Am Veilchendienstag (4. März) wurde der von den Jecken im Rathaussturm am Ossensamstag (1. März) an sich gerissene Stadtschlüssel zeremoniell wieder an die Stadt Osnabrück und Oberbürgermeisterin Katharina Pötter zurückgegeben. Bei der Versammlung der Karnevalisten im historischen Rathaus der Stadt Osnabrück stand vor allem das Stadtprinzenpaar im Vordergrund. Die Rückgabe markiert das Ende der Karnevalszeit, bevor sie am folgenden Aschermittwoch endgültig vorbei ist.
Herrschaft der Jecken geht wieder zu Ende
Nicht ganz pünktlich um 11:11 Uhr, wie sonst üblich, ging es am Dienstag los. Schuld war eine Verspätung der Deutschen Bahn: Katharina Pötter war über das Wochenende in den Urlaub geschickt worden, während die Jecken die Stadt beherrschten. Doch nun sollte wieder Ordnung in die Stadt einkehren. Die Karnevalsanhänger des Bürgerausschusses Osnabrücker Karneval (BOK) versammelten sich im Foyer des Rathauses, um der Oberbürgermeisterin feierlich den Stadtschlüssel zurückzubringen.
Ehrungen auf der Rathaustreppe
Zunächst wurden Orden verliehen, es gab jeweils einen für das Stadtprinzenpaar Susi I. und Guido I. (bürgerlich Susi und Guido Neuenfeldt) sowie den Orden der Kinderprinzen, die bei der Veranstaltung leider nicht anwesend sein konnten, für Katharina Pötter. Doch bevor der Schlüssel übergeben wurde, galt es noch einige Worte an die Menge zu richten.
Karneval und Osnabrück passt zusammen
„Karneval und Osnabrück, das gehört doch zusammen, auch wenn viele das nicht geglaubt haben. Aber dieses Jahr hat wieder gezeigt, dass das gut zusammenpasst und Osnabrücker verbindet. Es verbindet Stadt und Land.“ Mit diesen Worten wendet sich Katharina Pötter an die versammelten Karnevalisten. Sie lobt die freudige und reibungslos abgelaufene Karnevalszeit in Osnabrück, verweist aber am Ende noch einmal, wenn auch eher scherzhaft, auf die zahlreichen kommunalpolitischen Herausforderungen wie den maroden Haushalt und die zu sanierende Bremer Brücke, die es, jetzt wo die Herrschaft symbolisch wieder im Rathaus angekommen ist, noch zu bewältigen gelte.

Stadt und Land vereinen
Stadtprinzessin Susi I. bedankt sich in ihrer Rede beim Team vom BOK und alle anderen Jecken, die tatkräftig mitgeholfen und mitgefeiert haben, aber auch bei der Stadt Osnabrück und den bei Weiberfastnacht und Ossensamstag beteiligten Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk, die Sanitätsdienste und alle öffentlichen Einrichtungen. Auch die Presse, die mit ihrer Berichterstattung die Karnevalsveranstaltungen begleitet hatte, habe eine großartige Arbeit geleistet. Auch Guido I. meldet sich zu Wort. „Uns war klar, dass wir Landeier sind, aber wir kennen auch die Stadt. Dass wir den gesamten Landkreis vertreten und repräsentieren wollen, das war unsere Überlegung. Dann ist daraus irgendwann ein Motto entstanden: ‚Niemals ohne Alaaf und Helau – Hand in Hand für Stadt und Land‘. Unser Ziel war Stadt und Land Osnabrück zu vereinen“, erläutert der Prinz die Motivation des Paares.
Rückgabe des Schlüssels
„Auf unsere Oberbürgermeisterin ein dreifaches Osna (Zuruf der Menge: ‚Helau‘)! Katharina Pötter (Zuruf der Menge: ‚Helau‘)! Stadtprinzenpaar (Zuruf der Menge: ‚Helau‘)! Danke (Zuruf der Menge: ‚Bitte‘)!“ Mit diesen von der anwesenden Jeckenschaft beantworteten Lobpreisungen beendete Karl-Heinz Budke, Präsident des BOK, die Zeremonie auf der Rathaustreppe. Es folgte die traditionelle Unterbringung des Stadtschlüssels durch die Stadtprinzen zusammen mit Katharina Pötter und Karl-Heinz Budke im Ordensschrank der Kleinen Ratskammer.

