Osnabrück im WM-Fieber: So bereitet die Stadt sich vor



Lediglich alle vier Jahre ist es so weit: Menschen aller Herrenländern kramen die Flaggen ihrer Nationen hervor. Personen, die sonst gar nicht an körperlicher Betätigung interessiert sind, sprechen auf einmal mitten auf der Straße über Sport. Namen wie Ronaldo, Messi, Neuer sind in aller Munde – das kann nur eines bedeuten: Die WM 2018 in Russland steht vor der Tür und natürlich gibt es kaum eine Fußball-Nation auf der Welt, die mit so viel Vorfreude und Nervosität auf das Ereignis blickt wie Deutschland! Nach dem sensationellen Gewinn der Weltmeisterschaft im Jahr 2014 steht allerorts die Frage im Raum, ob die Mannschaft um Trainer Joachim Löw in diesem Jahr das Unvorstellbare schaffen, und den Titel ein weiteres Mal nach Hause holen wird. Auch Osnabrück ist im Fußball-Fieber: Die Fans sehnen der Veranstaltung gespannt entgegen, Gaststättenbetreiber stocken ihre Vorräte an Würsten und Getränken auf, die Wettbüros laufen heiß und über die sozialen Netzwerke wird sich informiert, wo dieses Jahr die Public Viewing Events in Osnabrück stattfinden. Wie die Stadt – und die Welt – sich auf die Fußball WM 2018 vorbereitet, wird im folgenden Artikel geklärt.

Osnabrücker Innenstadt wird kein Public Viewing bieten

Schlechte Nachrichten im Vorfeld der WM für alle Rudelgucker aus Osnabrück: Das geplante Public Viewing Event in der Osnabrücker Innenstadt fällt, wie berichtet, auch dieses Jahr leider aus. Ursprünglich wollte ein zwischenzeitlich gefundenes Unternehmen ein solches Event veranstalten, doch der Marktplatz, welcher für das Public Viewing vorgesehen war, ist zu dem angedachten Zeitpunkt bereits belegt. Die Stadtverwaltung hat bereits zur letzten Europameisterschaft verlauten lassen, dass nur dieser Ort für die gesamte Stadt stehe, ein Public Viewing also auch am besten nur dort abgehalten werden solle. Wunden lecken also für alle Fußball-Fans, die sich gern im großen Rahmen auf dem Marktplatz eingefunden hätten, um – natürlich – Deutschland dabei zuzusehen wie es beim Endspiel eine andere Mannschaft vom Platz kickt. Allerdings gehen die Fans nicht leer aus: Viele Kneipen, Bars und andere private Veranstalter bieten Ersatz, darunter das Alando, welches mit einzigartiger Atmosphäre aufwarten wird. Wer dagegen große Stadionatmosphäre will, sollte in anderen Städten sein Glück suchen – Berlin zum Beispiel veranstaltet vom 14. Juni bis zum 15. Juli erneut seine Berliner Fanmeile auf der Straße des 17. Juni, zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor. Tausende von Fans werden erwartet, ein vergleichbares Event wird es in Deutschland wohl nicht geben. Wer es hingegen eher kleiner mag, kommt in Osnabrück voll auf seine Kosten.

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Kneipen und Wettbüros bereiten sich auf mehr Umsatz vor

Selbstverständlich sind nicht nur die Anbieter von Public Viewing Events, sondern auch Kneipen und Bars dabei, sich auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten. Viele Veranstalter erwarten deutlich höhere Besucherzahlen als zu normalen Bedingungen, dementsprechend kurbelt die WM den Umsatz an. Vielerorts werden Leinwände aufgestellt und die Gaststätten umgeräumt. Für die Betreiber gibt es allerdings einiges zu beachten: Die WM 2018 ist eine Veranstaltung der FIFA und damit nicht nur ein internationales Volksfest, sondern auch ein Markenprodukt. Medien-, Marketing- und Lizenzrechte liegen damit bei der FIFA – dies muss beachtet werden, wenn versucht wird, das ortsansässige Geschäft mit Hilfe der WM zu vermarkten. Ansonsten kann es schnell sehr teuer werden.
Außer den Kneipen laufen auch die Wettbüros heiß: Fußball ist schon seit Jahrzehnten die Sportart, auf die deutschlandweit am meisten gewettet wird. Und zur WM nimmt das Interesse am Fußball auch in der Allgemeinbevölkerung noch einmal deutlich zu. Ein paar Zahlen verdeutlichen dies: Über 30 Millionen Menschen schauen in Deutschland per TV-Übertragung bei den Endrundenspielen zu, auch bei den Frauen-Weltmeisterschaften sind es meist über zehn Millionen. Kein anderer Sport kann diese Zahlen verzeichnen. Dementsprechend vergleichen viele Osnabrücker vor der WM die Quoten, informieren sich über Promotionen bei verschiedenen Anbietern und fiebern der WM dadurch noch mehr entgegen. Sowohl im Internet als auch lokal stellt dies ein großes Umsatz-Plus für die Wirtschaft dar. Und letzten Endes profitieren natürlich auch Fußballvereine und Sportgeschäfte alle vier Jahre von der anstehenden WM: Denn auf einmal kaufen die Osnabrücker Trikots und Fanartikel und möchten gerne einem Verein beitreten.

