Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil hat erstmals öffentlich über seine überstandene Krebserkrankung gesprochen. Im Interview mit der „Zeit“ berichtet er von seiner Diagnose, dem Heilungsprozess und wie die Erfahrung ihn bis heute prägt. Zudem äußert sich Klingbeil zu politischen Beziehungen, Koalitionsverhandlungen, Kritik aus der Partei sowie internationalen Partnern.
Klingbeil spricht über Krebserkrankung und deren Folgen
Lars Klingbeil (SPD) hat der Wochenzeitung „Zeit“ erstmals von einer überstandenen Krebserkrankung im Jahr 2014 berichtet. Wie er schildert, habe er den Krebs damals selbst bemerkt und anschließend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. „Dass er erfolgreich behandelt werden konnte, sei ein ’sehr großes Glück‘ gewesen“, sagte Klingbeil laut „Zeit“.
Seit der erfolgreichen Therapie habe er keinen Rückfall erlitten und gelte als geheilt. Die Erfahrung habe ihn jedoch nachhaltig geprägt: „Ich glaube, dass man ein Stück weit gelassener an Sachen rangeht.“ Dies sei ein Grund, warum ihm häufig eine ruhige Art nachgesagt werde. „Man blickt schon anders auf das Leben, wenn man einmal kurz vor der Klippe stand. Zungenkrebs hat sehr wenig Chancen auf eine Heilung“, erklärte Klingbeil.
Gesundheit und persönlicher Lebenswandel
Zu seinem früheren Rauchverhalten sagte Klingbeil gegenüber der „Zeit“, er sei jahrelang starker Raucher gewesen, habe jedoch erst spät mit dem Rauchen begonnen: „Ich glaube mit 25, ziemlich bescheuert also.“ Zeitweise habe sein Konsum „bei 40 Zigaretten am Tag“ gelegen. Mittlerweile sei er seit elf Jahren rauchfrei.
Politische Zusammenarbeit und Koalitionsverhandlungen
Das Verhältnis zu CDU-Chef Friedrich Merz beschrieb Klingbeil als belastbar: „Wir planen jetzt beide nicht, Freunde zu werden. Darum geht es nicht. Wir wissen um die gemeinsame Verantwortung, die wir für dieses Land tragen“, sagte er laut „Zeit“. CSU-Chef Markus Söder bescheinigte er „Respekt und Anerkennung“ für dessen Fähigkeit, in schwierigen Verhandlungssituationen „den Knoten durchgeschlagen“ zu haben. Merz und Söder hätten laut Klingbeil Kompromissbereitschaft gezeigt.
Die Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU nach der jüngsten Bundestagswahl habe Klingbeil für die SPD maßgeblich geführt. Aktuell stimme die SPD-Basis über den Koalitionsvertrag ab. Auf Kritik aus den Reihen der SPD, etwa zu Sozial- und Migrationspolitik, reagierte er verständnisvoll: „Ich kann sie natürlich nachvollziehen“, sagte er mit Blick auf die Stellungnahmen mehrerer Juso-Landesverbände. „Ich will nicht belehrend gegenüber den Jusos auftreten.“ Dennoch halte er eine Ablehnung der Koalition mit der Union für falsch. „Alternativen zu ihr müsse man klug für sich abwägen“, so Klingbeil.
Haltung zu internationalen Partnern
Im Gespräch mit der „Zeit“ bezeichnete sich Klingbeil als überzeugten Transatlantiker. Ein voreiliges Abwenden von den USA lehne er ab, auch wenn die Zusammenarbeit mit Amerika aktuell schwierig sei. Er fügte hinzu, dass man „auch den Republikanern die Hand ausstrecken“ müsse. „Man solle nicht mit dem Schlimmsten, aber mit allen Szenarien rechnen“, sagte er.
Mit Blick auf China stellte Klingbeil fest: „China ist kein strategischer Partner, der die USA ersetzen kann.“ Man habe gewisse Wertevorstellungen, „und die sollten wir jetzt nicht über den Haufen werfen“. Diesen Fehler habe man mit Russland gemacht. Es gebe „eine ganze Reihe von Schnittmengen“ mit China, jedoch müssten Unternehmen, die dort tätig sind, auf eigene Verantwortung handeln. „Wenn es mit China schiefgeht“, könne man Unternehmen nicht wie im Falle Russlands retten, sagte Klingbeil gegenüber der „Zeit“.
Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, .