Haben Sie schon mal von den PCE-Zahlen gehört? Nein? Dann wird es höchste Zeit, dass Sie das nachholen. Denn diese Abkürzung, die in US-Finanznachrichten immer wieder auftaucht, ist extrem wichtig für europäische Investoren.
PCE? Was ist denn das?
PCE steht für Personal Consumption Expenditures – oder auf gut Deutsch: der Index der privaten Konsumausgaben in den USA. Klingt erstmal super trocken, oder? Aber es wird noch spannend.
Im Kern geht‘s bei den PCE Zahlen um die Entwicklung der Preise für die ganzen Sachen, die die Amis so konsumieren: von den Lebensmitteln über die Miete bis hin zu den Netflix-Abos.
Die PCE-Zahlen sind also wie ein Spiegel, der Ihnen zeigt, wie die Preise in der US-Wirtschaft insgesamt steigen – oder sinken. Und das ist für die Fed (die US-Notenbank) besonders wichtig, weil sie genau diese Zahlen nutzt, um zu entscheiden, was mit den Zinsen passiert.
Der PCE ist also für die USA, was der Verbraucherpreisindex für Deutschland ist. Er ist ein Indikator für die Verbraucherstimmung und die Inflation – und deshalb von extremer wirtschaftlicher Bedeutung.
Warum sind PCE Zahlen so wichtig?
Die PCE Zahlen sind der Hauptindikator für die Inflation. Wenn die Preise steigen, haben wir es mit einer Inflation zu tun – und das hat eine direkte Auswirkung auf die Wirtschaft. Die Fed schielt ständig auf diese Zahlen, weil sie entscheidet, wie sie die Zinsen anpasst, um die Inflation zu kontrollieren.
Hohe PCE Zahlen? Dann zieht die Fed die Zinsen an, um der Inflation den Garaus zu machen. Niedrige oder stabile Zahlen? Dann könnte die Fed die Zinsen niedrig halten und die Wirtschaft ordentlich anheizen.
Genau so macht es die EZB auch. Sie schaut sich die verschiedenen Verbraucherpreisindizes in den Euro-Staaten an, ermittelt die Inflation und trifft dann ihre Zinsentscheidungen.
Was gehen uns Europäer PCE Zahlen an?
Sie fragen sich jetzt vielleicht: „Warum sollte ich als Europäer überhaupt einen Blick auf die PCE-Zahlen aus den USA werfen?“ Auch wenn Sie Ihren Big Mac in Osnabrück kaufen und nicht in New York, könnten diese Zahlen für Sie ein echt wichtiges Thema sein – besonders, wenn Sie an der Börse aktiv sind.
Die Fed macht ihre Geldpolitik zwar für die USA, aber die schlägt Wellen bis nach Europa. Stellen Sie sich vor: Die Fed dreht an der Zinsschraube, dann wird der US-Dollar stärker, weil er mit höheren Zinsen für Investoren plötzlich richtig attraktiv wird. Und was passiert dann? Der Dollar zieht an und für uns Europäer wird‘s plötzlich teurer, US-Produkte zu kaufen. Importpreise steigen, und man merkt das dann spätestens im Geldbeutel.
Aber es wird noch besser: Ein stärkerer Dollar macht Investitionen in den USA für Anleger richtig attraktiv. Das bedeutet, dass europäische Investoren ihr Geld lieber in den Dollar stecken und Kapital aus Europa abziehen. Was das für uns bedeutet? Kursschwankungen und eine hohe Volatilität des Euro, die das Leben für international tätige Unternehmen alles andere als einfach macht, weil sie ihre Kosten nicht mehr richtig planen können.
Und als ob das nicht genug wäre, hat der Dollarkurs auch Einfluss auf die Rohstoffpreise – besonders bei Öl und Gold. Steigt der Dollar, steigen die Rohstoffpreise und das schlägt direkt auf die Produktionskosten durch. Und jetzt raten wir mal: Was passiert mit den Preisen von Produkten, wenn die Herstellung teurer wird? Genau, sie ziehen an!
Also, wenn man als europäischer Investor oder Sparer nicht auf dem Laufenden bleibt, was in den USA passiert, verpasst man vielleicht den entscheidenden Dreh – denn das hat echte Folgen für das Portfolio, egal ob man in Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert ist.
Fazit: Die PCE Zahlen als Nerv der US-Wirtschaft
Wenn man die PCE Zahlen versteht, fühlt man quasi den Puls der US-Wirtschaft. Sie sind die geheime Waffe der Fed, um die Inflation zu zähmen und die Wirtschaft in Schwung zu halten.
Steigen die PCE Zahlen? Dann könnte ein Zinsanstieg die Folge sein, was die Finanzmärkte ordentlich schocken kann. Bleiben die Zahlen jedoch niedrig oder sinken, dann könnte die Fed Gas geben und die Zinsen senken – und das gibt den Märkten wieder Luft zum Atmen.
PCE Zahlen sind also alles andere als eine langweilige Zahlenspielerei von Statistikern. Sie sind der Taktgeber, dem alles folgt – von der Zinspolitik der Fed bis hin zu den Bewegungen an den US-Finanzmärkten.
Und die US-Zinspolitik hat immer auch globale Folgen, weil der US-Dollar die wichtigste und einflussreichste Währung der Welt ist. Deshalb sollten die PCE-Zahlen von keinem Investor aus den Augen gelassen werden.