Ausfälle und Osnabrück

Bei der Frage, wie weit Deutschland es in der WM schafft und wie stark dadurch die Umsätze steigen, kommt man außerdem nicht umhin, sich die Ausfälle bei den Mannschaften anzusehen. Die Verletzungsliste der Nationen wird vor der WM nächsten Monat nämlich immer länger. Nur wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft sieht die Sache für Deutschland kompliziert aus, Nationaltorwart Manuel Neuer und Jérôme Boateng werden wohl aller Voraussicht nach dabei sein; jedoch nicht so fit wie erhofft. Selbiges gilt für den Münchner Kingsley Coman, dessen Syndesmosebandriss wenn alles glatt geht zum WM-Auftakt vollständig verheilt sein sollte. Lars Stindl, der zukünftige Bayern-Stürmer Serge Gnabry und auch Krem Demirbay werden bei der Weltmeisterschaft dagegen verletzungsbedingt ausfallen. Schlimmer als für Deutschland sieht es vor allem für den russischen Gastgeber aus, bei dem gleich zwei Stammspieler (Innenverteidiger Wiktor Wassin und Alexander Kokorin) nicht am Turnier werden teilnehmen können. Die meisten Osnabrücker halten sich aber mit den Spekulationen um die Beeinflussung der WM durch Verletzungen zurück: Hauptsächlich stellt das Event für die meisten Zuschauer eine große Party dar, die nur einmal alle vier Jahre gefeiert wird. Erfahrungsgemäß dürfte die Stadt in den kommenden Wochen also in Schwarz, Rot und Gold erstrahlen, Autofahrer sollten vor allem in der Innenstadt jedoch auf angetrunkene Fußball-Fans achten. Jedoch nur so lange, wie Deutschland auch Teil der WM ist. Wirtschaftlich gesehen wäre ein frühes Ausscheiden für die Stadt nachteilhaft, da – außer zum Endspiel – Käufe und Besucherzahlen bei Events danach erfahrungsgemäß drastisch sinken.

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Ausweitung der WM schon ab 2022?

Und auch ein Ausblick in die Zukunft lohnt sich für alle Betreiber von Gewerbe, die von der WM profitieren: Große internationale Wellen schlägt bereits jetzt die Fußball WM 2022 in Katar. Neben der Frage, ob das Land den logistischen Anforderungen gerecht wird, steht seit neuestem auch die Frage im Raum, ob die geplante Erweiterung der WM auf 48 Mannschaften schon in vier Jahren vollzogen werden soll. Dadurch würde die WM bei der Endrunde ein Sechzehntelfinale gewinnen, es kommen allerdings auch mehr Spiele hinzu. Manche Beobachter fürchten, dass einzelne Spiele dadurch entwertet werden könnten, andere hoffen auf noch mehr Zuschauer und Umsätze. Spätestens ab der WM im Jahr 2026 wird das Format aber ohnehin dementsprechend verändert, Fans und Unternehmen haben also jetzt Zeit, sich darauf einzustellen.

Fazit

Die WM 2018 in Russland schlägt auch lokal große Wellen. Fans sind begeistert, die Politik diskutierte lange die Verwendung der Innenstadt für Public Viewing Events, Kneipen und Bars bereiten sich auf den Ansturm in den kommenden beiden Monaten vor und die Wettbüros laufen heiß. Auch für Osnabrück birgt die Fußball-Weltmeisterschaft also wirtschaftlich und sozial wieder große Chancen. Dass die Fußball-Nation Osnabrück auch ohne das Public Viewing am Marktplatz bei der WM auf ihre Kosten kommen wird, steht außer Zweifel. Die Vorbereitungen laufen in jedem Fall auf Hochtouren.