Soziales Engagement diesmal für Behindertenhunde
Wie jedes Stadtprinzenpaar wählten auch die Neuenfeldts wieder ein soziales Projekt aus, das sie in während ihrer „Herrschaft“ unterstützen wollten. Der Verein Hunde für Handicaps e. V. aus Berlin bildet Hunde aus, die Menschen mit allen möglichen Behinderungen und Leiden im Alltag unterstützen sollen. Ähnlich wie die bekannteren Blindenhunde unterstützen sie Menschen bei Tätigkeiten, die sie aufgrund ihrer Einschränkungen nur schwer ausführen können, zum Beispiel beim Anziehen oder Betätigen eines Lichtschalters. Es gibt sogar Hunde, die etwa Epileptikern helfen können, indem sie frühzeitig Anzeichen eines Anfalls spüren. Da jedoch die Ausbildung dieser hilfsbereiten Vierbeiner sehr teuer ist (25.000 bis 30.000 Euro), müssen Gelder aufgetrieben werden. Dabei hilft das Stadtprinzenpaar, indem sie etwa die Erlöse der beim Karneval verkauften Stadtorden gespendet haben, im Internet zu Spenden aufrufen und mit Unternehmen in Kontakt treten. Es gab schon letztens eine großzügige Spende im Umfang mehrerer Tausend Euro, für die sich Susi sehr dankbar zeigt. „Was uns neben dem Geld aber besonders wichtig ist, ist das Steigern der Bekanntheit von Assistenzhunden. Viele Leute wissen gar nicht, dass es die gibt – wir vorher ja auch nicht“, erklärt Stadtprinz Guido. Er selbst sei zuerst über die Crowdfundingkampagne für einen Assistenzhund einer körperlich eingeschränkten Bekannten auf das Thema aufmerksam geworden und habe es dann seiner Frau nahegebracht. Das Paar will das Engagement für die Förderung von Assistenzhunden auch nach dem Ausscheiden aus ihrer prinzlichen Verantwortung fortführen.
Einsatz für das Krankenhaus in Osterkappeln
Das Stadtprinzenpaar hat sich aber auch viel in der Regionalpolitik engagiert. Besonders am Herzen lag dem Ehepaar Neuenfeldt das Krankenhaus St. Raphael in Ostercappeln, dem eine Schließung droht. „Das Krankenhaus gehört ja zu Niels-Stensen. Die Klinik soll im Grunde geschlossen werden, weil die sich verzockt haben. Ostercappeln ist dann ein Bauernopfer“, kritisiert Guido die Situation. Er und seine Frau Susi haben sich schon viel darum bemüht, Kommunalpolitiker anzuspornen, eine gute Nachfolgeregelung zu finden und ihnen Ideen mitzugeben. Die Stadtprinzen verweisen auf das große Netzwerk, das hinter ihnen stehe und das durch das Engagement im Karneval noch gewachsen sei. Dieses wollen sie nutzen, um über Bürgerinitiativen, Posts in sozialen Medien und auf Veranstaltungen dafür zu werben, die Gesundheitsversorgung in Osterkappeln zu retten.
Das Stadtprinzenpaar als Amtsträger
„Wir hatten beide schon viel Karnevalserfahrung“, meint Susi auf die Frage, warum sie vom BOK zum Stadtprinzenpaar gekürt worden sind. Sie verweist darauf, dass ihr Mann Guido schon 2018/2019 Karnevalsprinz in Ostercappeln war. „Wir hatten anfangs überlegt, ob wir das wirklich hinkriegen, weil wir beide mehr als 8 Stunden am Tag arbeiten. Als wir uns dann dazu entschieden hatten, nahmen wir uns vor: ‚Wenn schon, dann richtig!‘ Aber wir sind glücklich, dass wir das gemacht haben“, erklärt die Stadtprinzessin die Vorüberlegungen des Ehepaars. Als Stadtprinzen wollten sie das Amt, das sie damit bekleiden, auch richtig verkörpern. Guido verweist auf die historische Bedeutung der Fastnachtszeit: „Schon immer hat zum Karneval die Bevölkerung der Obrigkeit den Spiegel vorgehalten. Hier geht es nicht nur um die Brauchtumspflege, sondern auch um eine politische Dimension. Karneval hat viele Facetten!“ Seine Frau bestätigt, dass sie ihre Amtszeit als erfolgreich einstufen würden: „Es gab viel positives Feedback.“
