Februar der Fall war. Als weitere optionale Termine hat die Stadt Osnabrück bereits den 27. April und den 25. Mai genannt. Ob es an diesen Tagen tatsächlich wieder Bombenräumungen gibt, wird die Stadt noch bekannt geben. Eine interaktive Karte des Evakuierungsgebiets gibt es hier.
Warum gibt es gerade im Lokviertel so viele Blindgänger?
Die hohe Anzahl an Bombenfunden hängt mit der Nähe zum Osnabrücker Hauptbahnhof zusammen. Während des Zweiten Weltkriegs war der Bahnhof ein wichtiges strategisches Ziel, das massiv bombardiert wurde. Wo viele Bomben abgeworfen wurden, blieben auch viele Blindgänger im Boden zurück. Diese müssen heute nach und nach entschärft werden, um die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten.