Für *echte* Osnabrücker ist so ziemlich jeder der östlich von Voxtrup, südlich von Nahne, westlich von Hellern oder nördlich von Haste stammt „tolopen Volk“, also irgendwie „zugelaufenes Volk“, um die plattdeutsche Begrifflichkeit grob zu übersetzen.

Wer in Belm geboren wurde ist schon suspekt, und angesichts des Makels mit dem KFZ-Kennzeichen ist der Nachbar aus Büren dem Eversburger oft ferner als die Strände von Mallorca.

Allerdings, das zeigt eine aktuelle Statistik der Stadtverwaltung, sorgen zugereiste Landkreisbewohner, vor allem aber „Menschen mit Migrationshintergrund“ dafür, dass Osnabrück stetig wächst.

Nur ein Fünftel der Osnabrücker war sein ganzes bisheriges Leben hier gemeldet

Exakt 50.477 Menschen mit Migrationshintergrund lebten Ende 2016 in Osnabrück. Diese Zahl ist der Hauptgrund dafür, dass die Bevölkerungszahl in der Hasestadt seit Jahren steigt, wie aus der aktuellen Statistik des Referats für Strategische Steuerung und Rat hervorgeht. Zum Vergleich: Drei Jahre zuvor waren hier mehr als 8.000 Menschen mit Migrationshintergrund weniger gemeldet.

Dabei ist der Begriff Migrationshintergrund in der Statistik sehr weit gefasst. So werden nicht nur Ausländer ohne deutschen Pass, sondern auch eingebürgerte Einwohner und Aussiedler sowie die minderjährigen Nachkommen aller drei Gruppen statistisch als Menschen mit Migrationshintergrund eingestuft. Das heißt, auch wenn Mutter und Vater aus dem Ausland kommen, aber deutsche Staatsbürger geworden sind, werden die Kinder als Menschen mit Migrationshintergrund in der Statistik erfasst – bis sie volljährig sind. Ein Grund dafür ist, den Jungen und Mädchen in Kindergarten und Schule – falls nötig – eine bessere Sprachförderung zu ermöglichen.

Jedes zweite Kind mit Migrationshintergrund

Auf Basis dieser weitgreifenden Einordnung liegt der Anteil der Migranten an der Bevölkerung in Osnabrück bei 30 Prozent. Betrachtet man die Zusammensetzung in den Kindertagesstätten der Stadt, fällt auf, dass dort sogar die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund hat. „Das liegt daran, dass Menschen mit Migrationshintergrund durchschnittlich mehr Kinder haben als jene ohne Migrationshintergrund“, erklärt Frank Westholt, der die Zahlen im Team Strategische Stadtentwicklung und Statistik ausgewertet hat. „Zudem werden alle Kinder, die mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund haben, statistisch als Migranten geführt, bis sie 18 Jahre alt sind.“

Doch es sind nicht nur Menschen aus dem Ausland, die es nach Osnabrück zieht. Aus den Nachbargemeinden zogen in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich 131 mehr Menschen nach Osnabrück als die Stadt ins nähere Umland verlassen haben. Weit mehr Menschen ziehen aber aus weiter entfernten Regionen Deutschlands nach Osnabrück, zum Beispiel aus Bayern oder Thüringen. So liegt die Zahl hier bei 1.575 Einwohnern im Durchschnitt.

Es wird mehr gestorben als neu geboren

Aus dem Ausland kamen in diesem Zeitraum 1.305 Menschen mehr nach Osnabrück als umgekehrt. Dank dieser Werte lag die Einwohnerzahl damit Ende letzten Jahres bei 168.001, so dass sich der positive Trend seit 2008 fortsetzte. Dass die Zahl der Sterbefälle im ersten Quartal 2017 mit 454 um 50 höher lag als die Geburtenrate, fällt statistisch kaum ins Gewicht.

Wo kommen die Zuwanderer her?

Die größte Gruppe an Ausländern – also Menschen, die in Osnabrück leben, aber keinen deutschen Pass haben – stellen die Türken, von denen 2.682 in Osnabrück gemeldet sind. Es folgen Syrer, Bulgaren, Polen und Portugiesen. Weil viele Migranten die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben, hat die Stadt Osnabrück auch die Herkunft der Migranten untersucht. Hier ist die Gruppe der in Polen geborenen Personen mit 5.664 führend vor Einwohnern mit türkischen, russischen, kasachischen und syrischen Wurzeln. Die Syrer stellen mit 1.606 auch die mit Abstand größte Gruppe Geflüchteter.

Betrachtet man die Bevölkerung der Stadt danach, wo die Bewohner ursprünglich herkommen, ergibt sich das Bild einer zuwanderungsfreundlichen Stadt: 83.603 Deutsche ohne Migrationshintergrund, die nicht ihr ganzes Leben in Osnabrück gemeldet waren, leben in der Stadt. „Zu dieser Gruppe zählen wir nicht nur Menschen, die erstmals nach Osnabrück ziehen, sondern auch jene, die nach einer Zeit in einer anderen Stadt zurückkehren“, erklärt Frank Westholt. Hinzu kommen 50.477 Migranten und lediglich 34.065 Osnabrücker, die bereits ihr Leben lang in der Hasestadt gelebt haben. Westholt zieht daraus klare Schlüsse: „An unserer Statistik lässt sich gut ablesen, dass Menschen mit Zuwanderungshintergrund einen wichtigen Anteil am Bevölkerungswachstum der Stadt Osnabrück in der jüngeren Vergangenheit haben und einen bedeutenden Bestandteil der Osnabrücker Gesellschaftsstruktur ausmachen.“

Die ausführliche Statistik ist in der aktuellen Ausgabe von Osnabrück Aktuell verfügbar.