Aus gegebenem Anlass, dem Tod von Helmut Kohl, dem „Kanzler der Einheit“, haben wir wieder einen Zeitreisenden für die HASEPOST losgeschickt.

Heute reiste Christoph Bertels mit einem Schwarzweißfilm in der Kamera für uns zurück in das Jahr 1994, als die Stadthalle auch offiziell noch Stadthalle genannt wurde. Das genaue Datum ist der 6. Februar 1994, ein Sonntag.

Ein noch recht junger Christian Wulff, erst 35(!) Jahre alt, ohne jede Erfahrung in der Landespolitik, mit erstaunlich dunklen Haaren und einer irgendwie aus den 80er Jahren herübergeretteten Brille, will nicht nur erstmals in den Landtag gewählt werden, sondern auch gleich Ministerpräsident werden.
Protegiert wird der Junge aus Osnabrück seinerzeit vom ewigen Kanzler Dr. Helmut Kohl, ohne den eine solche Karriere niemals möglich gewesen wäre. Viele Jahre später wird der Altkanzler Wulff dann als „eine Null“ und als „großen Verräter“ bezeichnen.
Kohls „Mädchen“, Angela Merkel, fehlt auf diesem Bild und bei dieser Wahlkampfveranstaltung, weil sie – ebenfalls protegiert vom Dicken aus Oggersheim – in Berlin als Frauenministerin den FDJ-Stallgeruch abschütteln musste, bevor sie 11 Jahre später in die Fußstapfen ihres Mentors treten kann.
Anders als bei Christian Wulff wird diese Karriere langlebiger sein, aber auch Merkel bekommt im Alter von Kohl ihr Fett weg. Angeblich konnte die Ostdeutsche „nicht richtig mit dem Messer essen“ und sie habe auch sonst als Kanzlerin „keine Ahnung“, diktierte Kohl angeblich dem WDR-Journalisten Heribert Schwan in den Block, der statt einer autorisierten Biographie lieber selbst ein Buch daraus machte, was zu allerlei Streit mit dem gealterten Politiker führte, wobei kurz vor Kohls Tod die Gerichte gegen den vertragsbrüchigen Rotfunker entschieden.

Die 1994er CDU-Spitzentruppe für Niedersachsen

Aber zurück in die Osnabrücker Stadthalle, wo ganz rechts der junge Christian Wulff zusammen mit der damaligen Spitzentruppe der Niedersachsen-CDU dem Kanzler der Einheit lauscht.
Direkt neben Wulff die ehemalige Gesundheitsministerin Rita „wo sind die Kondome“ Süssmuth und daneben der gebürtige Osnabrücker Rudolf Seiters, der von 1991 bis 1993 als Bundesinnenminister das Amt inne hatte, das ein anderer Osnabrücker in diesen Tagen so gerne übernehmen würde.

Mit dem Wünschen war das auch 1994 so eine Sache. Der Versuch von Christian Wulff Ministerpräsident zu werden scheiterte nur gut einen Monat später brutalstmöglich an einem fest im Amt sitzenden Gerhard Schröder. Doch Wulff gab nicht auf – und scheiterte erneut 1998 gegen seinen Widersacher.
Erst 2003 schaffte es Wulff zum Landesvater gewählt zu werden, nachdem die beiden Kurzzeit-Amtsinhaber Gerhard Glogowski und Sigmar Gabriel jede Rest-Sympathie für die Sozialdemokratie in Niedersachsen verspielt hatten (SPD -14,5%).
Wulffs seinerzeitiger Langzeitgegner Gerhard Schröder sollte übrigens 1998 Helmut Kohl aus dem Kanzleramt vertreiben, während er es in der vorherigen Bundestagswahl 1994 nochmals und zum fünften Mal, allerdings bereits mit erheblichen Verlusten mit einer CDU/FDP-Koalition schaffte. Aber das ahnte an diesem Sonntag im Februar noch niemand in der Stadthalle. Und wer damals vorausgesagt hätte, dass ausgerechnet der 35jährige Christian Wulff einmal Bundespräsident werden würde, der wäre wohl ausgelacht worden.

Burkhard Jasper über Helmut Kohl

Ein Weggefährte von Christian Wulff, der als Politiker mehrmals die Gelegenheit hatte mit Helmut Kohl zusammenzutreffen, wird wohl auch im Februar 1994 in der Stadthalle gewesen sein.
Der Landes- und Lokalpolitiker Burkhard Jasper schrieb am Abend des 16. Juni 2017 unserer Redaktion: „Helmut Kohl hat die europäische Einigung vorangetrieben, deshalb und wegen der Durchsetzung der Nachrüstung die Einheit Deutschlands ermöglicht und dann gestaltet, so dass der innere und äußere Frieden gesichert wurde. Als er Osnabrück besuchte, war er vom Blick auf die Marienkirche und das Rathaus begeistert. Gern und oft habe ich ihn als CDU-Kreisvorsitzender in unserer Friedensstadt begrüßt.“

Hier die anderen bislang erschienenen Folgen unserer Osnabrücker Zeitreise.

Unser Artikel zum Tod von Altkanzler Helmut Schmidt 2005.

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Foto: Christoph Bertels