Eigentlich ist es ja ganz einfach, die neue Metrobuslinie M1 pendelt zwischen Haste und Düstrup. Doch wer als Busfahrgast nicht ganz so vertraut ist mit der Linienführung der längsten Elektrobuslinie Deutschlands, hat es schwer – zumindest wenn draußen die Sonne scheint oder die vordere Einstiegstür geöffnet ist. Noch schlimmer: Die Sonne scheint UND die Seitentür ist geöffnet.

Die brandneuen Elektrobusse des niederländischen Herstellers VDL haben tatsächlich zwei konstruktionsbedingte Eigenarten, die es oft schwierig machen vor dem Einsteigen zu erfahren, wohin denn der schicke neue Elektrobus wohl fährt.

Einzige Abhilfe: Auf das Schild oberhalb der Frontscheibe schauen oder den Fahrer fragen und nötigenfalls wieder aussteigen, wenn es der falsche Bus ist. Wenn zukünftig noch mehr Busse mit dieser besonderen Eigenart in Dienst gestellt werden, ist an Haltestellen, an denen mehrere Buslinien halten, womöglich munteres Durchfragen angesagt.

Stadtwerke: Ziel ist „nicht immer ganz leicht zu erkennen“

Anders als die große Anzeigetafel oberhalb der Frontscheibe und die Anzeige der Linienummer am Heck der Elektrobusse, wurden die seitlichen Zielschilder hinter getöntem Glas montiert. Sobald es draußen ein wenig heller wird, sieht der Fahrgast nichts!

Zielanzeige, Elektrobus,
Dieses Foto ist nicht nachgearbeitet: Bei Sonnenschein spiegelt sich die Umgebung in den Scheiben, die seitliche Zielanzeige kann nicht abgelesen werden

Die Stadtwerke beschreiben den Effekt so: „Bei hellen Außenbedingungen und insbesondere bei Reflektionen durch Sonneneinfall [ist das Ziel] nicht immer ganz leicht zu erkennen. Dieser Umstand ist der Konstruktion der Fahrzeuge geschuldet, die vorsieht, dass die durchgängigen Seitenscheiben nicht für Zielschilder unterbrochen werden. Die Scheiben sind getönt, damit im Innenraum bei Sonneneinstrahlung weniger Klimatisierungsleistung erforderlich ist“.

Abwägung zwischen Klimatisierung und Kosten für Scheibentönung

„Ohne ungleich höheren (insbesondere finanziellem) Aufwand“ sei es nicht möglich, auf eine Tönung der Seitenscheiben im Bereich der Anzeiger zu verzichten , erklärt Stadtwerkesprecher Marco Hörmeyer auf Nachfrage unserer Redaktion, und weiter: Wir haben uns u.a. aufgrund der getönten Scheiben dazu entschieden, weiße LED-Anzeiger zu bestellen, da diese hinter den Scheiben besser zu erkennen sind als die bislang genutzten orangefarbenen LED“.
Nach Beobachtung unserer Redaktion sind bereits Fahrzeuge mit weißen LED-Anzeigen unterwegs, der Effekt tritt immer noch auf.

Zielanzeige, Elektrobus, Osnabrück
Zusätzliche Komplexität: Bei geöffneter Tür wird die ohnehin schwierig abzulesende Zielanzeige auch noch verdeckt. Links im Bild ist vage ein Teil der Zielanzeige zu erkennen.

Es gibt allerdings noch ein weiteres Problem mit dem Zielschildern, das auch mit anderen LED und selbst bei optimalen Lichtverhältnissen nicht in den Griff zu bekommen sein wird: Öffnet der Busfahrer die vordere Tür, verdeckt die aufschwingende Fahrertür auch gleich einen großen Bereich der ohnehin nur schwer lesbaren LED-Anzeigen.

Immerhin, so der Stadtwerkesprecher, sei auch bei geöffneter Tür immer noch die Liniennummer erkennbar; sofern es dafür dunkel genug ist.

Im Zweifel  raten auch die Stadtwerke sich vor dem Einsteigen den Bus von vorne anzuschauen: „Die Anzeige an der Front ist immer gut lesbar“.