„Bei den Bürgern der Stadt hat die Nachricht über die Sanierungskosten wie eine Bombe eingeschlagen“, mahnte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Dr. Fritz Brickwedde am Dienstagabend während einer Ausschusssitzung im Rathaus.

Runde 80 Millionen Euro, so die bisherige Kostenschätzung der Stadtverwaltung, wird die Sanierung des in weiten Teilen denkmalgeschützten Theaters und über die vergangenen Jahre bereits laufend umgebauten Theaters am Domhof kosten. Am Dienstag stand für den Immobilienausschuss eine grundsätzliche Entscheidung auf der Agenda, mit der die Parteienvertreter die Verwaltung beauftragt hätten, die Suche nach Geldmitteln einzuleiten und die vorbereitenden Maßnahmen für die Sanierung einzuleiten.

„Mindestens 2/3 des Kostenvolumens“, so der von der vom Fachbereich Kultur vorgelegte Antragstext, sollen „bei europäischen, Bundes- und Landesinstitutionen in der Region sowie privaten Spendern“ eingeworben werden. Doch der Auftrag an die Verwaltung wurde auf Wunsch der FDP vorerst vertagt.

Bereits jetzt teurer als erster Kostenansatz für Elbphilharmonie

Bei vermuteten Kosten von 80 Millionen Euro bereits zu Beginn der Planungen – eine Summe die sogar den ursprünglichen Kostenansatz für den Neubau der Hamburger Elbphilarmonie (77 Millionen) deutlich übersteigt – bekamen zumindest die Osnabrücker Liberalen kalte Füße und meldeten Beratungsbedarf an.

Für die CDU brachte Dr. Brickwedde den Vorschlag ein, dass sich Osnabrück mit anderen niedersächsischen Gemeinden, wie Celle, Lüneburg oder Göttingen zusammentun solle, um gemeinsam auf die Landesregierung einzuwirken, für die kommunalen Theater einen Haushaltsposten einzurichten.
An die Verwaltung gerichtet forderte Brickwedde „wir brauchen verlässliche Angaben zu den Kosten“. Wie eine Finanzierung am Ende aussehen könnte, zeige das Beispiel Mannheim, wo ebenfalls ein kommunales Theater saniert werde und man sogar von 240 Millionen Euro ausgehe, für die der Bund mit 80 Millionen einstehen würde und auch vom Land Baden-Württemberg eine gleich hohe Summe erwartet werde.

Landesregierung bevorzugt Staatstheater

Von Seiten der Verwaltung bremste Kultur-Stadtrat Wolfgang Beckermann die Hoffnung, dass die Landesregierung tatsächlich einen Sonderposten für die kommunalen Theater in ihren Haushalt aufnehmen würde, man sei aber bereits im Gespräch mit Hannover, wo jedoch die Staatstheater bevorzugt werden.
Das Beispiel Mannheim, das man in der Verwaltung kennt und genau beobachte, hätte nach andere Hintergründe und sei womöglich daher nicht auf Osnabrück zu übertragen, so Beckermann.

BOB schlägt Verlegung des Theaters an den Stadtrand vor

Es sei „Konsens, dass wir zu unserem Theater stehen“, betonte Anette Harding für die SPD-Ratsfraktion, aber die 80 Millionen können wir in Osnabrück „nicht alleine wuppen“.

Für den Bund Osnabrücker Bürger (BOB) brachte Ausschussmitglied Dr. Ralph Lübbe eine, nach eigenen Angaben, „rebellische Idee“ zumindest in das Protokoll mit ein, denn diskutieren wollten die anderen Ausschussmitglieder nicht weiter.
„Warum muss das Stadttheater denn eigentlich im Zentrum der Stadt sein?“
Der BOB-Fraktionsvorsitzende nannte auch gleich einen alternativen Standort: „Wenn wir das Theater zum Beispiel an den Schölerberg verlegen, dann würde es dem Landkreis deutlich leichter fallen sich an den Kosten zu beteiligen“ [Anmerkung der Redaktion: Dr. Lübbe deutete eine Nähe zum Verwaltungssitz des Landkreises Osnabrück an].