Während der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses wurde nicht nur ein neuerlicher Versuch gestartet den Neumarkt für den Individualverkehr zu „entwidmen“, ein weiterer Vorschlag der Grünen-Ratsfraktion will nun auch die innerstädtischen Parkmöglichkeiten – zumindest zeitweise – reduzieren.

Der juristisch womöglich verfängliche Begriff „Entwidmung“, der bereits am Neumarkt für allerlei Rechtsstreitigkeiten gesorgt hat, ist in dem einstimmig angenommenen Antrag allerdings nicht zu finden. In der Beschlussvorlage wurde eine „Umnutzung“ von zwei Parkflächen in der Dielingerstraße angeregt, sowie ein darauf aufbauendes Veranstaltungsprojekt, bei dem für einen Tag im Jahr weitere Parkplätze zeitweise umgestaltet werden sollen.

In der Dielingerstraße entfallen zwei Parkplätze

„Möglichst noch im Sommer 2017“, so der Wunsch der Antragsteller, ist versuchsweise „die Schaffung von Aufenthaltsqualitäten an Orten, die vorher als Parkstellfläche dienten“ zu erproben.
Einen Ort für diese neue Aufenthaltsqualität haben die Osnabrücker Grünen auch schon gefunden: Direkt vor einem Wein- und Delikatessenhändler, der so zu einer (für ihn) kostenlosen Außengastronomiefläche gelangen wird.

Jeder soll die Flächen nutzen dürfen

Wohl um nicht den Verdacht einer besonderen Begünstigung des direkt anliegenden Feinkosthändlers aufkommen zu lassen, wurde von Seiten der Antragsteller argumentiert, dass diese Fläche grundsätzlich für jeden Bürger und vor allem Anwohner frei zur Nutzung sei. So könnten auch Kunden des benachbarten Kiosks dort Speisen und Getränke einnehmen, oder man könne auch eine eigene Kanne Kaffee mit an den Straßenrand nehmen und dort zum Beispiel mit Nachbarn eine Partie Schach spielen.

Parkplatz, Peral, Wein, Osnabrück
So soll es schon bald vor dem Weinhändler in der Dielingerstraße aussehen (Foto: RIS Osnabrück).

„Klimakatastrophe“ erreicht Dielingerstraße

Lediglich von Seiten der FDP-Fraktion gab es Bedenken, ob die Wegnahme der zwei Parkplätze denn ganzjährig sein müsse, oder nicht auch auf die Sommermonate beschränkt werden könne? Unter Bezugnahme auf die „Klimakatastrophe“, die offensichtlich ganzjährig zum Sitzen am Fahrbahnrand einlädt, wurden diese Bedenken jedoch von Stadtbaurat Frank Otte aus dem Weg geräumt.

Im September kommt der Park(ing) Day

In einer weiteren „Intervention“, mit der Bürger „zu einem bewussteren Umgang mit Flächen der Stadt“ erzogen hingeführt werden sollen, wird zukünftig nach einem Vorbild der schwäbischen Landeshauptstadt Stuttgart auch in Osnabrück ein „Park(ing) Day“ von der Verwaltung unterstützt.
Dabei sollen am jeweils dritten Freitag im September eines Jahres die Idee des Pilotprojektes der Dielingerstraße an weiteren Orten in der Stadt ausprobiert werden. Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger können hierzu eine Stellfläche anmelden, die sie für einen Tag umgestalten wollen. Der Park(ing) Day soll, so die Osnabrücker Grünen, „eine kritische Diskussion zum Thema Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Stadtraumes in Osnabrück initiieren.“

Park(ing) Day Osnabrück
Statt Autos sollen beim „Park(ing) Day“ Kartons, Plastikrasen und Liegestühle den Straßenrand bevölkern (Foto: RIS Osnabrück)

„Projekttandems“ machen es möglich

Die beiden Projekte entstanden im Rahmen des Konzernprojekts MOBIL>E ZUKUNFT von Stadt und Stadtwerke Osnabrück, in dem die Umsetzung kleinerer und mittlerer Projekte als sogenannte „Patenprojekte“ gefördert wird. Diese werden durch Projekttandems befördert und unterstützt. Ein Tandem setzt sich dabei immer aus einer Person aus der kommunalen Politik sowie einem Vertreter der Verwaltung zusammen.
Diese deutschlandweit einmalige Konstellation soll es ermöglichen Ziele des Konzernprojekts positiv zu besetzen und die jeweiligen Projekte möglichst zügig einer Umsetzung zuzuführen.

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