Der Deutsche Philologenverband drängt auf eine stärkere Leistungsorientierung an deutschen Schulen. Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing warnt vor den Folgen für gesellschaftlichen Wohlstand und Entwicklungschancen junger Menschen und kritisiert eine aus ihrer Sicht zögerliche Bildungspolitik. Unterstützung sieht sie in jüngsten Warnungen aus der Bundespolitik und von wirtschaftsnahen Instituten.
Philologenverband fordert mehr Leistungsorientierung
Die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing betonte gegenüber der „Welt“ die Bedeutung eines klaren Leistungsgedankens im Bildungswesen. „Wenn wir unseren gesellschaftlichen Wohlstand halten wollen und Kinder und Jugendliche bestmögliche Entwicklungschancen haben sollen, brauchen wir mehr Leistungsorientierung“, sagte sie der Zeitung. Aus ihrer Sicht sei die Politik jedoch „zu zögerlich, das auch einzufordern oder umzusetzen“.
Lob für Appell aus der Bundespolitik
Lin-Klitzing zeigte sich „dankbar für den dramatischen Appell“ von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), die die Verbesserung der Leistungen zur „Überlebensfrage“ für Volkswirtschaft und Demokratie erklärt hatte. Es gehe nun vor allem darum, die seit Langem anstehenden Aufgaben „nachhaltig und ohne ideologische Scheuklappen“ anzugehen, forderte Lin-Klitzing in der „Welt“.
Zu diesen Aufgaben zählt sie unter anderem die vorschulische Förderung, einen höheren Grundwortschatz in der Grundschule, die Stärkung der Bildungssprache Deutsch und eine „bessere Passung von Leistung und Leistungsbewertung“. Gleichzeitig beobachte sie jedoch „mehr als resigniertes Schulterzucken“. Lin-Klitzing verwies in der „Welt“ auf zusätzliche Warnsignale: „Das Institut der deutschen Wirtschaft zum Beispiel ist ähnlich alarmiert wie wir. Gesellschaftlicher Wohlstand bedarf einer höheren gesellschaftlichen Leistungsorientierung.“
„Dramatisch schlechtere Ausgangssituation“ an Schulen
Mit Blick auf die Entwicklung seit dem ersten Pisa-Schock äußerte Lin-Klitzing erhebliche Sorgen. Gegenüber dem Jahr 2001 herrsche an den Schulen eine „dramatisch schlechtere Ausgangssituation“: „Hinter uns liegen die Erfahrungen mit Covid. Wir haben mehr konstatierte psychische Belastungen der jungen Generation, die auch die Freude an der eigenen Leistung hemmen“, sagte sie der „Welt“.
Hinzu kämen weitere Belastungsfaktoren, so Lin-Klitzing in der „Welt“: „Wir haben einen Anstieg der Migration und damit eine geringere Vertrautheit mit der Bildungssprache Deutsch. Wir haben eine stärkere Abhängigkeit von Smartphones und damit unter anderem auch eine geringere Aufmerksamkeitsspanne für komplexe Bildungsprozesse, die so notwendig wären. Und angesichts der Multikrisen-Weltlage, die wir ja eben haben, wird oft vergessen, welche Herausforderungen wir an den Schulen bewältigen müssen.“
Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, .